Leute „Kinderkriegen ist nichts für Weicheier“

Schreibt über seine Vaterrolle: Michael Mittermeier. Foto: dpa

Comedian Michael Mittermeier über seine Vaterrolle und sein neus Buch „Achtung Baby!“

 

AZ: Herr Mittermeier, was ist das Beste daran, Vater zu sein?

Michael Mittermeier: Natürlich die kleine Tochter, die das tollste Wesen ist auf dieser Welt. Es ist ja so: Wenn sie einen anlächelt, dann ist alles wieder gut.

Sie haben sich früher über diesen Satz lustig gemacht.

Ja, natürlich.

Ist jetzt eine Entschuldigung an alle Eltern fällig?

Wieso? Ich habe nur Nummern gemacht über Eltern, die mich genervt haben. Und die nerven heute noch. Es ist ja nicht so, dass ich mich nur weil ich Vater bin mit allen Eltern der Welt verbünde. Es gibt genügend Arschlocheltern, die da draußen rumlauffen, mit denen ich auch gar nichts zu tun haben will.

In Ihrem Buch verraten Sie viel Privates. Früher wollten Sie Ihr Privatleben nicht so sehr öffentlich darstellen und haben von sich selbst gesagt: „Ich bin kein sehr nach außen orientierter Mensch“. Woher der Sinneswandel?

Das ist gar kein Sinneswandel. Im Grunde mache ich im Buch nichts anderes als das, was ich seit über zwanzig Jahren auf der Bühne mache. Ich erzähle Geschichten, die mir passieren. Deswegen will ich noch lange keine Homestorys machen, das ist ein Riesenunterschied.

Sie übertreiben auch, wenn Sie etwa beschreiben, dass Sie Sperma in Eiswürfelformen eingefroren haben, damit ihre Frau es auftauen und einführen konnte, wenn Sie auf Tour waren. Haben Sie Angst, dass Ihnen das jemand glaubt?

Egal, was ich als Comedian erzähle, egal, wie blöd es ist – es gibt immer jemanden, der es glaubt. Aber denen kann ich nicht helfen, das habe ich lange aufgegeben. Es ist mir auch wurscht. Meine Fans haben eine gewisse Intelligenz und auf die vertraue ich.

Aber Sie bedienen gerne auch mal ein Klischee.

Ich bediene sie nicht. Die sind da und ich kann sie nicht weglassen. Ich mache es vielleicht auch etwas eleganter und lustiger als andere, das ist der Unterschied. Und „Achtung Baby!" ist anders als viele Papa-Baby-Bücher.

Aber es ist kein Ratgeber?

Natürlich nicht, warum sollte ich der Welt sagen, wie man es machen soll? Ratgeber haben immer diesen Fingerzeig, das ist Quatsch. Jede Familie und jedes Kind sind anders. Die meisten Ratgeber teilen in schwarz und weiß und sind eher langweilig.

Was sagt Ihre Frau zu dem Buch?

Ich rede seit zwanzig Jahren über mein Privatleben auf der Bühne. Sie ist es gewohnt. Aber ich habe noch nie einen respektlosen Satz über sie geschrieben oder gesagt.

Und was wird Ihre Tochter irgendwann einmal zu dem Buch sagen?

„Papa, weißt du eigentlich, wo die Urheberrechte liegen? Die liegen bei mir und jetzt zahlst du mir das alles bitte wieder zurück, was du verdient hast."

Wie werden Ihre Shows im kommenden Jahr sein?

In der nächsten Zeit mache ich Lesungen. Das Programm in den Shows danach wird auch mit anderen Themen angereichert.

Jetzt haben Sie die Eltern verstanden, was ist die nächste Herausforderung?

Keine Ahnung. Das Kind war die größte Herausforderung. Kinder kriegen ist nichts für Weicheier.

Interview: Christian Pfaffinger

„Achtung Baby“, Kiepenheuer & Witsch, 14,95 Euro

 

0 Kommentare