Lenbachhaus Gold und Seide für den Reiter

„Ella“, das Museumsrestaurant, ist gut besucht. Zum Espresso gibt’s den grandiosen Blick auf die Propyläen gratis. Foto: Petra Schramek

Bis zur Eröffnung am 8. Mai gibt’s im Lenbachhaus noch manches zu tun – die Abendzeitung hat sich schon umgesehen

 

Scheibchen für Scheibchen wird hier gereinigt. Seit Tagen geht das so, die reinste Fitzelarbeit ist das, und man beneidet die Männer wirklich nicht, die im Foyer des neuen Lenbachhauses auf hohen Leitern sitzen und mit feinen Pinseln den Staub entfernen: Rund 450 Glasplättchen hat Olafur Eliasson in seinem „Wirbelwind“ verarbeitet. Jetzt dominiert die imposante Spirale den Eingangsbereich des Museums – und man ist schon mal platt bevor die eigentliche Tour beginnt. In genau 18 Tagen, am 8. Mai, wird eröffnet, die AZ hat sich schon einmal umgesehen.

Und, um es gleich zu sagen: Der erste Eindruck ist gut. Man fühlt sich wohl im Ambiente des Neubaus von Norman Foster. „Make it more domestic“, hatte der Stararchitekt vor der Umsetzung zu Helmut Friedel gesagt, und man weiß, wie peinlich solche Aufforderungen zur Behaglichkeit enden können. Davon keine Spur, erst recht gibt sich der Lenbachhaus-Direktor zufrieden, und sogar für die arg kritisierte Goldhaube hat er eine hübsche Erklärung: Die „wertvollsten Kunstschätze der Stadt München“ gehörten selbstverständlich in ein Schatzkästlein – und das, bittschön, sollte man dieser Sammlung gleich von außen ansehen. Auch wenn deren Bürgerlichkeit (im Vergleich zu den staatstragenden Pinakotheken) immer betont wird.

Die zeigt sich auch in den hellen Ausstellungsräumen, durch die sich weiß gebeiztes Eichenparkett zieht. Der Heilmann-Trakt für die Kunst des 19. Jahrhunderts gliedert sich in überschaubare Kabinette. Das tut den Werken gut, sie profitieren von dieser Intimität. Doch im Bereich der großen farbintensiven Formate nach 1945 wünscht man sich deutlich mehr Platz für die Arbeiten Ellsworth Kellys, Rupprecht Geigers und vor allem Sol LeWitts.

Dass sich Tages- und exakt ausgetüfteltes LED-Licht abwechseln, führt zu einer feinen Dramaturgie, die besonders beim Blauen Reiter eindringliche Farbeindrücke beschert. Dazu setzt die Gestaltung der Wände – in Hellblau, Flieder, zartem Grau oder Gelb – Kandinsky und Kollegen delikat in Szene. Nur zwei mit edler mokkabrauner Moiréseide ausgekleidete Räume machen den Augen Mühe, lenken durch das Changieren der Oberfläche ab von der Kunst. Aber es wird ja noch probiert, arrangiert – und beleuchtet.

Man bewegt sich lässig zwischen altem Seidl- und neuem Foster-Bau, weiß nicht immer, wo man gerade ist. Das scheint ein Zeichen, dass sich beide vertragen.

 

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