Liveblog zum Nachlesen Das sagte Zschäpe über Kindheit, Liebe, NSU-Morde

Die Angeklagte Beate Zschäpe sitzt am 09.12.2015 im Gerichtssaal im Oberlandesgericht in München (Bayern) an ihrem Platz. Foto: dpa

Am heutigen Mittwoch hat Beate Zschäpe sich erstmals zu ihrer Rolle in der NSU-Terrorserie geäußert. Ihr Anwalt verlas eine rund 50 Seiten lange, vorbereitete Erklärung. Darin wies Zschäpe fast alle Schuld von sich.

 

In unseren Liveblog können Sie die Entwicklungen des heutigen Tages noch einmal nachlesen.

Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Fakten:

  • Die mutmaßliche Rechtsterroristin Zschäpe bestreitet eine Beteiligung an den Morden und Sprengstoffanschlägen des NSU. Sie will nicht mal Mitglied des NSU gewesen sein.
  • Zschäpe beteuert, sie habe von den Morden ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt immer erst im Nachhinein erfahren und sei entsetzt gewesen.
  • Sie gesteht, die letzte Fluchtwohnung der Gruppe in Zwickau in Brand gesetzt zu haben. Vor der Brandstiftung sei sie durchs Haus gegangen, um sicherzustellen, dass sich niemand mehr darin befinde.
  • Zschäpe sieht sich im juristischen Sinne als unschuldig an und räumt lediglich ein: «Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich zehn Morde und zwei Bombenanschläge nicht verhindern konnte.»
  • Sie habe versucht, Mundlos und Böhnhardt vom Morden abzuhalten, erklärt Zschäpe. Sie habe immer wieder mit dem Gedanken gespielt, zur Polizei zu gehen und das Leben im Untergrund zu beenden. Doch wegen der Selbstmorddrohung ihrer Freunde sei die Lage für sie unlösbar gewesen.

+++ 11:23 Uhr +++

Und damit endet die durch Anwalt Grasel verlesene Erklärung von Beate Zschäpe.

Nachfragen lässt Zschäpe nur in schriftlicher Form zu. Ihre Antworten sollen dann auch schriftlich folgen. Daher ist heute wohl mit keinen weiteren neuen Entwicklungen mehr zu rechnen.

+++ 11:20 Uhr +++

Zum Ende der Erklärung hin die ersten Worte, die nicht nur darauf abzielen, Zschäpes Rolle möglichst kleinzureden:

"Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Opfern und Angehörigen von Opfern."

"Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich Morde und Bombenanschläge nicht verhindern konnte."

+++ 11:13 Uhr +++

Beate Zschäpe will das NSU-Bekennervideo im Prozess erstmals gesehen haben. Sie bestreitet, den Inhalt der Paulchen-Panther-Videos gekannt und mitgeschnitten zu haben. Den Inhalt habe sie nicht gekannt, nur vermutet, dass Raubüberfälle und auch Morde Gegenstand des Films sein können.

+++ 11:08 Uhr +++

Zschäpe spielt ihre Rolle im NSU weiter herunter:

"Der Generalbundesanwalt wirft mir vor, als gleichberechtigtes Mitglied des NSU mitgewirkt zu haben. Diese in Zusammenhang mit dem NSU erhobenen Vorwürfe entbehren jeder Grundlage."

"Es kann keine Rede davon sein, dass ich bei der Gründung eines NSU dabei gewesen sei. Der NSU war allein eine Idee von Uwe Mundlos."

"Ich habe mich weder damals noch heute als Mitglied einer solchen Bewegung gesehen."

+++ 11:03 Uhr +++

"Ich hatte nur einen Gedanken: Ihren letzten Willen zu erfüllen." Dass Zschäpe die von Mundlos vorbereiten DVDs in den Briefkasten stecken, die Wohnung in Brand setzen und die Eltern informieren sollte.

"Mundlos wollte, dass alle Beweise auf die Taten vernichtet werden, Böhnhardt hatte den Wunsch geäußert, dass alle Beweise auf unser Leben vernichtet werden."

Die Erklärung von Zschäpe geht nun auf die in Brand gestecktet Wohnung in Zwickau ein. "Im Abstellraum befand sich der Kanister mit Benzin, dass Böhnhardt seit längerem dort deponiert hatte."

