Lilienthal begrüßt mit Handschlag "Die Vielen": Glänzende Demo in München

Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal bei der Vorstellung des Aktionstags im Gärtnerplatztheater. Foto: Amon Ritz

Theater, Festivals und Museen rufen zu einem Aktionstag gegen Nationalismus und Rassismus auf.

 

Was den Gegnern Emmanuel Macrons in Frankreich die gelben Westen sind, ist Goldfolie für hiesige Kulturschaffende. Die Warnweste wie die Rettungsdecke gehört zur Pflichtausstattung für Autofahrer im Ernstfall, und das Aktionsbündnis "Die Vielen" versteht sich als eine Initiative, die "Europa für alle" vor den Zugriffen von Nationalisten und Rassisten zu schützen versucht.

Am 19. Mai, eine Woche vor der Europa-Wahl, findet in München eine "Glänzende Demonstration der Vielen" statt. "München hat Berlin als Demo-Hauptstadt überholt" freut sich der Ex-Berliner Matthias Lilienthal.
Der Intendant der Münchner Kammerspiele hatte im Sommer vergangenen Jahres seine eigene Erfahrung als Demonstrant gemacht: Seine Mitwirkung bei Protestaktionen gegen den rechten Populismus unter dem Motto "#ausgehetzt" wertete die Stadtrats-CSU als Verletzung der Neutralitätspflicht, die für den Leiter eines städtischen Betriebs gelte, und forderte "dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen".

Lilienthal begrüßt jeden mit Handschlag

Von der Teilnahme an der Demo in Gold hält das den Theaterchef nicht ab, wenn auch, wie er gelassen bei einer Pressekonferenz im Gärtnerplatztheater erklärte, seine "Freunde von der CSU immer für eine Überraschung gut sind". Er werde jeden, der das will, "mit Handschlag begrüßen".

Die Besetzung des Podiums bei der Präsentation des Aktionstages vermittelte einen Eindruck von der Breite des Bündnisses: Neben Moderator Lilienthal sprachen Sophie Becker, künstlerische Leiterin des Theaterfestivals Spiel-Art, Lesslie Pikazo, Pressesprecherin des als Reaktion auf das Polizeiaufgabengesetz gegründete Künstlerkollektiv "Aktionsgruppe Polizeiklasse", Michael Buhrs, Direktor der Villa Stuck und David Süß, Leiter des Techno-Clubs Harry Klein. Anders als in Italien oder Osteuropa sei der Druck auf die Künstler hierzulande noch nicht so stark, aber "wir warten nicht darauf", erklärte Lesslie Pikazo.

Sophie Becker räumte ein, fälschlicherweise angenommen zu haben, mit dem avantgardistischen Programm von Spiel-Art anders als die großen Theater "unter dem Radar geflogen" zu sein, aber von Anfeindungen von Rechtsaußen kann inzwischen jeder berichten. Deshalb wird die Vernetzung der verschiedenen Kulturszenen ganz besonders begrüßt.

"Wir sind Individualisten, die jetzt aufeinander aufpassen", meinte David Süß. Die "Glänzende Demonstration" soll selbst eine "künstlerische Installation im öffentlichen Raum" entlang "historisch belasteter Orte" wie Königsplatz oder Odeonsplatz werden, heißt es in einer Erklärung. Aus den Rettungsdecken wird nach der Veranstaltung ein goldener Würfel gepresst zu einem "Kunstwerk, das die Demonstration überdauern wird".  

 

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