Landgericht Misshandlung: Vater schüttelt sein Baby

Hat sein Baby misshandelt: Thomas B. mit Anwalt Michael Adams vor dem Landgericht. Foto: jot

Vater (49) schüttelt seine sechs Monate alte Tochter so stark, dass sie ihr Leben lang behindert bleiben wird. Vor dem Landgericht begann der Prozess wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen.

 

München - Einen Moment muss der stämmige Mann auf der Anklagebank nach der Verlesung der Vorwürfe mit den Tränen kämpfen. „Es ist schwer, das wieder zu hören. Aber es stimmt zum größten Teil.“ Mit diesen Worten gesteht Thomas B. (49), dass er am 12. Dezember 2013 in Neuaubing seine sechs Monate alte Zwillingstochter Carla (Name geändert) schwer misshandelt hat.

Er habe aus „Wut und Hilflosigkeit“ so gehandelt. Er wollte an diesem Dezembertag mit dem Kind das Haus verlassen und ihr zu diesem Zweck den Schneeanzug überziehen, berichtet er. Doch das Mädchen begann zu schreien und habe sich nicht beruhigen lassen. Er brach den Versuch ab.

Als er dann die Zwillinge fütterte, nahm Carla die Flasche nicht an. Aus Verärgerung, so die Ermittler, habe er Carla dann fest an sich gedrückt. Das machte es nur noch schlimmer. Die Kleine schrie wie eine Sirene, sagt Thomas B..

Der Mann auf der Anklagebank streckt die Arme aus und macht zwei, drei eher sachte Schüttelbewegungen. So habe er sein sechs Monate altes Baby dann geschüttelt. Doch der Richter glaubt ihm nicht.

„Das ist nicht realistisch“, sagt Stephan Kirchinger. Und er sagt auch warum: Ein Sachverständiger habe ihm anhand einer Puppe demonstriert, welche Gewalt notwendig ist, um solch schwere Verletzungen zu verursachen, wie sie Carla (Name geändert) erlitten hat. Von dieser Gewalteinwirkung bei dem der Kopf des Kindes heftig nach vorne und hinten geschleudert wurde, ist die Demonstration des Angeklagten noch weit entfernt.

Sein Anwalt Michael Adams springt dem Haustechniker bei. Sein Mandant habe lediglich die Art, nicht aber die Intensität des Schüttelns zeigen wollen, sagt Adams.
Nachdem er sie so heftig geschüttelt hatte, schleuderte der überforderte Vater sein Kind auf die Couch und zog sie dann ruckartig am Bein zu sich. Erst dann habe er sich beruhigt. „Jetzt ist etwas passiert“, habe er gedacht, als er sah, wie Carlas Augen nicht mehr reagierten und sie ihren linken Arm von sich streckte.

Thomas B. rief den Rettungsdienst an. Carla kam nach Großhadern und wurde dort notoperiert. Zur Entlastung des angeschwollenen Gehirns muss die Schädeldecke des Babys geöffnet werden. Die Kleine wurde fünf Tage ins künstliche Koma versetzt. Sie überlebte, aber ein Teil der Großhirnrinde links wurde durch die Misshandlung zerstört. Die Folgen sind schrecklich: Carla wird dauerhaft körperlich und geistig behindert bleiben.

Bereits im Juli 2013 hatte Thomas B. das schreiende Kind einmal geschüttelt. Damals verhinderte die dazukommende Mutter Schlimmeres.

Die 46 Jahre alte Frau halte an der Ehe fest, sagte der Verteidiger am Rande der Sitzung. Zu den Vorwürfen gegen ihren Mann habe sie noch nichts gesagt.   

 

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