Leerstand in München Verwaister Hochbunker in Allach: Nur der Schlüssel fehlt

Der Eingang zu dem Hochbunker in der Franz-Nißl-Straße. Foto: Demmel

Seit vielen Jahren hat ihn niemand mehr betreten – den grauen und verwaisten Allacher Hochbunker. Warum steht der trutzige Turm an der Franz-Nißl-Straße leer?

 

Allach - Inzwischen ist sogar unklar, wer überhaupt den Schlüssel zu dem alten Schutzraum aus der Nazi-Zeit hat. Vor 15 Jahren durfen sich junge Allacher hier treffen: Quatschen, Rauchen. Musik hören, laut sein. "Aber das war einmal. Im Moment kennt keiner den inneren Zustand unseres Bunkers", sagt Bunkerfreund Walter Demmel.

Der Stadtteilhistoriker beschreibt den Allacher Hochbunker wertschätzend als den "letzten seiner Art". Denn dieser Bunker im Münchner Nordwesten ist im Originalzustand erhalten. Ein früherer Bunker in der Lautenschlägerstraße wurde beispielweise zum einem originellen Bunker-Hotel umgebaut. Der alte Obermenzinger Bunker wurde schon weggerissen.

Im Bezirksausschuss Allach-Unermenzing hat der Stadtteilhistoriker jetzt beantragt, den Allacher Hochbunker unter Denkmalschutz zu stellen. Der 82-Jährige wünscht sich, dass das Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg 380 Menschen Schutz bieten konnte, eine neue gute Nutzung findet: Die Räume könnten Schüler der Franz-Nißl-Mittelschule nebenan beleben – mit Musikunterricht.

Leerer Hochbunker – Verein könnte den Turm nutzen

Der Bunker ist auch denkbar als Proberaum für junge Bands. Ein Verein für Höhlenkunde sucht zum Beispiel Platz für seine Bibliothek, für Trefffen und kleine Ausstellungen. "Der Bunker ist ja eine Höhle nach oben. Das würde wunderbar passen", findet Demmel: "Ich suche für Allach etwas, was die kulturelle Ebene erweitert", erklärt der Stadtteilhistoriker.

Die Höhlen-Experten haben jedenfalls zugesichert, keine Probleme mit Proberäumen in anderen Stockwerken zu haben. Demmel: "Da kommt Echo." In den westlichen Vierteln ist er bekannt für seine "Bunkergeschichten", Gespräche mit Zeitzeugen.

Der Historiker selbst hat 1942 in einem Bergbunker Schutz suchen müssen. Die Atmosphäre ist ihm heute noch präsent: "Als Sechsjähriger bin ich meiner Mutter entwischt und habe vor der Bunkertür die Angriffe auf Aachen beobachtet: den hellerleuchteten Himmel, die Flak-Abwehr, getroffene und abstürzende Flieger." Demmel gesteht: "Als Junge war das damals für mich eher ein Abenteuer."

 

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