Längere Lebensdauer für Produkte Kampf dem Murks

Wenn der Kunde ein kaputtet Gerät instandsetzen will, scheitert er oft an schwer zugänglichen Schrauben. Foto: dpa

Küchenmixer, die sich nicht reparieren lassen, Handys, die pünktlich zum Ablauf der Garantie den Geist aufgeben: Hersteller planen gezielt das Ende ihrer Produkte, sagt unser Experte

 

MÜNCHEN Ein wissenschaftlicher Name für einen alltäglichen Ärger. „Obsoleszenz“ nennen es Betriebswirtschaftler, wenn Produkte kaputt gehen oder aus der Mode kommen. Häufig sorgen Firmen dafür, dass Fernseher, Mixer oder andere Geräte nicht lange halten, argwöhnen viele Kunden – und haben recht damit, sagen Experten.

Die Industrie sorgt dafür, dass Produkte nicht ewig halten, urteilt der Betriebswirt und Management-Trainer Stefan Schridde (siehe AZ-Interview). Auf seiner Website „www.murks-nein-danke.de“ sammelt er Berichte entnervter Verbraucher. Ob Drucker, Handys oder Waschmaschine – stets drängt sich den Kunden der Verdacht auf, dass ihr Gerät nicht nur rein zufällig kurz nach Ende der Garantiefrist den Geist aufgab.

Oft wäre es für die Industrie ein Leichtes, für eine lange Lebensdauer von Geräten zu sorgen, sagt Schridde. Doch welches Unternehmen hat ein Interesse daran, dass seine Kunden 20 Jahre lang den gleichen Fernseher zu Hause im Wohnzimmer stehen haben? Ein historisch belegtes Beispiel für geplante Obsoleszenz ist das Phöbus-Kartell. Es wurde 1924 in Genf von Glühlampen-Herstellern ins Leben gerufen. Die Firmen einigten sich unter anderem darauf, die Lebensdauer von Glühlampen auf maximal 1000 Stunden zu begrenzen. Damit sicherten sie sich stete Verkaufszahlen – und die Verbraucher konnten mangels Konkurrenz unter den Firmen leicht überzeugt werden, es sei technisch unmöglich, Glühlampen mit längerer Lebensdauer herzustellen. Eine ähnliche Denkweise könnte in vielen Fällen die Ursache für frühzeitigen Handy-Verschleiß sein: Bei manchen Modellen ist der Akku fest eingebaut. Versagt er nach ein, zwei Jahren den Dienst, kann er nicht gegen einen neuen ausgetauscht werden – wozu auch, wird der Händler sagen. Das neue Modell liegt ja längst im Schaufenster, und es ist sowieso viel schöner, besser, smarter als das alte.

 

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