Leuchtender Flugkörper über Bayern Rätsel um nächtliches helles Objekt am Himmel gelöst

Eine der wenigen Aufnahmen der Feuerkugel – aufgenommen von der Sternwarte Gahberg bei Weyregg am Attersee in Oberösterreich Foto: Erwin Filimon – Sternwarte Gahberg – Oberösterreich

Besorgte Bürger alarmieren die Polizei: Sie haben eine Feuerkugel am Himmel gesehen – auch in der Nähe eines Kernkraftwerkes. Experten geben Entwarnung: Es ist ein Meteorit.

Es ist Sonntag, 22.37 Uhr. Bislang ein ruhiger Abend in Bayern. Der Tatort ist vorbei, langsam denkt man ans Zubettgehen. Vorher werfen aber einige noch einen Blick nach draußen – und trauen ihren Augen nicht.

So auch ein Anwohner aus der Nähe des Kernkraftwerkes in Ohu bei Landshut. Er wählt sofort die Nummer der Polizei und schlägt Alarm: Ein grelles Licht ist über dem Meiler zu sehen. Etwas glüht am Himmel, zieht einen Schweif nach sich. Kurze Zeit später gehen zwei weitere Anrufe ein, einer aus dem Kreis Straubing-Bogen, der andere aus der Nähe von Cham. Alle haben es gesehen, dieses seltsame Leuchten am Himmel. Einige sprechen von einer Feuerkugel. Die niederbayerische Polizei rückt aus.

Polizei warnt Kernkraftwerk

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"Neuschwansteine" und ein Meteoriten-Märchen "Neuschwansteine" und ein Meteoriten-Märchen

Himmelsphänomene über Bayern sind gar nicht so selten. Aber nicht immer wenn es knallt , ist auch ein Meteorit vom Himmel gefallen. Eine kurze Chronologie.

"Neuschwansteine" und ein Meteoriten-Märchen 19. Februar 1785

In Eichstätt kommt ein 3,2 Kilo schwerer Steinmeteorit vom Himmel.

"Neuschwansteine" und ein Meteoriten-Märchen 13. Dezember 1803

Ein 1,6 Kilo schwerer Meteorit trifft Massing in Niederbayern.

"Neuschwansteine" und ein Meteoriten-Märchen 25. Dezember 1846

In Schönenberg fällt der mit 8 Kilo schwerste in Bayern gefundene Steinmeteorit auf die Erde.

"Neuschwansteine" und ein Meteoriten-Märchen 1920

Der in Untermässing in Mittelfranken gefundene Eisenmeteorit ist noch zehnmal schwerer und wiegt 80 Kilo.

"Neuschwansteine" und ein Meteoriten-Märchen 4. April 2002

Der jüngste Fall eines Meteoriten in Bayern wurde vor rund zwölf Jahren beobachtet. Damals verfehlte er Schloss Neuschwanstein nur knapp. Drei Brocken wurden in der Nähe des Schlosses gefunden: die „Neuschwansteine“.

"Neuschwansteine" und ein Meteoriten-Märchen 2014

Im Oktober wird bekannt, dass es sich bei einem in den 1960er Jahren in Machtenstein gefundenen Stein um einen Meteoriten handelt.

"Neuschwansteine" und ein Meteoriten-Märchen Meteoriten-Märchen

Im März 1995 gab es bei Andechs einen gewaltigen Knall. Wenig später entdeckt ein Hubschrauber auf einer Wiese einen riesigen Krater. Schnell war das Gerücht in der Welt: Ein Meteorit hat eingeschlagen.

Erst einen Tag später wurde bekannt: Der Krater und der Knall wurden von einer Biotop-Sprengung verursacht. Ein Baum wurde gesprengt.

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Polarlicht? Sonnensturm? Meteorit? Auch für die Beamten ist es ein Rätsel, wie Christian Biedermann vom Polizeipräsidium Niederbayern gestern auf AZ-Anfrage erzählt. Als Allererstes habe die Polizei den Leitstand des Kernkraftwerkes nahe Landshut informiert, „falls dort etwas herunterfällt“, so Biedermann. Doch dort habe man nichts Auffälliges bemerkt. Weder in noch um das Kraftwerk.

Zeitgleich schlagen vielerorts in Südostbayern Bürger Alarm. In Augsburg, Kempten, Windach oder auch Passau. Überall haben Bürger das Himmelsphänomen gesehen.

Die Universitäts-Sternwarte in München hat schließlich eine simple Erklärung: Demnach ist es ein Meteorit gewesen, der von Bayern bis ins Saarland zu sehen war. Das bestätigt Mitarbeiter Keith Butler im Gespräch mit der AZ.


Bislang sind keine Einschläge gemeldet worden


Butler erklärt die Beobachtung so: Kometen passieren die Erdumlaufbahn. Deren Schweif besteht aus kleinen Steinteilchen. Gelangen diese Überbleibsel in die Erdatmosphäre, verglühen sie. "Dann sehen wir ein helles Licht. Das ist die Bewegung des Steins." Dieses Lichtphänomen nennt man dann Meteor oder auch Sternschnuppe.

Butler geht davon aus, dass es sich um ein "sehr kleines Steinchen" gehandelt hat. Nur einige Millimeter groß, vermutet er. Es wurde vermutlich deswegen von so vielen wahrgenommen, weil es eine relativ klare Nacht war und noch viele wach waren.

Der Leiter der Universitäts-Sternwarte Ulrich Hopp geht von einem Meteoriten mittlerer Größe aus, der größer als eine Sternschuppe ist. Das kommt ihm zufolge bei uns ein bis zwei Mal jährlich vor, wie er dem "BR" sagt.

Ob von dem Meteoriten auch etwas am Boden aufgeschlagen sein könnte? Butler glaubt das nicht. "Sehr wahrscheinlich ist nichts bis zum Boden gekommen." Laut dem Augsburger Astronom Dieter Heinlein hätten einige ein Donnergrollen gehört. Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass doch etwas am Boden aufgekommen sein könnte.

Bei der Polizei sind bislang keine Schäden gemeldet worden. Und damit ist der Fall, der als "Himmelsphänomen" in den Polizeibericht eingegangen ist, vorerst abgeschlossen.

 

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