Lawine am Mount Manaslu Experte: Verunglückte hatten einfach Pech

Wegen seiner exponierten Lage ist der Mount Manaslu laut DAV-Experte Stefan Winter anfällig für aufziehende Fronten und Schlechtwetter.

 

München - Der Mount Manaslu im Himalaya gilt unter Bergsteigern wegen plötzlicher Wetterumschwünge als äußerst gefährlich, aber auch sehr reizvoll. „Der Manaslu fällt auf durch seine extremen Wettersituationen, insbesondere starke Schneefälle in Verbindung mit hohen Winden“, sagte Bergexperte Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV) in München im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Neuschneemengen bis zu eineinhalb Metern sind dort keine Seltenheit.“

Plötzlicher Sonnenschein nach Tagen kalten Wetters gilt als mögliche Ursache für den Lawinenabgang am Sonntag, bei dem mindestens zwölf Bergsteiger in den Tod gerissen wurden. „Der Manaslu ist ein sehr freistehender, exponierter Berg, der nicht im Wetterschatten von anderen Bergen steht, deshalb ist er sehr anfällig für aufziehende Fronten und Schlechtwetter“, erläuterte Winter. Das Lawinenrisiko nehme hier sehr rasch zu.

Winter glaubt, dass die Expeditionsteilnehmer einfach Pech hatten. Es sei so viel Neuschnee gefallen, dass sich die Lawine selbst ausgelöst habe. „Die Bergsteiger waren sicher bestens ausgerüstet und auch sehr gut vorbereitet“, sagte Winter. „Sie haben die richtige Route gewählt, sie haben die richtige Taktik angewendet von der Platzierung der Zelte bis zur Geschwindigkeit des Aufstiegs.“

Trotz der Gefahren gilt der Manaslu als sehr reizvoll. „Er ist ein sehr formschöner Achttausender, hat ein sehr breites Sockelmassiv, er schwingt sich von allen Seiten sehr formschön nach oben und mündet in einer kleinen, spitzen Gipfelpyramide“, erläuterte der DAV-Experte. Bereits die zehn- bis vierzehntägige Anmarschroute zum Fuß des Berges sei traumhaft: „Sie beginnt sehr tief auf 1000 Metern, man nähert sich sehr langsam dem Berg und durchläuft alle Vegetationszonen.“

Mit 8163 Metern ist der Manaslu der achthöchste Berg der Erde. Vom Verhältnis der Besteigungen und Todesfälle gilt der 8614 Meter hohe K2 als gefährlichster Berg der Welt. Der Mount Manaslu liege bei den weltweit 14 Achttausendern an zehnter Stelle, sagte Winter. Seit der Erstbesteigung 1956 seien bis einschließlich Sonntag rund 70 Menschen dort umgekommen.

 

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