Libyen Verzweiflung der Aufständischen in Libyen wächst

Die Aufständischen in Libyen haben der geballten Militärmacht von Staatschef Muammar al-Gaddafi immer weniger entgegenzusetzen.

 

Tripolis/Bengasi/Istanbul - Nach ihren jüngsten Gebietsgewinnen im Osten gehen die Truppen des Regimes nun verstärkt gegen die von ihnen eingekesselten Städte im Westen des Landes vor.

Ein Augenzeuge sagte dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira am Dienstag, die Aufständischen hätten innerhalb weniger Stunden die Kontrolle über die Kleinstadt Suwara nahe der tunesischen Grenze verloren. Weiterhin unter Beschuss liegt Misurata, eine der größeren Städte im Westen. Weiterhin umkämpft ist nach Auskunft eines Sprechers der Aufständischen die Stadt Al-Sawija.

Mehrere Rebellenkommandeure hatten am Montag angedeutet, dass sie ein Blutbad befürchten, falls sich die internationale Gemeinschaft nicht zur Einrichtung einer Flugverbotszone durchringen sollte. Ein Amnestie-Angebot der Führung für "reuige" Rebellen, die ihre Waffen abgeben, machte auf die Aufständischen nicht viel Eindruck. Ein Sprecher der Rebellen in Misurata sagte, Gaddafi habe inzwischen so viel Angst vor Verrat in den eigenen Reihen, dass er sich nur noch auf seine Söhne verlasse.

Ein Polizeikommandeur in der von den Aufständischen kontrollierten Stadt Bengasi im Osten des Landes sagte, ein Sieg der Rebellen sei noch nicht ausgeschlossen. "Falls es den Truppen von Gaddafi nicht bald gelingt, die Raffinerien des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen, wird ihnen der Treibstoff ausgehen".

Gaddafi gab derweil ein weiteres merkwürdiges Interview. Der italienischen Zeitung "Il Giornale" sagte er, seine Regierung führe zwar Krieg gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida. Aber wenn der Westen sich verhalten sollte wie beim Vorgehen gegen Saddam Hussein im Irak, "denn wird Libyen die internationale Allianz gegen den Terrorismus verlassen". Tripolis werde sich dann mit Al-Kaida verbünden und den Heiligen Krieg erklären. Noch vor wenigen Tagen hatte Gaddafi ein Komplott der Al-Kaida für den Aufstand in Libyen gegen sein Regime verantwortlich gemacht. Den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy nannte er geistesgestört. Von Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi sei er enttäuscht, führte Gaddafi aus.

Die Außenminister der G8-Staaten setzten in Paris ihre Beratungen über das Vorgehen gegen Gaddafi fort. Am Vorabend hatten sie sich zunächst nicht auf eine gemeinsame Linie einigen können. Es geht um eine Flugverbotszone über Libyen.

Die Außenminister vereinbarten weitere Beratungen im UN-Sicherheitsrat. Nach Angaben von Bundesaußenminister Guido Westerwelle soll es bei den Beratungen im Sicherheitsrat auch um "gezielte politische Sanktionen gehen", was Deutschland will. In New York hatte der Sicherheitsrat am Montag auf Drängen der Arabischen Liga erstmals Beratungen über ein Flugverbot aufgenommen, zunächst aber keine Entscheidung getroffen. Wie es hieß, seien noch viele Fragen offen.

 

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