Leserbeitrag aus Giesing Kriegsszenario statt Feuerwerk

Für Hund Wanja entwickelte sich die Silvesternacht zum echten Horror. Foto: ho

Der Morgen danach ist ruhig und friedvoll. Aber die Silvesternacht erlebte Hundebesitzer Burkhard Mayer als das genaue Gegenteil. Hier seine Schilderung.

 

Die Nacht war ein Leiden, kein Fest. Gerne hätte ich mit unserem Hund Wanja einen Luftschutzbunker aufgesucht. Er wurde, nachdem bereits ab 21 Uhr geschossen wurde, zunehmend nervös.

So muss es im Krieg gewesen sein, sagt meine Frau. Und der Hund, der Stehohren hat wie ein Hase, rast wie ein solcher – den Feind anbellend – durch die Wohnung. Die Einschüsse kommen näher.

Mitternacht. Der Boden vibriert nun leicht. Ich will das Feuerwerk sehen. Als ich das Fenster öffne, dringt beißender Gestank herein. Der Lärm überlagert so oder so die Schönheit des Feuerwerks.

Der Hund ist auf meinem Arm. Heiß ist er. Hechelt wie nach einem intensiven Sommerwaldlauf. Warum brauchen Menschen das? Ist solch ein Lärm zeitgemäss? Tut man es, um sich das Gehirn wegzuschiessen, nicht nachdenken zu müssen?“

 Was ist mit alten und kranken Menschen? Mit Schichtarbeitern? Tieren? So viele leiden wegen dieses Wahnsinns, der Ausdruck von Freude sein soll. Wie bitte? Was sagten Sie?!

 In den letzten Stunden haben wir BR2 gehört, Musik und Hörspiel. Sehr laut, weil andere Geräusche und Musik etwas die Wucht der Einschläge zu nehmen scheint.

Es ist zwei Uhr früh. Nun ist es etwas ruhiger geworden. Vereinzelte Kanonenschläge. Da geht der Hund plötzlich zu meinem CD Regal und bieselt dagegen - menno.

Das ist die Musik! Nicht der Lärm. Es scheint, dass ihm alles was Krach, Lärm oder Töne macht, verhasst ist.

Ursprünglich wollte ich, dass er Wozzeck heissen soll, wie passend! Ich wische auf und denke, dass er das zuletzt vor vier Jahren getan hat - damals war er Welpe.

Es darf Nacht werden und mit einem leicht sauren Geruch in der Nase falle ich ins Bett. Gleich darauf ist es sieben Uhr und ich stehe wieder auf. Es geht zur Arbeit. Die Ohren noch unter Watte, schaue ich der aufgehenden Sonne entgegen.

Ein herrlicher Morgen! Nur die Straßen sehen aus, als ob eine Schlacht stattgefunden habe. Als ob? Dass ich nicht lache!

 

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