"Ich hatte nicht vor, Beweise gegen mich zu vernichten, das war mir völlig egal."

+++ 10:59 Uhr +++

+++ 10:57 Uhr +++

"Vier Jahre passierte nichts, bis zum 7. September 2011." Mundlos und Böhnhardt hätten sie informiert, dass sie ein Wohnmobil mieten würden und einen Überfall geplant hätten.

"Die beiden waren überfällig. Sie wollten ein Objekt für einen Überfall auskundschaften." Bei der Abholung des Wohnmobils am 25. Oktober soll sie dabei gewesen sein.

"Ich erfuhr im Radio, dass ein Wohnmobil brennen würde und sich zwei Leichen darin befinden sollen. Ich war mir sofort sicher, dass das die beiden waren."

+++ 10:54 Uhr +++

Auch von dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter soll sie nichts gewusst haben. Diesen sollen die beiden Täter begangen haben, um an die Dienstwaffe der Polizistin zu gelangen.

Somit  bestreitet die mutmaßliche Rechtsterroristin, an den zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen beteiligt gewesen zu sein, die die Bundesanwaltschaft der Terrorgruppe NSU vorwirft.

+++ 10:51 Uhr +++

Die Erklärung ist inzwischen bei den Morden sechs bis neun. Zschäpe will im Vorfeld von all den Morden nichts gewusst haben. Mundlos und Böhnhardt sollen sich damit gebrüstet haben, dass sie "vier weitere Ausländer umgelegt hätten."

+++ 10:48 Uhr +++

Um den Überblick nicht zu verlieren: Zschäpe bestreitet, an den NSU-Morden im Jahr 2001 beteiligt gewesen zu sein. Ihre Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hätten sie nicht darüber informiert. Als sie hinterher davon erfahren habe, sei sie sprachlos und fassungslos gewesen.

Am 13. Juni 2001 war der 49-jährige Türke Abdurrahim Özüdogru in seiner Änderungsschneiderei in Nürnberg erschossen worden, am 27. Juni 2001 in Hamburg Süleyman Tasköprü (31) in seinem Lebensmittelladen.

+++ 10:45 Uhr +++

Zschäpe habe zwar die Taten verabscheut, doch sie habe sich weiterhin zu Böhnhardt hinzogen gefühlt. "Ich gab mich dem Schicksal hin, weiter mit den beiden Männern zu leben. Nicht sie brauchten mich, ich brauchte sie. […] Die beiden waren meine Familie."

"Mir wurde bewusst, dass ich mit zwei Menschen zusammenlebte, denen ein Menschenleben nichts wert war."

+++ 10:40 Uhr +++

Zschäpe über den Bombenanschlag in Köln: Sie habe davon nichts gewusst. Böhnhardt habe die Bombe in seinem Zimmer gebaut. "Es war Böhnhardt, der die Bombe in dem Koffer deponierte, während Mundlos vor dem Geschäft wartete."

Mundlos und Böhhardt sollen erklärt haben, dass sie "Bock darauf gehabt hätten". "Es kam mir der Gedanke, wie gefühllos die beiden waren."

+++ 10:38 Uhr +++

Zschäpe wollte sich nach dem Mord an Simsek der Polizei stellen. Mundlos und Böhnhardt sollen dann gesagt haben, dass sie sich dann die Kugel geben wollten. "Sie haben sich geschworen, sich niemals von der Polizei festnehmen zu lassen."

"Ich stand vor einem unlösbaren Problem.  Sollte ich mich stellen, müsste ich den Tod der einzigen beiden Menschen auf mich nehmen, die mir neben meiner Oma wichtig waren."

+++ 10:35 Uhr +++

Laut der Erklärung sollen Mundlos und Böhnhardt mit keinem Wort erklärt haben, dass der Mord politisch motiviert gewesen sei.

"Bis heute weiß ich nicht, was ihre wahren Motive waren."

+++ 10:33 Uhr +++

"Mit dem Umstand konfrontiert, dass ich in Mord verwickelt war, eröffnete ich den beiden, dass ich mich der Polizei stellen wollte."

+++ 10:32 Uhr +++

Davor war übrigens bereits der Simsek-Mord - von dem will Zschäpe erst im Advent 2000 erfahren haben.

