Lenbachhaus Selbst is(s)t die Essiggurke

Ein Fachbesucher betrachtet am 07.11.2012 das Exponat "Präsenz" des Künstlers Günter Fruhtrunk im Rahmen der Ausstellung "Kunst ist schön, aber macht viel Arbeit" in der Galerie im Lenbachhaus Foto: dpa

 

Noch befindet sich die Künstlervilla des Lenbachhauses im Bau - das Blaue Pferd reitet aber schon in einer Schau im Kunstbau

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ - und am Ende steht eine saure Gurke. Das Lenbachhaus führt jetzt vor, was dieser vielzitierte Karl-Valentin-Seufzer bedeutet. Weil die einstige Künstlervilla noch Baustelle im Endspurt ist und erst im Mai wiedereröffnet wird, kann man jetzt im Königsplatz-Zwischengeschoss den Museumsleuten bei der Arbeit zuschauen.

Der Kunstbau wurde zum „Laboratorium“, die wichtigsten Werkstätten und der Shop wurden unter die Erde verlegt. Während der Woche werkeln die Restauratoren, Konservatoren und Kuratoren; am Wochenende können dann die Besucher die Früchte der Arbeit sehen.

Damit bringen Helmut Friedel und sein Team dem Publikum ins Gedächtnis zurück, wie bedeutend ihre Institution und wo der Hauptsitz des Blauen Reiters ist. Und erinnern daran, was für Herrlichkeiten bis in die Gegenwart die städtische Galerie im Lenbachhaus zu bieten hat. Auch wenn ihr neues Äußeres wenig herrlich wirkt: Es ist eine arge Dissonanz, welche die goldglänzende Messing-Fassade des Foster-Anbaues neben dem Ockerton der Lenbach-Villa anschlägt.

Doch sie haben viele Schätze wieder aus dem Depot geholt oder von Weltreisen zurückgeordert, darunter Franz Marcs „Blaues Pferd“. Es hängt an prominenter Stelle, ebenso Wassily Kandinskys Improvisation „Klamm“ und sein „Heiliger Georg“, Marcs „Tiger“ und die „Vögel“. Nebenan kann man Franz von Stucks frisch restaurierte „Salome“ bewundern und sich von Günther Fruhtrunks „Roter Vibration“ durchrütteln lassen.

Außerdem kann man in einem Kabinett die malerische Entwicklung Gabriele Münters beobachten, die bis zur „Baumblüte“ 1908 pastos in Pastellfarben malte, für „Murnauer Moos“ aus dem gleichen Jahr aber dann schon eine dunklere Farbpalette verwendete und die Konturen betonte – was sie bis 1934 wenig veränderte.

An der langen Wand des Kunstbaues wartet eine stattliche Reihe von Porträts, die alle derzeit irgendwie in Bearbeitung, und darum nur an die Wand gelehnt - nicht gehängt! – sind, denn sie werden im Laufe der Schau ausgetauscht. Und diese Bildnisse sind zugleich Spiegelbilder ihrer Zeit: Man erkennt etwa, dass die Maler zum Ende des 19. Jahrhunderts sich bevorzugt mit Zigarre und Zwirbelbart malten – und sehr bürgerlich wirken. Da sind mehr gemalte als malende Frauen, aber die Werefkin bannt einen mit durchdringendem Blick.

Man sieht Lovis Corinths „Selbstbildnis mit Skelett“ wieder, Rudolf Schlichters „Bert Brecht“ und Georg Schrimpfs „Oskar Maria Graf“. Beklemmt starrt man auf Karl Hubbuchs kleines München-Sittenbild unterm Hakenkreuz, und stolpert an Herbert Plobergers „Trümmern“ vorbei. Und ganz zum Schluss kommt dann eben noch ein Kalauer: Erwin Wurms Mini-Skulptur „Selbstporträt als Essiggurke“.

Kunstbau bis 10. Februar, Fr – So, 10 bis 18 Uhr

 

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