Liederabend im Prinzregententheater Daniel Behle mit Schuberts "Schwanengesang" und Schumanns "Dichterliebe"

Der deutsche Tenor Daniel Behle. Foto: Julian Laidig

Mit dem Silberstift gezeichnet: Daniel Behle singt Schuberts "Schwanengesang" und Schuberts "Dichterliebe" im Prinzregententheater

 

Laut, heißblütig und aus voller Kehle tönen viele. Der Tenor Daniel Behle dagegen hat eine seltene Fähigkeit: Er kann ganz wunderbar verhalten und lyrisch singen. Eine Kunst, die eigentlich gar nicht hoch genug gelobt werden kann.

Im Prinzregententheater begann der gebürtige Hamburger zart und betörend mit der „Liebesbotschaft“ und tönte das abschließende „Herzliebste – gute Nacht!“ zart ab. Mit seinem ingeniösen Partner, dem norwegischen Pianisten Sveinung Bjelland, mied er beim „Ständchen“ jedes vordergründige Sentiment durch ein dezidiert langsames Tempo. Die „Taubenpost“ hatte etwas Träumerisches. Wunderbar!

Und doch: Ganz froh hörte man seiner Deutung von Schuberts „Schwanengesang“ nicht zu. Behle neigt dazu, mit feinem Tenor seine Gestaltungskunst vorzuführen. „In der Ferne“ wirkte manieriert, nicht natürlich. In den dramatischen Liedern wie „Kriegers Ahnung“ touchiert er immer wieder den oberen Anschlag seiner Stimme. Fast alle Lieder, die sich nicht mit dem tenoralen Silberstift zeichnen lassen, wirken etwas forciert.

Ähnliches gilt für Robert Schumanns „Dichterliebe“. Bei Behle leidet da eine reine, schlichte Seele. Davon profitieren die ersten, verliebten Nummern. Aber wenn es bitter, gar zynisch wird, stößt der Sänger leicht an interpretatorische Grenzen. Das wirkt immer etwas gewollt.

Als Zugabe wählte Behle „Kleine Möwe“ – bekannt durch Hans Albers, Freddy Quinn und Curd Jürgens. Natürlich kann man am Ende eines Liederabends auch mal einen Schlager ganz zart, verhalten und subtil singen. Aber ein Hit des Jahres 1934 wirkt historisch schon etwas taktlos, wenn der Abend davor ausgerechnet Heinrich Heine gewidmet war.

 

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