Leserbeitrag Stoppt die Radl-Rambos im Englischen Garten!

, aktualisiert am 20.06.2016 - 17:56 Uhr
Radeln im Englischen Garten - ein Genuss. Doch manchmal gibt es Probleme... Foto: ack

AZ-Leser Peter Klotzsch schildert seine Erfahrungen mit Radfahrern im Englischen Garten. Sein Wutbrief an die Redaktion.

 

München - Der Tod des alten Herrn ist eine Tragödie. Sie wäre vermeidbar gewesen. Ich gehe oft mit meinem Hund spazieren in den Englischen Garten, dem mir kostbarsten Teil unserer schönen Stadt.

Die Zunahme der Radfahrer in München allerdings, die das Fahrrad nicht als einfaches, umweltfreundliches und gesundes Fortbewegungsmittel nutzen, für dessen Förderung von der öffentlichen Hand außerordentliche Beträge und Anpassungen des Straßennetzes bereitgehalten werden, hat in der Stadt wie im Englischen Garten negative Nebeneffekte:

Das Fahrrad wird inzwischen von immer mehr Männern (!) als reines Sportgerät benutzt, mit dem sie überall fahren oder rasen, was die Wadeln und ihr testosteronbedampfte Aggressionstrieb hergeben, meist ohne Rücksicht auf Fußgänger (Spaziergänger) oder auch Autofahrer zu nehmen.

Für ihr Muskeltraining ist rücksichtsvolles Radfahren offenbar unzumutbar. Nicht alle Radfahrer sind so, aber eine immer größere Zahl. Die Sicherheit anderer gilt ihnen wenig, die Stvo. gilt ihnen nichts. 

Bei schönem Wetter z. B. ist es fast lebensgefährlich, das Wehr zu überqueren. Fußgänger, mit und ohne Kinder, mit und ohne Hunde, Alte und Familien, die ihre Kinder (oder Hunde) nicht angeleint halten und eng neben sich führen, sind regelmäßig bedroht.

Gängige Diagnose: "Idiot!"

Die sogenannten Radl-Rambos rasen rücksichtslos mit 25 bis 30 km/h durch Gruppen von Erholungsuchenden oder an einzelnen Personen vorbei, manchmal nur um ein Haar Zusammenstöße und üble Verletzungen vermeidend. Kinder (und Hunde) mit spontanen Bewegungen sind besonders gefährdet. 

Oft fegt einer gefährlich nahe an mir und meinem Hund vorüber und antwortet, kurz rückwärts brüllend, auf mein empörtes „He, muß das sein?“ mit der gängigen Diagnose: „Idiot!“ - wenn er einen guten Tag hat.

Andernfalls begrenzt er das Gespräch mit dem heute üblichen „Arschloch!“ als reduziertem Kommentar, daß ein Fußgänger auf einem Fußgängerweg nichts zu suchen hat. Ich beurteile die Diagnose meiner Person nicht. Aber ich mache mir Gedanken über die seit Jahren zunehmende Verdummung und Verrohung unserer Gesellschaft. Woran liegt das? Am Individualisierungswahn?

Verzicht auf angebotene Schlägerei

Die Gelegenheiten, bei denen mir wegen meiner Reklamation Prügel angedroht wurden, sind zahlreich. Ich verzichte mit meinen 76 Jahren aber regelmäßig auf die „angebotene“ Schlägerei, denn ich wäre nicht der erste, der sich danach im Krematorium davon ausruhen müßte, ohne die Welt verbessert zu haben. Das schafft nicht einmal unsere reduzierte Polizei, die unterbezahlt und überfordert den Schutz der Bürger und die Beachtung gesellschaftlicher Regeln nicht mehr gewährleisten kann. 

An jedem der vier Zugänge zum Wehr weist die Parkverwaltung mit klaren aus dem Straßenverkehr bekannten Schildern daraufhin, daß Fahrradfahrer die wenigen Meter über die Isar abzusteigen haben. Für Leute, die des Lesens unkundig oder der deutschen Sprache nicht mächtig sind, sogar mit unmißverständlichen Piktogrammen.

Freilich ohne Effekt; denn die Übertretungen werden nie kontrolliert, geschweige denn geahndet. Dabei wäre für alle, die ihren Körper trainieren wollen die asphaltierte Straße die bessere Wahl.

Ich habe übrigens auch noch nie radfahrende Eltern auf dem Wehr gesehen, die ihren Kindern die Schilder gezeigt und erklärt und selbst beispielhaft befolgt hätten. Das gleiche gilt für als solche ausgeschilderte Fußgängerwege. 

Leserbeiträge geben die Meinung des Lesers wieder, nicht der Redaktion.

 

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