Libyen nach Gaddafi Die traurigen Tiere in Tripolis

Sie sind verängstigt, haben Hunger und ihre Gehege wurden teilweise im Krieg zerstört: Die Tiere im Zoo der lybischen Hauptstadt Tripolis leiden besondern, denn sie könne nicht fliehen - im Gegensatz zu den Pflegern. Die Bilder der traurigen Tiere in Tripolis. Foto: AZ/dpa/Mohamed Messara

Vom Konflikt in Libyen sind auch Zoo-Tiere betroffen. In der Hauptstadt Tripolis leiden sie unter dem Mangel an Pflegern, Wasser und Futter. Ohne rasche Hilfe droht ihnen der Tod.

 

Tripolis – Der magere Löwe im Käfig knabbert lustlos an einem bestimmt schon hundertmal abgenagten Rinderschädel. Die Kühe aus dem Südsudan mit ihren mächtigen Hörnern sind so dünn, dass ihnen die Knochen durch die Haut zu stechen drohen. Sie sind von derselben Gattung wie jenes Tier, dessen Kopf im Löwenkäfig endete.

In seinem von grünen Algen verschmutzten Bassin versucht ein junges Krokodil die Welt zu ignorieren, die es umgibt.

Und auch die drei Nilpferde blicken traurig vor sich hin, bis ihnen der Wärter eine bescheidene Ration Gemüse und Salatblätter bringt.

Den Tieren im Zoo von Tripolis geht es nicht gut. Auch die Menschen in der Stadt litten und leiden mehr oder weniger unter den Auswirkungen des Konflikts, sie haben nicht genug Futter und Wasser. Der Kriegslärm hat sie ängstlich und apathisch gemacht.

Tiere sind noch verwundbarer - sie können nicht fliehen

Viele Gastarbeiter sind geflohen. Doch die Bewohner des Zoos sind in gewisser Weise noch verwundbarer. Sie können nirgendwo anders hin. Werden sie von den Tierpflegern verlassen, müssen sie hungern, verkommen ihre Gehege, versumpfen ihre Bassins.

Dabei war zu Wochenbeginn das Schlimmste überwunden. „Glücklicherweise melden sich jetzt mehr und mehr unserer Mitarbeiter wieder zum Dienst“, sagt Zoodirektor Abdulfatah Husni. „Aber wir benötigen dringend Hilfe.“ Wasser und Futter könnten derzeit nur auf Pump angeschafft werden. Jene Medikamente, die kühl gelagert werden müssen, werden bei Stromausfall schlecht und müssen ersetzt werden. „Wenn in den nächsten Tagen nichts geschieht, kann es tragisch enden.“ Dann würden viele Tiere sterben.

Husni räumt ein, dass der Zoo bereits Verluste verbuchen musste. Einige kleinere Tiere seien unter den chaotischen Umständen der letzten Wochen verendet. „Wir versuchen, sie alle am Leben zu halten, so gut es geht“, sagt er.

Auf einer Fläche von 45 Hektar beherbergt der Zoo rund 600 Tiere von 60 Arten, darunter Wildkatzen, Dickhäuter und seltene Wüstentiere. Seit fast zwei Jahren wird die Einrichtung ehrgeizig umgebaut, und in fünf Monaten sollte die Erneuerung – wenn einmal die Arbeiten wiederaufgenommen werden – abgeschlossen sein.

Der Libyen-Reiseführer aus der „Lonely Planet“-Reihe beschrieb den Zoo von Tripolis noch im Jahr 2007 als „überraschend gut“. „Die meisten Gehege sind geräumig und ganz ordentlich gepflegt“, urteilte der Autor damals. Nun liegt es an der Mannschaft von Direktor Husni, ob der Tiergarten nach der Normalisierung der Lage wieder zu seiner alten Blüte zurückfindet – oder sogar noch schöner wird.

 

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