Löwen-Präsident im Exklusiv-Interview Reisinger: "Ismaiks Vorwürfe sind absurd und ehrenrührig"

Wehrt sich gegen die Vorwürfe von Hasan Ismaik: Löwen-Präsident Robert Reisinger. Foto: imago/MIS

Nach den Attacken des Löwen-Investors im Zuge des Rücktritts von Trainer Bierofka setzt sich Präsident Reisinger exklusiv in der AZ zur Wehr.

 

München - Hasan Ismaik ist nicht nur nach langer Zeit wieder nach München geflogen, er geht in die Offensive. Der Hauptgesellschafter des TSV 1860 wirft Präsident Robert Reisinger und den Kluboberen im BR vor, den zurückgetretenen Trainer Daniel Bierofka weggeekelt zu haben.

Die scharfen Vorwürfe Ismaiks: "Ihr Leistungsnachweis, den sie gemeinsam mit dem Präsidium und dem Verwaltungsrat in den letzten 30 Monaten an den Tag gelegt haben, ist beschämend und dem Traditionsklub 1860 unwürdig. Diese Personen gehen über Leichen." Die AZ hat Reisinger mit den Vorwürfen konfrontiert. Der Präsident antwortete in einem schriftlichen Interview.

AZ: Herr Reisinger, was sagen Sie zu den Anschuldigungen, Sie hätten Daniel Bierofka als Trainer des TSV 1860 loswerden wollen?
ROBERT REISINGER: Die Behauptung ist so absurd wie ehrenrührig – und entbehrt jeder Grundlage.

Geht das konkreter?
Bierofka wurde und wird von unserem Mitgesellschafter auf das Gröbste instrumentalisiert. Selbst noch nach seinem Rücktritt. Ich bin überzeugt, nicht zuletzt diese ständige Indienstnahme für propagandistische Zwecke hat dazu geführt, dass die Situation für unseren Trainer immer schwieriger wurde. Das hat Bierofka so wenig verdient wie die zahlreichen Mitarbeiter vor ihm.

"Durch das Präsidium wurde niemand gemobbt"

Den Vorwurf des "Mobbings" weisen Sie also von sich?
Festzuhalten ist: Durch das Präsidium des TSV München von 1860 e.V. wurde und wird kein Mitarbeiter gemobbt oder diskreditiert. Die öffentlichen Kommentare unseres Mitgesellschafters in der Vergangenheit bis zum heutigen Tag und seine unangebrachte Bewertung von Mitarbeitern und Partnern der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA auf Facebook erfüllen dagegen durchaus die genannten Merkmale. Nachzufragen bei Robert Schäfer, Florian Hinterberger, Oliver Kreuzer, Kosta Runjaic, Thomas Eichin und vielen anderen. Auch der Umgang unseres Mitgesellschafters mit Vereinsikone Roland Kneißl in der Fanartikel-Gesellschaft ist vielen Mitgliedern und Fans in lebendiger Erinnerung. Wir können das leider nicht ungeschehen machen und auch aktuell nicht verhindern, aber wir verhehlen nicht, dass uns diese Art der Kommunikation abstößt.

Warum ist Bierofka aus Ihrer Sicht zurückgetreten?
Bierofka hat aus persönlichen Gründen um eine Auszeit gebeten. Das gilt es zu respektieren. Was es aus unserer Sicht dazu zu sagen gibt, stand in der Erklärung des Vereins. Wer glaubt, darauf jetzt seine persönliche politische Suppe kochen zu müssen, verfolgt alle möglichen Interessen, nur sicher nicht die von 1860.

Ismaik wird aus seinem Umfeld "Blödsinn" erzählt - "Denkwelt von Verschwörungstheoretikern"

Was sagen Sie zu Ismaiks Vorwurf, Sie seien von "Pro1860" und den Ultras aus dem Hintergrund gesteuert?
Das ist Teil einer fortgesetzten Kampagne, um das Präsidium zu diskreditieren – und inhaltlich vollkommen abwegig. Sowas stammt aus der Denkwelt von Verschwörungstheoretikern. Ismaik selbst wird dieser Blödsinn aus seinem Umfeld erzählt. Wir haben im Präsidium eine klare Haltung, was unsere Stellung als Gesellschaftervertreter in der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA anbelangt. Bis heute weigert sich unser Mitgesellschafter zu akzeptieren, was die Mitglieder unseres Klubs in den Vereinsversammlungen der Jahre 2017, 2018 und 2019 wiederholt in demokratischer Wahl und mit klarer Mehrheit entschieden haben. Eine Abkehr vom Kurs der hemmungslosen Verschuldung der Profifußball-Tochter und eine Abkehr vom Größenwahn, der den TSV 1860 zwischenzeitlich zu einer bundesweiten Peinlichkeit werden ließ und in der Regionalliga Bayern endete.

Bereuen Sie Ihre Aussagen über Bierofkas möglichen Abschied und sein Gehalt?
Nein. Denn die Frage "Was ist, wenn Bierofka keine Lust mehr auf das Traineramt hat?" wurde mir häufig gestellt. Ein Schreckgespenst, das auch unser Mitgesellschafter gerne genährt hat. Eine Antwort aus Sicht des Präsidiums haben wir gegeben. Nicht abzusehen war damals für mich, wie schnell die Frage akut wird. Ich habe sie zu diesem Zeitpunkt für hypothetisch gehalten. Als stark problematisch hat sich in der Praxis gezeigt, dass viele Medien unsere Antwort in der Berichterstattung immer nur in stark verkürzter Form zitiert haben, um ihr den gewünschten Drive zu verleihen. Liest man hingegen unsere gesamte Erwiderung auf die Frage, stellt man rasch fest: sie war gänzlich anders intendiert.

"Wenn sich Ismaik rational verhält, wird es keine Insolvenz geben"

Neuerdings gibt es vermehrt Gerüchte über Pläne des Vereins, eine Insolvenz der KGaA einzuleiten...
Wer sich angesichts der wirtschaftlichen Bilanz der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA nicht immer wieder mit allen denkbaren Szenarien auseinandersetzt, würde fahrlässig handeln. Wenn unser Mitgesellschafter sich rational verhält, wird es zu keiner entsprechenden Zwangslage für die Geschäftsführung kommen. Gegenüber den Spielern hat Ismaik erklärt, eine Insolvenz nicht zulassen zu wollen.

Was können Sie tun, um das Fan-Lager zu beruhigen?
In Aufruhr befinden sich Fans und Mitglieder vor allen Dingen deshalb, weil etliche Medien vollkommen unkritisch die Inszenierung einer Dolchstoß-Legende mitgetragen haben. Wir können als Präsidium nur immer wieder nüchtern die Fakten benennen.

Wie kann 1860 den Fokus auf die Zukunft zu legen?
Wenn die Fans geschlossen hinter der Mannschaft stehen, sind die Turbulenzen des Trainerwechsels leichter zu verkraften. Beim Halleschen FC, gegen FC Bayern II und gegen die SpVgg Unterhaching wird es nur gemeinsam gehen. Wer als Bierofka-Nachfolger kommt, ist Sache der fachlich Verantwortlichen. Vom Profil her wird es ein zeitgemäßer Fußballlehrer sein, der es versteht, Talente auszubilden.

Lesen Sie hier: Das sagt Jens Keller über Trainer-Gerüchte bei den Löwen

 

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