Lagebericht der AZ Party in Kitzbühel: Ski ist hier nur Nebensache

Auch gefeiert wird in Kitzbühel ordentlich – vor allem am Wochenende um die Weltcuprennen. Foto: Harald Schneider/APA/dpa

Ansturm auf die Alpen – in Kitzbühel herrscht der Ausnahmezustand. Ein Lagebericht der AZ.

 

Kitzbühel - Alle Streif-Größen von einst sind da: der Klammer Franz, der Hinterseer Hansi, der Grissmann Werner, der Cuche Didier, der Schranz Karl, der Ghedina Kristian, der Read Ken. Dazu auch weibliche Ski-Größen wie die Höfl-Riesch Maria samt Ehemann, dem Höfl Marcus, aber auch eher fachfremde Speedjunkies wie der Ecclestone Bernie und der Ötzi DJ.

Wenn sich die weltbesten Abfahrer die weltschwierigste Piste runterhauen, ist der alpine Jetset vollzählig angetreten – zumindest für eine Weile. Als Otmar Striedinger mit Startnummer 27 und Daniel Danklmaier mit Nummer 41 als Dritter beziehungsweise Fünfter ins Ziel rauschen, ist die VIP-Tribüne schon wieder so leer wie die in der Allianz Arena kurz nach dem Halbzeitpfiff. Am wichtigsten ist beim traditionellen Hahnenkamm-Rennen nämlich die dritte Halbzeit: die mit den Partys.

Renn-Wochenende bringt Kitzbühel Mega-Umsatz

Von Freitag, 13 Uhr, bis Sonntag, 15 Uhr, ist das Zentrum Kitzbühels für den Autoverkehr gesperrt – kein Durchkommen, nirgends. Die "Gamsstadt" hat 8300 Einwohner (inklusive Münchner Zweitwohnungsbesitzer) und 9.000 Gästebetten (inklusive Nachbargemeinden), aber am Renn-Wochenende sind etwa zehn Mal so viele Menschen in der Stadt. Im Rekordjahr 1999 kamen zu Super-G, Abfahrt und Slalom 100.000 Besucher.

In und um Kitzbühel werden an diesem Wochenende rund 47 Millionen Euro umgesetzt. Die Bahn bietet von Freitag bis Sonntag 70.000 Plätze für Kitzbühel-Besucher an. 300 Züge halten an diesen drei Tagen in der Stadt. Die Pferdekutscher vor der Katharinenkirche sind längst geflüchtet.

Nach dem Rennen geht in Kitzbühel die Party richtig los

Klar geht es den Fans auch um den Sport, aber der ist ja doch flott wieder vorbei. Ans Nachhausegehen denken nach dem Rennen die wenigsten. Dazu ist zu Füßen der Streif einfach zu viel geboten. Am Verkehrskreisel unterhalb des Zielgeländes auf der linken Seite der erste Stopp, der bei vielen auch zugleich der letzte ist: der "Londoner", das legendäre Pub, wo seit 1976 am exzessivsten gefeiert wird. Hier ist es Brauch, dass der Abfahrts-Sieger hinter der Theke steht – mit nacktem Oberkörper, mindestens. Thomas Dreßen machte da letztes Jahr keine Ausnahme. "Vor zwei Jahren hatten wir 14 Rennläufer hinter der Bar, die mit Bier und Champagner um sich gespritzt haben wie die Irren", erzählt Bar-Chef David.

Direkt gegenüber an der langen Outdoor-Theke des Sporthotels Reisch geht es einen Tick dezenter zu: 0,1 l Sekt on ice für schlappe sieben Euro – man gönnt sich ja sonst nix. Ein paar Schritte weiter tobt in einer unscheinbaren Passage das wilde Leben: Im "Jimmy’s" und im "Take Five". Die Konkurrenz gibt’s ein paar Kilometer weiter im Stanglwirt bei der berühmtesten Weißwurstparty der Welt. Auch am Samstagabend wird’s nicht langweilig: Schnitzelparty auf Rosi’s Sonnbergstubn, Hahnenkamm-Hummerparty im Kitzhof oder doch zur Goldrausch After Race Party ins Nobel-Hotel "Die Tenne" – und das alles nur wegen eines Skirennens.

 

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