Landsberger, Effner, Von-Kahr & Co. Bis zu 124 km/h: Das sind Münchens Raserstrecken

In der Albert-Roßhaupter- oder Landsberger Straße drücken die Münchner gerne mal kräftiger aufs Gas. Foto: GoogleStreetView/AZ

Jeder sechste Autofahrer ist auf Münchens Straßen schneller als mit den erlaubten 50 km/h unterwegs. In Tempo-30-Zonen ist es sogar jeder dritte. Das zeigen neue Messungen der Unfallforscher.

 

München - München mit offenem Verdeck, bei Sonnenschein die Leopoldstraße runter, ein Traum. Wenn die Tachonadel da mal etwas zu weit rechts ist, ja mei. So denkt sich das wohl so mancher Münchner. Zumindest legt eine neue Studie der Unfallforscher der Deutschen Versicherer (GDV) das nahe. Denn München, so die Forscher bei der GDV, ist eine Stadt, in der viele gerne etwas zu viel Gas geben. Die Ergebnisse im Überblick.

Was wurde gemessen?

Im April hat der GDV an 49 Straßenabschnitten Messungen durchgeführt. 24 Straßen hatten ein Tempolimit von 50 km/h, drei eines von 30, eine von zehn. 17 Straßen waren Tempo-30-Zonen, eine Straße eine Tempo-20-Zone, dazu kamen drei Spielstraßen.

Wie wurde gemessen?

Der Untersuchungszeitraum war 24 Stunden lang, die Radarmessgeräte waren in unauffälligen grauen Kästen versteckt – damit die Autofahrer sie nicht bemerken. So wurden 669.000 Messungen durchgeführt. Um ein vergleichbares Ergebnis zu bekommen, wurden die Messungen nur an Werktagen durchgeführt.

Wo wird besonders viel gerast?

Auf der Albert-Roßhaupter-Straße gilt Tempo 50, doch 44 Prozent der Autos, Lkw und Motorräder fahren hier schneller. Der schlimmste Raser bretterte hier mit 124 km/h durch. Platz zwei belegt die Von-Kahr-Straße (Tempo 50). 40 Prozent der Fahrzeuge waren hier zu schnell unterwegs, das schnellste fuhr 109 km/h. Auf der Effnerstraße waren es immerhin noch ein Drittel, die mehr als die erlaubten 50 km/h fuhren. 106 km/h war der hier gemessene Spitzenwert. Auf der Landsberger Straße drückten 22 Prozent zu stark auf das Gaspedal. Der Spitzenwert: 121 km/h. Statistisch gesehen fährt auf Münchens Raserstrecken rund alle fünf Minuten ein Fahrzeug vorbei, das mindestens 70 km/h drauf hat.

Trauriger Spitzenreiter bei den Tempo-30-Straßen: Friedenspromenade Süd. Mehr als die Hälfte der Fahrzeuge (54 Prozent) fuhr hier zu schnell. Alle vier Minuten kam im Schnitt ein Auto vorbei, das schneller als 50 km/h fuhr. Einer hatte es besonders eilig und fuhr 92 km/h.

Was sind die weiteren Ergebnisse?

Jeder sechste Autofahrer, der den Forschern auf einer Tempo-50-Straße in die Radarfalle gefahren ist, war zu schnell unterwegs (+ 55 km/h). Ganze zehn km/h drüber, also mit 60 Sachen oder mehr unterwegs waren 5,8 Prozent, in Zahlen 23 160 Fahrer. Immerhin 2559 Fahrzeuglenker hatten mehr als 70 km/h auf dem Tacho. 446 Menschen fuhren schneller als 80 km/h, statistisch gesehen heißt das: Alle drei Minuten kommt auf den untersuchten Straßen ein Raser vorbei. Alle 38 Minuten ein besonders dreister mit mehr als 100 km/h (in Zahlen: 37 Fahrer).

Sind die Münchner Autofahrer bei Tempo 30 braver?

Das Gegenteil ist der Fall. Jeder Zweite fährt auf Tempo-30-Strecken zu schnell. Dabei meint „Tempo-30-Strecke“ einen Straßenabschnitt, der zu weiten Teilen mit 50 km/h befahren werden darf. Nur an bestimmten Gefahrenstellen, etwa vor Schulen oder Altenheimen gilt für eine bestimmten Straßenabschnitt Tempo 30.

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In Tempo-30-Zonen, wie sie in Wohngebieten üblich sind, sieht es nicht viel besser aus: 37 Prozent der erfassten Fahrzeuge im Untersuchungszeitraum hielten sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Viele fuhren stattdessen um die 40 km/h. Statistisch gesehen kommt jedoch mindestens jede Minute ein Auto oder Motorrad auf einer 30er-Straße mit Tempo 50 angerast. Alle acht Minuten mit mehr als 60 km/h. Das ist sehr gefährlich – vor allem für Kinder (siehe Kasten).

Gibt es Unterschiede nach Tageszeit?

Ja, nachts wird mehr gerast. Auf Tempo-50-Straßen sind tagsüber 14,6 Prozent der Verkehrsteilnehmer zu schnell unterwegs, nachts sind es 30,7 Prozent.

Wie schaut es in anderen Städten aus?

Die GDV hat die gleiche Untersuchung nur noch in Berlin und Köln durchgeführt. Im Vergleich zeigt sich: Berliner sind am Steuer entspannter als alle anderen. Bei geringfügigen Geschwindigkeitsüberschreitungen schafft es München auf den fragwürdigen ersten Platz. In Köln gibt es jedoch mehr besonders dreiste Raser, die 20 km/h oder sogar noch mehr über der erlaubten Geschwindigkeit liegen.

 

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