+++ 10:31 Uhr +++

Grasel geht jetzt auf den ersten Überfall ein. Am 30. November 2000 sollen Mundlos und Böhnhardt eine Postfiliale in Chemnitz ausgeraubt haben.

+++ 10:26 Uhr +++

"Mir war klar, dass es keinen Rückweg ins bürgerliche Leben gab."

+++ 10:25 Uhr +++

Die Erklärung dauert inzwischen gut eine halbe Stunde. Grasel macht weiter mit der nächsten NSU-Aktion. Am 26. Januar 1998 soll es eine Hausdurchsuchung bei Uwe Böhnhardt haben. Er soll erkannt haben, dass die Garage aufgeflogen sei. "Er forderte mich auf 'fackel ab'."

Zschäpe soll eine leere 07-l-Flasche besorgt und diese an der Tankstelle mit Benzin gefüllt haben, um das Propagandamaterial in der Garage zu verbrennen.

+++ 10:20 Uhr +++

Grasel spricht derzeit über die Aktivitäten des Trios Ende der 1990er Jahre:

Es wurde eine Garage angemietet. Der Zweck sei: Propagandamaterial zu deponieren. "Ich traf mich wieder mit den beiden. Sie brachten Propagandamaterial und Gegenstände in der Garage unter. Außerdem Schwarzpulver und TNT."

"1996 teilten beide mit, dass sie im Sportstadion unter der Tribüne einer Holzkiste mit einer Bombenattrappe deponieren wollten."  Zschäpe selbst soll daran nicht beteiligt gewesen sein.

+++ 10:18 Uhr +++

Die Erklärung macht weiter mit der Trennung von Uwe Böhnhardt. "Meine Gefühle zu Böhnhardt waren nach wie vor sehr intensiv. Ich versuchte, [...] Böhnhardt zurückzugewinnen."

+++ 10:11 Uhr +++

"Wir wollten aufmerksam machen, dass es einen politischen Gegenpol zu den Linken gibt", liest Grasel vor. Aus dem "Katz- und Mausspiel mit der Polizei und Verfassungsschutz" sei eine ernste Angelegenheit geworden, als mehrere Hausdurchsuchungen stattfanden.

Dann soll es mehrere Aktionen gegeben haben, bei denen "etwas passieren sollte", um zu zeigen, "dass die rechte Szene lebt". "Jedoch ohne tatsächliche Gefahr für Leib und Leben, und ich ging davon aus, dass die beiden das genauso sahen."

+++ 10:06 Uhr +++

Sie schloss sich der Kameradschaft Jena an, war aber zunächst nur Mitläufer: "Aktiv wurde ich erst, als Tino Brand hinzustieß."

Brand soll Zusammenkünfte, Rechtsauskünfte organisiert haben. Er soll Geld zur Verfügung gestellt haben und unter anderem einen Heß-Gedenkmarsch organisiert haben. "Er brachte 'Lesematierial mit nationalistischem Inhalt'".

+++ 10:02 Uhr +++

An ihrem 19. Geburtstag lernte Zschäpe Uwe Böhnhardt kennen, vorgestellt von einer Freundin. "Ich verliebte mich in ihn, war aber noch mit Mundlos zusammen."

Auch, als sie erfuhr, dass er vielfach straffällig geworden war, änderte sich daran nichts.

"Kurz nach Mundlos' Wehrdienst trennten wir uns. Anschließend ging ich eine Beziehung mit Böhnhardt ein", liest Grasel vor.

"Schon beim Kennenlernen trug er Bomberjacke und Springerstiefel. Seine Einstellung zu Waffen konnte man schon daran erkennen, dass er Morgenstern und Tschacko in meiner Wohnung aufgehängt hatte", heißt es in der Erklärung von Zschäpe. "Ich wandte mich immer mehr  Böhnhardts Freunden zu. Die hatten eine intensivere nationalistische Einstellung als die von Mundlos."

+++ 10:00 Uhr +++

Uwe Mundlos lernte sie 1987 auf einem Spielplatz kennen. Einige Jahre später zog Mundlos zu Zschäpe in die Ernst-Zielinsky-Straße. "Er stammte aus einem guten Elternhaus."

"Wir hörten gemeinsam Lieder mit nationalistischen Inhalten und sangen, man könnte es auch brüllen nennen, nach."

