Leserbeitrag zum Leinenzwang "Hunde an die Leine!"

München diskutiert den Leinenzwang. Foto: picture alliance/dpa

AZ-Leserin I. Weinzierl schreibt über die Folgen einer Leinenpflicht in der Altstadt.

 

Altstadt - Ich habe sieben Jahre ehrenamtlich in München Hunde aller Rassen und Größen (bzw. deren Besitzer) ausgebildet, auch Tierheimhunde wieder vermittelbar gemacht, habe bei der großen jährlichen VDH-Hundeausstellung in der Olympiahalle Rasse- und Problemhundeberatung gemacht und dem nationalen Experten für Wohneigentum, Herrn Dr. Wolf Deckert, beim Entwurf seiner Einlassungen zum Thema Hundehaltung in Wohnanlagen geholfen.

Als „Hundeflüsterer“ Martin Rütter noch völlig unbekannt war, war ich mit seinen Vorbildern und Lehrern schon beim internationalen Canidenforschertreffen in Bergisch Gladbach.

Daher fühle ich mich schon relativ qualifiziert für eine Aussage: Leinenzwang für Hunde unter 50 cm in der Altstadt wird interessante Folgen haben:

* Hundehaltende Touristen wissen überhaupt nichts von den Vorschriften oder werden zumindest so tun, als wüssten sie es nicht. Also beim Spaziergang einfach als Auswärtiger gebärden.

* Hunde im Grenzbereich werden sowieso schwierig. Müssen Polizisten jetzt ein Maßband mitführen? Müssen Besitzer von pubertären Hunden ihre Tiere täglich vor dem Gassigehen messen?

* Halter von Kampfhundmischlingen aus Rassen wie AmStaff und Bullterrier (beide nicht groß und es gibt sie auch in „mini“, werden gerne als Boxermischlinge oder ähnlich deklariert (wegen der Kampfhundeverordnung – weisen Sie mal das Gegenteil nach…) werden nicht betroffen sein.

* Halter von kleinen Rassen, die rassebedingt im Original Aggressivität zeigen müssen (schicken Sie mal einen zaghaften Dackel in einen Fuchsbau!) werden nicht betroffen sein.

* Halter von großen Hunden werden ganz schnell lernen, sofort die Leine fallen zu lassen, wenn einer dieser Kleinkampfjets auf sie zurast. Im besten Falle sind Herrchen und einer der Hunde sonst im Leinengewirr verheddert, im schlimmsten Falle fällt Herrchen ruckartig auf die Nase.

Was auf alle Fälle eintritt ist, dass der an der Leine geführte Hund die Hemmschwelle viel niedriger gesetzt bekommt.

Hund an Leine ist etwa so wie Kind an Mamas Hand. Da kann man dem alleine vorbeilaufenden Kind schon mal eine lange Nase drehen.

Zudem ist die eigene Bewegungsfähigkeit an der Leine eingeschränkt, was zur Defensive führt. Last not least: Bei Hund-an-Leine ist der Chef direkt daneben. Sich in der Individualdistanz des Chefs aufhalten zu dürfen ist aber ein Privileg. Wenn ein neugieriger leinenloser Hundekumpel Kontakt aufnehmen will, geschieht das nicht mehr auf „neutralem“ Gelände fernab vom schützenden Chef, sondern direkt beim eigenen (Ein-Mann?)-Rudel, bei dem man sich stark fühlt.

Was meinen Sie, wie viele Macho-Rambos ich schon umtrainiert habe? Die waren an der kurzen Leine extrem aggressiv, besonders gegen Geschlechtsgenossen.

Hat dann der Besitzer „Nein!“ gebrüllt, demonstrativ die Leine hingeschmissen und ist eilig geflüchtet (ich stand natürlich mit langer Sicherungsleine daneben, die dem Hund unauffällig untergeschmuggelt wurde), war es meist mit dem Mut vorbei.

Hunde sind nicht doof: Flüchtet der Rudelchef, wird der seine Gründe haben.

So aber wird zukünftig zwangsweise der Rudelboss/Kampfkumpan immer mitgeführt. Na, toll!

* Das canide Begrüßungsritual (Analkontrolle unter Umkreisen) wird zu sofortiger Leinenverknotung, zur engen Zwangsverbundenheit mit einem ungeliebten Konkurrenten und daraus folgend in Raufereien und Colateralschaden bei den Menschen führen, die die gordischen Knoten lösen möchten.

 

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