Leute Rainer Langhans feiert 70. Geburtstag: „Guter Sex ist virtuell!“

Rainer Langhans zieht für die neue Staffel "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" in den Dschungel Foto: dpa

Alles Gute Rainer! Der Kommunen-Bewohner und Wahl-Münchner wird heute 70. Noch lange kein Grund, erwachsen zu werden.

 

Rainer - einer wie keiner!

Zum Interview mit der AZ kommt Rainer Langhans in Gesundheitslatschen und mit 15 Minuten Verspätung. Dass er 70 wird, kann man kaum glauben — er wirkt viel jünger. Bei einem Algen-Shake plaudert er mit blitzblankem Blick und ausschweifenden Armbewegungen. Mit Rainer Langhans verbindet man seit 1968 die Worte (Sex-)Kommune und Harem. Da er auf materiellen Luxus keinen Wert legt, schenkt die AZ ihm zum Geburtstag etwas ganz Besonderes: Endlich mit allen Klischees aufzuräumen.

AZ: Herr Langhans, Sie werden heute 70. Fühlen Sie sich erwachsen?

RAINER LANGHANS: Ne! Ich war nie erwachsen und wollte es auch nie sein.

Wie alt fühlen Sie sich?

Sieben. Denn damals war ich genauso begeistert von der Welt, wie ich es heute bin.

Was ist das Wichtigste, das Sie in Ihrem Leben gelernt haben?

Mit meinem innersten höchsten Sein in Verbindung zu kommen — durch Meditation. Das gibt mir heute ein viel größeres Glücksgefühl als Sex und Drogen. Dadurch habe ich gelernt zu lieben und das Leben zu genießen.

Sie haben mal gesagt, Sie seien vollkommen verklemmt gewesen, bevor Sie in die Kommune 1 kamen. Inwiefern?

Wir waren nach dem 2. Weltkrieg Kinder von Mördern. Damit kam ich nicht klar, war sehr verschlossen. In Berlin habe ich Menschen gefunden, die genauso fühlten wie ich. Mit denen habe ich dann ein besseres Leben praktiziert.

In der Kommune 1.

Ja. Wir waren bunte, freie und angstlose Menschen.

Hatte man wirklich keine Privatsphäre?

Null. Wir sind auch nie raus gegangen, außer zum Supermarkt. Und selbst dorthin sind immer zwei zusammen gegangen damit wirklich keine Privatsphäre aufkommt.

Die Kommune war der Vorläufer der heutigen WGs. Wenn da zwei Mitbewohner was miteinander anfangen, ist Streit vorprogrammiert. Wie war das in der Kommune?

Als Uschi Obermaier dazu kam, gab’s auch Streit. Sie war eifersüchtig wenn ich neben ihr mit einer anderen Frau Sex hatte. Als Rache hat Uschi dann mit Mick Jagger oder Jimmy Hendrix geschlafen.

Und da waren Sie nicht eifersüchtig?

Nein! Aber ich hatte jedesmal Angst, dass sie nicht zurück kommt. Aber sie kam immer wieder.

Dass sie Angst hatten, ist verständlich — Mick Jagger war ja wirklich ein cooler Typ.

Ich habe ihn als normalen jungen Mann aus der Mittelschicht kennengelernt. Relativ lässig, aber nichts Besonderes.

Was haben heutige Studenten nicht, was Sie früher hatten?

Diese extreme Ekstase-Erfahrung aus dieser Zeit werden sie nie erleben. Das ist schade. Es war schon super damals.

In der Kommune wurden einige Joints gedreht Welche Droge war die beste?

Die LSD-Trips waren die besten. Koks fand ich öde. Heute nehme ich eh nichts mehr.

Was für Musik hören Sie gerne?

Ich gucke immer, was die jungen Menschen so hören.

Viele Junge stehen heute auf Elektro.

Stimmt. Ich war auch schon mehrmals auf der Love-Parade, habe stundenlang auf dem Wagen getanzt. Auch eine Art Ekstase. War gut!

Gibt es für sie die Liebe des Lebens?

Die wirkliche Liebe meines Lebens ist keine Frau, sondern mein Meister. Aber ich muss sagen: Uschi Obermaier habe ich damals wirklich geliebt. Doch der Sex hat mir irgendwann einfach nicht mehr gereicht, ich war angeekelt.

Vom Sex mit sexy Uschi?

Ja! Erst die Meditation hat mich wirklich befriedigt. Aber das war nichts für Uschi. Die wollte spannende Leute kennenlernen und reisen. Da haben wir uns getrennt.

Haben Sie noch Kontakt?

Selten. Wegen der Verfilmung ihres Lebens, „Das wilde Leben“, haben wir uns zerstritten. Da wurde ich ganz falsch dargestellt — da kam ich total verklemmt rüber.

Gutes Stichwort: Wer ist für Sie der verklemmteste Politiker?

Guido Westerwelle. Der spielt immer allen etwas vor, vor allem sich selbst. Da ist ja die Merkel entspannter!

Haben Sie wirklich einen Harem?

So ein Quatsch. Ich lebe mit einigen Frauen in einer Art Lebensgemeinschaft, jede hat aber eine eigene Wohnung.

(Wie bestellt klingelt Rainers Handy, sein Rufton ist ein quakender Frosch. Er spricht lächelnd mit Brigitte, eine seiner „Lebensgefährtinnen“.)

Wie oft sehen Sie „ihre“ Frauen?

Täglich, die wohnen ums Eck.

50 Jahre Sex-Kommune. Wie schafft Mann das physisch?

Das mit dem Sex ist ein Vorurteil. Die Wahrheit ist: Ich habe gar keinen Sex! Ich finde: Guter Sex ist virtuell!

Bitte was?

Na geistiger Sex, Kommunikation mit anderen, zum Beispiel im Netz.

Sie haben keinen Sex?

Nein, nicht mit dem Körper. Nur wenn ich meditiere empfinde ich hohe Lust. Sex bringt so wenig, macht nur blöd, und hinterher ist man nur erschöpft. Ne!

Interview: Jennifer Köllen

 

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