+++ 09:58 Uhr +++

Grasel beschreibt die Familiengeschichte von Zschäpe - Ehen und Alkoholprobleme der Mutter, Kindergarten, Oma, Einschulung.

"Ich bekam von der Mutter so gut wie kein Geld, so dass ich mich an kleineren Diebstählen beteiligten musste", heißt es in der Erklärung Zschäpes, die Grasel verliest.

+++ 09:45 Uhr +++

Jetzt ist es soweit: Zschäpes Anwalt Mathias Grasel beginnt damit, eine Aussage der Hauptangeklagten zu verlesen.

+++ 09:48 Uhr +++

Es geht los. Die Richter sind da. Das Verfahren wird fortgesetzt. Zunächst werden die die Namen der Anwesenden aufgezählt.

+++ 09:44 Uhr +++

Beate Zschäpe betritt den verhandlungssaal und lächelt in die Kameras der Journalisten. Das ist ein Novum, bisher vermied sie die Kameras eher.

Für diesen besonderen Verhandlungstag trägt Zschäpe einen schwarzen Businessanzug, offenes Haar und ein weisses Tuch.

+++ 09:41 Uhr +++

Auch gute zehn Minuten nach dem angestrebten Verhandlungsbeginn hat die Angeklagte Beate Zschäpe den Saal nocht nicht betreten.

+++ 09:35 Uhr +++

Jetzt sind auch die "neuen" Verteidiger da.

Verteidiger Borchert macht eine Runde durch alle Angeklagten und ihre Verteidiger, reicht jedem die Hand. Erstmals nimmt er an einer Verhandlung im NSU-Prozess teil. 

Platzverteilung: Grasel baut seinen Laptop ganz links auf der Verteidigerbank auf, daneben ein freier Platz, wohl für Zschäpe, daneben Borchert. Neben ihm dann Stahl, Herr und Sturm.

+++ 09:32 Uhr +++

Da die Angeklagte und die beiden Verteidiger ihres Vertrauens noch nciht im Saal sind, verzögert sich der Beginn des Prozesstages doch noch mal etwas.

+++ 09:27 Uhr +++

Die Alt-Verteidiger Sturm, Stahl und Heer haben den Saal betreten. Angeblich sind die Differenzen zwischen ihnen und Beate Zschäpe so groß, dass auch sie heute zum ersten Mal die Aussagen der Angeklagten hören.

+++ 09:25 Uhr +++

Die Zuschauerplätze sind mittlerweile gefüllt, einem pünktlichen Start dürfte also eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

+++ 09:20 Uhr +++

Der Anwalt der Münchner Familie Boulgarides, Yavuz Narin, hegt "keine großen Erwartungen" an die angekündigte Aussage von Zschäpe. Der Familienvater Theodoros Boulgarides war am 15. Juni 2005 in seinem Geschäft erschossen worden, mutmaßlich von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Laut Anklage der Bundesanwaltschaft war Boulgarides das siebte der insgesamt zehn Mordopfer des NSU. Narin sagt, das von Zschäpe und ihren Anwälten "geplante Prozedere" spreche "nicht unbedingt für die Glaubhaftigkeit irgendwelcher Aussagen".

+++ 09:20 Uhr +++

Der Anwalt der Münchner Familie Boulgarides, Yavuz Narin, hegt "keine großen Erwartungen" an die angekündigte Aussage von Zschäpe. Der Familienvater Theodoros Boulgarides war am 15. Juni 2005 in seinem Geschäft erschossen worden, mutmaßlich von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Laut Anklage der Bundesanwaltschaft war Boulgarides das siebte der insgesamt zehn Mordopfer des NSU. Narin sagt, das von Zschäpe und ihren Anwälten "geplante Prozedere" spreche "nicht unbedingt für die Glaubhaftigkeit irgendwelcher Aussagen".

+++ 09:15 Uhr +++

In genau 15 Minuten, um 09:30 Uhr soll der 249. Verhandlungstag im NSU-Prozess beginnen.

Es scheint angesichts des aktuellen Andrangs aber auch durchaus möglich, dass sich der Beginn einige Minuten nach hinten verschiebt.

+++ 09:12 Uhr +++

Zschäpe will Fragen zu ihrer Erklärung erst später und nur schriftlich beantworten. Das teilte ihr Verteidiger bereits im Vorfeld mit.

