Letzter Fall, alte Probleme TV-Kritik zum Luzern-"Tatort: Der Elefant im Raum": Zum Abschied gezwungen

Reto Flückiger (Stefan Gubser, r.) im Clinch mit dem Möchtegern-Investigativjournalisten Frédéric Roux (Fabian Krüger). Foto: Daniel Winkler/SRF/ARD Degeto

Der letzte "Tatort" aus Luzern will zu viel auf einmal. Heraus kommt mit "Der Elefant im Raum" eine rastlose und undifferenzierte letzte Folge des Ermittlerduos Flückiger und Ritschard.

 

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung und den Ausgang des Luzerner "Tatort: Der Elefant im Raum". Wenn nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 27.10.2019, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).


Wie entlässt man ein altgedientes Ermittler-Team, das irgendwie nie so richtig die Herzen der "Tatort"-Zuschauer gewinnen konnte, in die Freiheit? Immerhin ist dies nicht nur der letzte, sondern inzwischen auch der 17. Fall aus Luzern seit 2011. Filmtod? Beförderung? Auf einem Segelboot Richtung Ruhestand schippern? 

Das Aus für Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) – künftig wird in Zürich ermittelt – ist vor allem der schwachen Einschaltquoten geschuldet. Ebenso gezwungen also, wie "Der Elefant im Raum" (Buch: Felix Benesch und Mats Frey) versucht, zum Schluss noch einmal alles abzufeuern, was die Krimi-Batterie so hergibt. Ein finaler Knall, der leider weitgehend für heilloses Durcheinander sorgt, wie der Schuss aus der Signalpistole, mit dem es reingeht in die wilde Fahrt aus Korruption, Vetternwirtschaft, Rachegelüsten, Fake-News und einem Einsatzleiter, der ohne Not ein- bis zweimal zu oft die Beherrschung verliert. 

"Typische Journalisten" machen es dem "Tatort"-Kommissar schwer

Einen faden Beigeschmack hinterlässt auch die Inszenierung der Presse. Da wären eine durch Geld und Geschlechtsverkehr mit der Rüstungsindustrie verbandelte Lokalzeitungs-Chefin (Mona Petri) und ein Online-Newsportal, dessen "Reporter" (Fabian Krüger) keine Methode zu unlauter ist, um einfach nur das System zu diskreditieren. Aufarbeitung der Motivlage der Figuren - Fehlanzeige. "Ein arroganter Klugscheißer, ein typischer Journalist", schert sie der geprügelte Kommissar schließlich über einen Kamm. Wasser auf die Mühlen von Fake-News-Schreiern. 

Dass zum Schluss doch noch etwas Fernseh-Genuss aufkommt, liegt allein an der Bildgewalt und Detailverliebtheit, die Regisseur Tom Gerber an den Tag legt. Imposant fährt die Kamera Schäbigkeit, Sterilität und Muff von Schauplätzen in Nahaufnahme ab. Das macht Spaß und das wirre Handlungsgeflecht stellenweise vergessen. Bei allem Mitgefühl für den überzeugend aufspielenden Stefan Gubser hätte der Plot einige Gelegeheiten bereitgehalten, um Flückiger ins Jenseits zu befördern. Schade eigentlich. Einen solchen Abtritt hätte man ein Weilchen länger in Erinnerung behalten. 

 

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