Infos und Programm Lange Nacht der Architektur in München: Die Highlights

Der Bunker an der Blumenstraße ist jetzt eine Galerie für Architektur. Foto: Veranstalter

Am Freitag (18. Januar) findet in München von abends bis Mitternacht wieder die "Lange Nacht der Architektur" statt. AZ erklärt, was da geboten ist. 

 

Um die 35.000 Teilnehmer, die auf sieben Routen in kostenlosen Bus-Shuttles über 70 Gebäude in der ganzen Stadt erkunden: Das ist die Lange Nacht der Architektur, die in diesem Jahr bereits zum fünften Mal veranstaltet wird. Eine Erfolgsgeschichte – trotz Wind und Wetter mitten im Winter.

Gut, es wird ja auch etwas geboten: Viele der Gebäude sind normalerweise für den spontanen Besucher verschlossen, es gibt Vorträge, Führungen, Livemusik - und mit etwas Glück sogar Cocktails und Häppchen. Einfallen ließ sich das Ganze die Messe München, die an ihrer alle zwei Jahre stattfindenden "Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme" mit dem einfachen Namen BAU nicht nur die architektonischen Spezialisten sondern auch die Münchner Bevölkerung beteiligen wollte.

Innovative Verkehrskonzepte

Inzwischen, seit 2011, steigerten sich die Besucherzahlen in Zehntausenderschritten, während sich die zu besichtigenden Gebäude etwa verdoppelten. Dabei wurden die Besichtigungsangebote immer ausgetüftelter. Inzwischen gibt es drei geführte Touren zu Fuß (Anmeldung unter lnda.de), die sich speziellen Themen widmen. "Tradition vs Moderne" setzt sich mit dem Wandel des Stadtbildes in der Altstadt auseinander – besucht werden etwa der neue Donisl (Hild und K Architekten), die Hofstatt (Meili Peter Architekten) oder das Bürohaus Oberanger (Staab Architekten).

Auf der Tour "Zu Fuß in der Innenstadt" geht es um innovative Verkehrskonzepte. Denn der knappe Freiraum im Zentrum muss effizient genutzt werden. Dazu entwickelte die "Perspektive München" besondere Leitlinien wie etwa die Öffnung der Erdgeschosszonen für Passagensysteme – um die Verkehrverbindungen zu verbessern. Das wirkt sich auch auf die Neu- und Umgestaltung von Bauten wie etwa dem Palais an der Oper (Hilmer & Sattler und Albrecht) oder dem Parkhaus am Thomas Wimmer Ring (Steidle Architekten) aus. Auch ein Streifzug durch das Kunstareal mit 16 Museen und Kunsthäusern sowie sechs Hochschulen auf einer Fläche von 500 mal 500 Metern wird angeboten: eine einmalige Demonstration von Kunst, Kultur und Wissen.

Neues im Bunker

Auffällig auch, dass die örtliche Architektur- und Gestalterszene mehr und mehr die Chance wahrnimmt, sich zu präsentieren. Neben Möbel- und Leuchtenherstellern oder Architekturbüros, die ihre innovativen Räume (und Produkte) zeigen, sind vermehrt Institutionen vertreten. Der AIT-Architektursalon lässt mit seinen Modelleisenbahnen in der Schau "Märklin Moderne" spielen. Die Rathausgalerie öffnet ihre Ausstellung "Baukultur" bis Mitternacht und die Architekturgalerie ihre neueste Präsentation über Nikken Sekkei, das älteste Architekturbüro Japans und gleichzeitig eines der größten der Welt mit etwa 2800 Mitarbeitern.

Deren Spezialität: Sie führen ihr Fachwissen mit dem ihrer Kunden und dem der ausführenden Baufirmen und Handwerker zusammen und entwickeln integrative Lösungen – eigentlich ein ganz normaler architektonischer Vorgang. Bei den Japanern entstand daraus immerhin ein eigentlich unvorstellbares Hochhaus aus Holz.

Auch dabei: der Bunker der Architekturgalerie in der Blumenstraße mit Diskussion und Finissage einer Ausstellung über junge Architekten in München sowie das "Haus der Architektur" in der Waisenhausstraße mit Führungen - und sogar die Lokalbaukommission, die eine Führung durch ihr Allerheiligstes, die Zentralregistratur anbietet.

Zeitgemäße Citykirche

Der darnieder liegende Kirchenbau erinnert einerseits an seine große Vergangenheit, andererseits an die Notwendigkeit frischer Ideen für neue Innenraumgestaltungen. In St. Lukas – das historische Bauwerk am Mariannenplatz ist der Dom der Münchner Protestanten und beherbergt eine der bedeutendsten spätromantischen Orgeln Süddeutschlands – wird ein Zusammenspiel von Raum, Licht und Klang dem Besucher vermitteln wohin sich die Tradition des protestantischen Raumkonzepts im Dialog mit den experimentellen Ideen einer zeitgemäßen Citykirche entwickeln könnte. Außerdem werden die Gotteshäuser St. Markus, die Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen und die Neuapostolische Kirche in Laim unter fachkundiger architektonischer Führung zu besichtigen sein.

Zahlreiche neue Büro-Gebäude – etwa das Siemens Headquarter am Wittelsbacherplatz, die Microsoft Deutschland Zentrale, Skygarden und Nove im Arnulfpark oder das umgebaute Steelcase Learning und Innovation Center – vermitteln einen Eindruck von den neuen Konzepten, die die Bürowelt umkrempeln sollen. Den einen oder anderen erinnert das freilich an das alte Großraumbüro. Die neuen "Multispaces" lassen den Mitarbeitern aber meistens viel Entscheidungsfreiheit – etwa ob sie im Stillarbeitsraum in Ruhe vor sich hinwurschteln wollen, in der akustisch abgeschirmten Telefonzelle ein Gespräch führen oder in abgeschlossenen Besprechungsräumen Meetings abhalten wollen.

Auch der Coworking-Space Smartvillage in der Ganghoferstraße zeigt, wie neue Formen des Arbeitens aussehen können. Und wie man einem modernen Richard-Meier-Bau - der den Ansprüchen von Siemens nicht mehr genügte - neues Büro-Leben einhaucht, vermittelt die Führung durch das Oskar. Zu den Highlights der Langen Nacht gehört freilich auch das höchste je in München gebaute Objekt: der Fernsehturm, mit Führung "hinter den Kulissen des Olympiaturms" im Rahmen einer Führung unter dem Titel: "Entwicklung vom Oberwiesenfeld zum Olympiapark". Für die Auffahrt muss man allerdings vier Euro in der Tasche haben.


18. Januar, 19 bis 24 Uhr. Alles Wissenswerte (etwa zur WhatsApp-Gruppe, Voranmeldungen, Sicherheitskontrollen, MVV- oder Eigenanreise, eigene Tour planen) findet sich im Booklet zur Langen Nacht, das in der Rathaus-Information zu bekommen ist oder unter www.lange-nacht-der-architektur.de

 

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