+++ 09:11 Uhr +++

Was will Zschäpe eigentlich aussagen?

Darüber gab es zuletzt nur sehr vage und unbestätigte Informationen. Verteidiger Grasel hat zwar angekündigt, dass sich Zschäpe zu allen Anklagepunkten äußern wolle. Aber was will sie sagen? Wird sie - wie es heißt - sagen, wo sie sich in den vier Tagen zwischen dem Auffliegen des NSU und ihrer Festnahme aufgehalten hat? Plant sie, bisher unbekannte Einzelheiten zu einigen Taten zu enthüllen, die dem NSU vorgeworfen werden? Und will sie auch - wie gerüchteweise zu hören war - angebliche Verstrickungen zu Geheimdiensten offenlegen?

+++ 09:01 Uhr +++

Stimmen aus der Warteschlange: Markus Kraus (54) aus München steht seit 07:20 Uhr vor dem Oberlandesgericht, macht sich aber kaum Hoffnungen, tatsächlich einen Platz im Prozesssaal zu bekommen. Der sei für einen solchen Prozess einfach viel zu klein.

Er erhofft sich durch Zschäpes Aussage insbesondere auf zwei entscheidende Antworten: Genau wie die Angehörigen der Ermordeten treibt ihn die Frage um, nach welchen Kriterien die 10 Opfer ausgewählt wurden. Zudem will Kraus wissen, welche Rolle der Verfassungsschutz in dem gesamten Skandal spielte.

+++ 08:54 Uhr +++

Neben den vier Pflichtverteidigern hat Zschäpe zudem noch einen fünften Verteidiger: Dr. Hermann Borchert, der gemeinsam mit Zschäpes viertem Pflichtverteidiger Mathias Grasel eine Kanzlei betreibt. Da Borchert derzeit allerding nicht Pflicht- sondern Wahlverteidiger ist, muss Zschäpe dessen Honorar selbst zahlen. Das ist der Angeklagten offenbar nicht mehr möglich, denn sie will beim heutigen Verhandlungstag auch beantragen, dass Borchert zum fünften Pflichtverteidiger bestimmt wird. Dadurch würde dann die Staatskasse das Honorar zahlen müssen.

+++ 08:48 Uhr +++

Ursprünglich wurde Beate Zschäpe von drei Verteidigern vertreten: Wolfgang Stahl, Wolfgang Heer und Anja Sturm. Deren Strategie sah offenbar vor, dass Zschäpe eisern zu den Vorwürfen schweigt.  Vor gut drei Monaten wurde das Anwalts-Team dann auf Zschäpes Wunsch um einen vierten Pflichtverteidiger, den Münchner Anwalt Mathias Grasel, erweitert. Der genießt derzeit offenbar Zschäpes Vertrauen änderte die Strategie. Er will heute die mit seiner Mandantin ausgearbeitete Erklärung verlesen.

+++ 08:25 Uhr +++

Während die meisten Personen in der Warteschlange entweder Medienvertreter oder am Prozess interessierte Münchner sind, finden sich dort auch einige Leute, die weite Anfahrtswege hinter sich haben.

Eine Dame, die extra aus Berlin zum Prozess gekommen ist, hatte Zschäpe bereits am gestrigen Dienstag, dem 248. Verhandlungstag beobachten können. Wie die Angeklagte dort locker mit ihrem Verteidiger scherzte, empfand die Berlinerin "als unerträglich".

Vom heutigen Tag erhofft sie sich, dass man endlich bei der Aufarbeitung des NSU-Terrors ein Stück weiter kommt. Diese Aufarbeitung hält sie nicht nur für die Hinterbliebenen der Opfer sondern für die gesamte Republik für extrem wichtig. Und deshalb möchte sie heute Zeugin dieses wichtigen Zwischenschritts im NSU-Prozess werden.

+++ 08:00 Uhr +++

Das Interesse an Beate Zschäpes Aussage ist enorm. Seit vielen Stunden stehen Prozessinteressierte vor dem Oberlandesgericht Schlange, um einen der begehrten Zuschauerplätze zu ergattern. Einige haben das Problem jedoch umgangen: Sie bezahlen Studenten als Platzhalter.

 

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