Lach- und Schießgesellschaft Sven Kemmler über das neue Ensemble

Frank Klötgen, Christl Sittenauer und Sebastian Fritz stehen künftig auf der Kabarettbühne der Lach- und Schießgesellschaft. Foto: Lach & Schieß

Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft hat ein neues Ensemble. Die Regie übernimmt die Kabarett-Allzweckwaffe Sven Kemmler

 

Nachdem sich die Mitglieder des erfolgreichen Vor-Corona-Ensembles der Lach- und Schießgesellschaft – bestehend aus Frank Smilgies, Sebastian Rüger, Norbert Bürger und erst Caroline Ebner, dann Claudia Jacobacci – nach viereinhalb Jahren wieder verstärkt ihren eigenen Projekten widmen möchten, haben die Macher um Till Hofmann gesucht und gefunden: Das neue Ensemble bilden Christl Sittenauer, Sebastian Fritz und Frank Klötgen, die Regie übernimmt die Allzweckwaffe Sven Kemmler.

AZ: Herr Kemmler, Glückwunsch zum neuen Job! Nachdem das Vorgänger-Ensemble frühzeitig seine Demission bekannt gegeben hatte, lief das Casting wahrscheinlich schon eine ganze Weile, oder?
SVEN KEMMLER: Ich war an den Präliminarien gänzlich unbeteiligt.

Das heißt, man hat Ihnen schließlich irgendwas vorgesetzt und gesagt: „Jetzt mach’ was draus!“
So war’s! Vor vollendete Tatsachen hat man mich gestellt. Nein, im Ernst: Nachdem das Trio gefunden war, ich mit Till Hofmann eh gerade mit einer anderen Geschichte zugange war und auch in den vergangenen Jahren immer schon in kleiner oder größerer Form bei der Entstehung der letzten beiden Ensemble-Programme ein paar Tage lang mitgewerkelt hatte, wenn auch nicht in offizieller Funktion, hieß es dann irgendwann: „Komm doch mal dazu!“ Und wenig später: „Könntest du dir vorstellen...?“

Haben Sie die drei Neuen dann erst kennengelernt?
Frank Klötgen kannte ich schon recht gut, die beiden anderen nicht. Aber ich mochte alle bald sehr und fand auch spannend, was an ersten Ideen da war. Umgekehrt erging es denen wohl auch so: „Ja, könnten wir uns gut vorstellen mit dem.“ Und da haben wir gesagt: Dann machen wir’s!

Stellen Sie bitte mal das neue Team in ein paar Sätzen vor.
Sie kommen aus drei völlig verschiedenen Disziplinen: Sebastian Fritz aus dem Schauspiel, Christl Sittenauer aus dem Impro-Theater, Frank Klötgen ist eigentlich Poetry Slammer. Was in der Summe spannend ist, weil keiner vom klassischen Kabarett kommt. Gleichzeitig ist das hilfreich, weil das dann ein Feld ist, wo sie sich alle drei treffen können, sozusagen ein Common ground. Das zu nutzen und einzubinden, ist nun die spannende Aufgabe. Ich finde es schön, dass Till einfach neue Wege gehen will: tendenziell eher experimentell – anstatt zu versuchen, irgendwelche Erwartungshaltungen zu erfüllen.

Nach den großartigen Programmen der Vorgänger sind diese Erwartungen nicht gerade gering.
Die haben wirklich einen neuen Pfeiler gesetzt. Das war ja ein Riesen-Schritt für das Ensemble-Kabarett. Jetzt heißt es sowohl „Bloß nicht kopieren!“ als auch „Nicht ums Verrecken alles anders machen wollen!“ Letztlich befinden wir uns da im Land der Bauchentscheidungen. Aber die drei können sehr gut miteinander, das merkt man.

Kannten sich die Beteiligten zuvor?
Nein, sie haben sich jetzt über die Lach- und Schieß kennengelernt. Und sie haben schöne, andere Zugänge zu Themen! Gerade schon etwas gedientere Zirkuspferde wissen ja genau: „Ah, das Thema, da geht’s eins, zwei, drei, vier. Da sage ich das, dazu ist meine Haltung dies.“ Da ist es dann schön, wenn es mal andere Zugänge gibt – und dieses Gefühl habe ich jetzt schon. Das tut der Sache gut. Man könnte ja auch Mainstream-Politkabarett machen, das Erwartbare halt.

Erwarten wir also das Unerwartete. Wie geht das Trio mit dem viel beschriebenen Mythos Lach- und Schießgesellschaft um?
Für alle, die jemals dort waren, ist das im ersten Moment schon so: „Puh, erst mal durchschnaufen. Jetzt bin ich also im Vatikan gelandet.“ Es ist ein Prozess: die richtige Mitte finden aus Heiligenverehrung, die ja angebracht ist, und Bilderstürmerei. Ein paar Mauern dürfen schon zusammengehauen werden. Der Respekt kommt dann eh meistens von selbst, weil dieser Name einfach immer noch da ist.

Wie gut kennen die Drei die Lach- und Schieß?
Ich weiß nicht, was sie an Ensemble-Programmen live gesehen haben. Als Zuschauer sind sie alle schon mal da gewesen. In Vorbereitung haben sie sich schon ein bisschen mit der Geschichte des Ladens befasst, sich auch mal so ein paar Klassiker angeschaut.

„Aufgestaut“ wird das neue Programm heißen. Geben Sie uns doch mal einen Appetithappen, um was es gehen wird.
Es wird eine Situation in einem Bus geben, der in einem Stau steht, im Niemandsland. Nichts geht weiter, ohne dass man weiß warum. Und das über Tage. Nach und nach fängt das Ganze dann an zu eskalieren, ganz fürchterlich. Das Prinzip Eskalation soll nicht nur inhaltlich, sondern auch formal aufgegriffen werden. Es wird auch wieder etwas gesungen werden. Formal wird es ein Kessel Buntes, inhaltlich nicht. Die Idee ist: ausloten, wo Zivilisationsgrenzen verlaufen.

Das klingt doch nach Spaß. Los geht es allerdings erst am 28. Oktober.
Hoffentlich. Wie und in welcher Form weiß man ja noch nicht. Aber auch deshalb sind wir mit der News jetzt schon an die Öffentlichkeit gegangen. Um ein Zeichen zu setzen und zu sagen: Was auch immer passieren wird, es werden Sachen passieren, und die gehen auch jetzt schon los.    

 

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