Literatur Tommy Jauds weinseliger Weltuntergang

Der Kölner Humorbestseller Tommy Jaud Foto: dpa

Nach "Vollidiot" und "Millionär" schickt der Autor seinen Antihelden Simon Peters als "Überman" ins letzte Abenteuer

Für die einen ist er der "Mario Barth der Literatur", für "Stromberg" Christoph Maria Herbst hingegen der "Thomas Mann unter den Popcorn-Belletristikern". Zumindest aber zaubert der 42-jährige Tommy Jaud regelmässig ein Lächeln in die krisengezeichneten Gesichter der deutschen Buchhändler, denn seine Romane sind allesamt Bestseller.

Diese Woche schickt Jaud seinen Antihelden Simon Peters nach "Vollidiot" und "Millionär" ins dritte Abenteuer. "Überman" beginnt komödiantisch verheissungsvoll: Peters hat seine im Vorgängerroman ergatterte Million mit Hilfe seines griechischen Finanzberaters und Fehlinvestitionen (Discountzertifikate auf Magerschwein, rumänische Waldfonds) erfolgreich pulverisiert und kann nun nicht einmal die Weiterbildung seiner Freundin Annabelle zur Internationalen Weinwirtin bezahlen.

Diese vielleicht beziehungsverkürzende Tatsache gilt es ebenso zu verschweigen wie die neuen Steuerschulden und den Verlust des Penthouses. Peters hat nur eine Woche Zeit, eine sechsstellige Summe herbei zu zaubern, sonst droht ihm der private Weltuntergang. Wie praktisch, dass sich dieser terminlich mit dem der Mayas deckt, deren Kalender ja bekanntlich am 21. Dezember 2012 endet. Könnte man dann nicht wenigstens mit der Angst der anderen ein lukratives Geschäft machen?

Finanzkrise, Esoterik, neubürgerliche Weinseligkeit und die titelgebende (angeblich leistungssteigernde) "Uberman"-Schlafmethode wären hervorragende Zutaten für eine aktuelle Gesellschaftssatire, doch Jaud komm schnell von der Strecke ab. Der Exkurs über die Unerfüllbarkeit eines Jamie Oliver 30-Minuten-Menüs ist köstlich, aber dann siegt der Kalauerfeuerwerker über den Autor. Das ist besonders schade, weil Jaud durchaus ein mit Dialogwitz und Situationskomik im Übermass gesegneter Humorist ist, der aber die Fäkalpointe und das Absurde über die Geschichte stellt.

So jagt der Roman dem heillos überdrehten Showdown in einem Kölner Weinkeller entgegen, während man als Leser längst wegen all der liegen gelassenen Handlungsstränge das Interesse am Schicksal der Figuren verloren hat. Als "vermutlich letzten Teil seiner Simon-Peters-Reihe" hat Tommy Jaud diesen Roman angekündigt. Die Lücke, die er hinterlässt, bleibt überschaubar.

Tommy Jaud: "Überman" (Scherz Verlag, 352 Seiten, 16.99 Euro)

 

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