Lach- und Schießgesellschaft Philipp Weber: „KI: Künstliche Idioten“

Intelligenter Kaffeklatsch mit Bastelroboter-Tante: Philipp Weber. Foto: Simon Bütttner

Philipp Weber: „KI: Künstliche Idioten“: Mit seinem neuen Programm gastiert der in Haidhausen und Tübingen lebende Odenwälder in der Lach- und Schießgesellschaft

Als „Erstes Deutsches Zwangsensemble“ räumte Philipp Weber im Verbund mit Matthias Tretter und Claus von Wagner einen Kabarettpreis nach dem anderen ab, mit „Futter“, „Durst“ und „Weber No.5“ folgten sehr erfolgreiche Solo-Programme. Mit seinem neuen Werk „KI: Künstliche Idioten“ gastiert der in Haidhausen und Tübingen lebende Odenwälder nun in der Lach- und Schießgesellschaft.

 

AZ: Herr Weber, nach den Ober-Themen Essen, Trinken und Manipulation durch Marketing beschäftigen Sie sich im neuen Programm „KI: Künstliche Idioten“ mit dem Homo digitalis. Wie kam’s?
PHILIPP WEBER: Ursprünglich wollte ich ein ganz anderes Programm schreiben, über Tiere.

Über Tiere?
Nicht so wie Grzimek, sondern einen lustigen, satirischen Tier-Mensch-Vergleich. Warum die Natur viel vernünftiger ist. Aber dann bin ich auf die Bewegung des Transhumanismus gestoßen, der die Idee der Optimierung des Menschen verfolgt, der Erhebung über die conditio humana. Nicht damit er glücklicher wird, sondern zum Selbstzweck. Selbstoptimierung ist natürlich gerade ein Trend: Pulsmesser, Schrittzähler und sonstige Tracker. Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, habe ich gemerkt: Ich mache ein anderes Programm.

Die Tiere müssen warten.
Mir ist aufgefallen: Meine lustigsten Nummern haben immer mit Technik zu tun. Ich bin halt auch so ein Technik-Dödel. Schon im Chemie-Studium hatte ich die theoretischen Grundlagen total drauf, konnte bis aufs Mikro-Joule den Wärmeumsatz einer Exothermen Reaktion erklären – aber hinterher stand das Labor trotzdem in Flammen. Ich bin einfach ein bisschen ungeschickt mit Technik. So geht es ja vielen. Es wird einem immer suggeriert, dass alles so leicht ist und super funktioniert – was nie so ist. Da steckt viel Komik drin.

Und somit ist ein Thema für Sie.
Ein Thema muss gesellschaftliche Relevanz haben, aktuell sein, und es muss in Komik transferierbar sein. Ich verstehe Kabarett als Unterhaltungsform.

Aber es geht nicht ausschließlich um KI?
Im Grund geht es um Fortschritt und die Frage ‘Wie verändert sich der Mensch mit der Kultur?’ Das verändert sich ja gerade sehr stürmisch: Wir haben KI, Robotik, Automatisierung, Digitalisierung, Gen-Technik - der Mensch stürmt voran und verändert sich mit dieser Umwelt fortlaufend. Daher ist das durchaus doppeldeutig gemeint: Vielleicht sind wir ja die künstlichen Idioten. Wir versuchen manchmal, mit Maschinen menschliche Probleme zu lösen.

Kommt der Mensch seiner Technik noch hinterher?
Das ist genau der Punkt. Ich habe das Gefühl, dass sich viele damit überhaupt nicht auseinander setzen wollen. Wir müssen das aber tun, weil: Der Fortschritt passiert natürlich, egal ob wir das gut oder schlecht finden. Nur wenn wir uns damit auseinandersetzen, können wir das auch gestalten. Gen-Technik: Ich weiß nicht, ob die Menschen ethisch darauf vorbereitet sind, dass wir den Menschen manipulieren können.

Viele schauen doch gar nicht so genau hin.
Ich will den Leuten ja nicht so viel Angst, sondern auch Mut machen. Es gibt so viele tolle Möglichkeiten KI einzusetzen, gerade in einer überalternden Gesellschaft. Für jemanden, der nicht laufen kann, ist Alexa eine super Sache. In meinem Programm wollte ich vielmehr überlegen: Wenn was falsch läuft – woran liegt das? Gibt es da komische Gesetzmäßigkeiten? Oft ist es ja so: je dämlicher die Idee, desto stürmischer der Erfolg.

Ein weites Feld haben Sie sich da ausgesucht – mal wieder. Wie schon als Student: Germanistik, Psychologie, Geschichte, Medizin, Bio und Chemie – fehlt nur noch Sport und Religion.
Angefangen habe ich mit Geschichte und Deutsch, habe aber eine leichte Rechtschreibschwäche, bin zu ungeduldig, zu ungestüm. Spätestens bei der ersten Hausarbeit war klar: Das macht überhaupt keinen Spaß. Ich wollte ja kreative Texte schreiben – wie naiv man nach dem Abi halt ist. Ich wollte lieber mit den Jungs im schwarzen Rollkragenpulli da sitzen und über Foucault und Derrida reden statt mit den Simpeln im Labor Betalaminsäure kochen. Das Psychologie-Studium war eher ein Warten auf einen Medizin-Studienplatz. Mein Bruder ist glaube ich die achte Generation Arzt in Folge, ich hatte auch viel im Krankenhaus gearbeitet, aber nicht wirklich Bock darauf, und so bin nach zwei Semestern bei Bio und Chemie gelandet – weil ich das einfach kann. Und im Nebenfach Bio-Ethik, was dann wieder Richtung Geisteswissenschaft ging.

Doch dann kam der Poetry Slam in Tübingen...
Und dann ging es ganz schnell! Zuvor war ich Elferrats-Präsident in der Schule, wir haben Sketche geschrieben und vor 400, 500 Leuten gespielt. Meine erste selbstgeschriebene Nummer habe ich im Jugendgottesdienst gespielt, den „Watzmann“ haben wir aufgeführt, ich als Bua. Aber mein Selbstbild war: Ich bin Naturwissenschaftler. Im Studententheater saß dann mal eine Agentin, die mich gleich verpflichtet hat, noch während des Studiums. Danach habe ich meine Mutter gefragt, was ich machen soll. Die ist zwar stramme CSUlerin, aber das Glück ihres Sohnes war ihr schon wichtiger, denn sie sagte: ,Du musst unbedingt versuchen Kabarettist werden! Da bist du vielleicht in zehn Jahren unglücklich, als Lehrer sofort.’

Unglücklich wirken Sie wirklich nicht, eher schon wieder voll neuer Ideen. Was kommt nach KI?
Ich glaube, das wird eine satirische Generalabrechnung mit der Vernunft, ein Appell an unser schönstes Primatenmerkmal: die Empathie. Satirische Thesen müssen ja nicht wahr sein, sondern sollen zum Denken anregen. Wenn die Leute alles durchgedacht haben, können sie gern zu dem Ergebnis kommen, dass die These total falsch ist. Aber der Prozess des Denkens und des Lachens ist ja das, was die Kunst machen soll.
    
PhilippWeber spielt von heute bis Freitag in der Lach & Schieß und am 5. März in der Waldbühne West (mit dem Programm „Futter - streng verdaulich“)

 

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