Leute „Schauspieler, Autor, Kosmopolit“ – Mario Adorf wird 80

Mit jetzt 80 Jahren sagt Mario Adorf: „Die Show muss mal zu Ende sein.“ Foto: dpa

MÜNCHEN - Er ist so etwas wie die graue Eminenz des deutschen Films: Mario Adorf hat mehr als 120 Film- und Fernsehrollen gespielt und ist einer der wenigen von der deutschen Filmbranche hervorgebrachten Weltstars.

 

Wenn die großen Stars aus Film und Fernsehen indie Jahre kommen, dann betonen sie oft, sie dächten gar nicht ansAufhören und könnten nicht leben ohne Bühne und Scheinwerferlicht.Der große Mario Adorf sagt das nicht. An diesem Mittwoch feiert erseinen 80. Geburtstag. Kurz vorher erklärte er: „Die Show muss nichtimmer weitergehen.“ Man müsse sich auch einmal eine Pause gönnen. Undim Interview mit der Programmzeitschrift „TV Spielfilm“ fügte erhinzu: „Ich habe keinen Ehrgeiz, 100 zu werden und als Greis über dieBühne oder vor die Kamera zu tappen.“

So weit ist es freilich noch nicht. Seine Erscheinung ist auch imAlter imposant wie eh und je. Im vergangenen Jahr stand er in Lübeckfür den ARD-Zweiteiler „Der letzte Patriarch“ vor der Kamera, in demer den Lübecker Marzipanfabrikanten Konrad Hansen spielt. Am Freitag(10. September) wird der Film als Ganzes im Ersten ausgestrahlt. Undsein nächstes Projekt hat er auch schon in Angriff genommen: Er planteine Komödie zur Wende.

 Adorf, der 1930 als unehelicher Sohn einer Röntgenassistentin undeines Chirurgen aus dem italienischen Kalabrien geboren wurde, begannseine beeindruckende Schauspielkarriere schon während seines Studiumsder Philosophie und Theaterwissenschaften in Mainz und Zürich -obwohl er eigentlich lange mit der Bildenden Kunst geliebäugelt hatteund gerne Bildhauer geworden wäre. Als nach dem Zweiten Weltkrieg dasGeld für Pinsel, Farben und Leinwand knapp wurde, entschied er sichanders und ergatterte einen begehrten Platz an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Dann bekam er ein festes Engagement bei denMünchner Kammerspielen.

Der große Durchbruch als Film-Schauspieler gelang ihm 1957 alsbrutaler Massenmörder in dem Film „Nachts, wenn der Teufel kam“ vonUS-Regisseur Robert Siodmak. Diese Rolle bescherte Adorf neben demBundesfilmpreis auch ein Image: Jahrelang war er auf die Darstellungvon Schurken und Ganoven festgelegt. In „Winnetou I“ ermordete er inder Rolle des bösen Widersachers Winnetous Schwester Ntscho-Tschi.

Nachdem Adorf, der fließend Deutsch, Italienisch, Französisch undEnglisch spricht, in den 60er Jahren vor allem in italienischenFilmen mitgespielt hatte, wandte er sich in den 70er Jahren wiederdem deutschen Film zu und stand unter anderem für Volker Schlöndorffsoscarprämierte „Blechtrommel“ vor der Kamera.

Im Fernsehen begeisterte er ein großes Publikum in Produktionenwie „Der große Bellheim“ von Regisseur Dieter Wedel oder der MünchnerSchickeria-Serie „Kir Royal“ von Helmut Dietl, der ihn auch für diebitterböse Gesellschaftssatire „Rossini – oder die mörderische Frage,wer mit wem schlief“ vor die Kamera holte. Die meisten seiner Filmeseien aber schon in Vergessenheit geraten, sagte Adorf einmal ineinem Interview. „Wenn von den Filmen noch ein Dutzend übrig bleiben,wäre ich sehr zufrieden.“

Für viele dieser Streifen ist Adorf mit Ehrungen überhäuft worden.Es gibt kaum eine Auszeichnung der Branche, die er noch nichtbekommen hat. Bescheiden gibt er sich dennoch. Als er 2009 bei derVerleihung des Entertainment-Preises DIVA für sein Lebenswerk geehrtwurde und in die „Hall of Fame“ einzog, scherzte Adorf, der sich aufseiner Homepage als „Schauspieler, Autor, Kosmopolit“ beschreibt:„Das klingt für mich ein bisschen wie Wachsfigurenkabinett.“

Adorf, der 1995 und 2001 auch mit zwei ausverkauften Chanson-Tourneen große Erfolge feierte, bekam aber nicht nur unzählige Film-und Fernsehpreise. Im Jahr 2001 erhielt er auch noch das GroßeBundesverdienstkreuz, 2008 den „Orden wider den tierischen Ernst“ desAachener Karnevalsvereins. Außerdem wurde er in diesem Jahr zumBartträger des Jahres ernannt. Die Jury urteilte: „Er ist einVorzeige-Bartträger par excellence, national und international.“

Vor wenigen Wochen verlieh ihm seine ehemalige Universität Mainzdie Ehrendoktorwürde „für sein beeindruckendes Lebenswerk“. „Siehaben – um nur einige wenige Highlights herauszugreifen – diedeutsche und europäische Filmgeschichte über Jahrzehnte entscheidendmit geprägt und in hohem Maße zum theaterkulturellen Wiederaufbau derBundesrepublik Deutschland beigetragen“, hieß es in dem Brief der Unian Adorf, den er auf seiner Internetseite veröffentlichte.

Adorf, der heute mit seiner Frau in München lebt, ist sein Alternicht anzumerken. Kraftvoll schreitet er auch heute noch über dieroten Teppiche in München, mit Sport hat er sich stets fit gehalten.Jetzt macht er sich aber doch Gedanken über das Altwerden. In einemInterview der Fernsehzeitschrift „Hörzu“ sagte er: „Wenn es auf einimmer absehbareres Ende zugeht, ist das nicht berauschend.“

dpa

 

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