Laboureur/Sude top Ziel WM-Gold: Deutsche "Beach-Inseln" leuchten

, aktualisiert am 01.08.2017 - 20:07 Uhr
Julia Sude (vorne) und Chantal Laboureur spielen sich auf der Donauinsel immer mehr in eine Favoritenrolle hinein. Foto: dpa

Die Medizinstudentin Laboureur und die angehende Zahnmedizinstudentin Sude rocken in Wien weiter ohne Spiel- und Satzverlust die Beach-WM. Ihr Trainer erklärte das Gold zum neuen Ziel.

 

Wien - "Insel-Lösung" ist ein Schlagwort, das auch in Wien den deutschen Beachvolleyball aufwühlt. "Zum Verband wollen wir hier bei der WM nichts weiter sagen", erklärte die Friedrichshafenerin Julia Sude, die sich mit ihrer Stuttgarter Partnerin Chantal Laboureur auf der Donauinsel immer mehr in eine Favoritenrolle spielt.

Am Dienstag gewannen die Weltranglisten-Zweiten ihr drittes Vorrundenspiel gegen das spanische Team Elsa/Amaranta mit 2:0 (21:17, 21:16). "Ziel ist es jetzt, mit dem Team ins Finale zu kommen und Gold zu gewinnen", erklärte Trainer Ricardo "Vento" Brunale de Andrade.

Der Brasilianer betreut seit diesem Jahr das derzeitige deutsche Duo Nummer eins. Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) hätte es lieber gesehen, wenn sich Laboureur und Sude in das neue zentrale Stützpunktsystem eingefügt hätten.

Keine echten Nationalteams

Doch Laboureur, die neben dem Leistungssport im siebenten Semester Medizin studiert, und die angehende Zahnmedizinstudentin Sude verfolgten andere Pläne. In Hamburg läuft seit Jahresbeginn auch mit finanzieller Unterstützung der Stadt und des HSV ein Projekt, in dem die besten und talentiertesten deutschen Sandwühler integriert werden sollen.

Nur den Olympiasiegerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst wurde eine "Insel-Lösung" eingeräumt. Beide können mit ihrem bewährten Trainer- und Betreuerteam eigenständig weiterarbeiten. Weiteren Duos wie Sude/Laboureur und den neu zusammen spielenden Karla Borger und Margareta Kozuch wurde der Status als Nationalteam verwehrt, weil sie ihre eigenen "Inseln" nicht aufgeben wollten.

Die Konsequenzen: Die Duos erhielten bei internationalen Turnieren keine Unterstützung in Sachen medizinische Betreuung oder Scouting oder wurden wie Borger/Kozuch gar nicht erst gemeldet - Ärger pur. "Phasenweise war es sehr belastend. Jetzt blenden wir das aus, das schaffen wir die meiste Zeit sehr gut. Wir sind beide Kämpferinnen", sagte Kozuch, die viele Jahre als Hallennationalspielerin das Vorzeige-Gesicht des DVV war.

"Dass alle an einem Tisch sitzen, das gab es noch nicht", berichtete die neue Beach-Spielerin Kozuch. Die erlaubte Sonderlösung Ludwig/Walkenhorst sowie die Inseln Sude/Laboureur und Borger/Kozuch leuchten bisher in Wien. Die drei Damenteams gehen am Mittwoch in die K.o.-Runde. "Ich bin froh, dass wir unseren Weg so gegangen sind", sagte Laboureur.

Ludwig: "Es ist schwer"

Kurz vor WM-Start ernannte der DVV die Schwäbinnen doch zum Nationalteam. Bei der WM können auch Borger/Kozuch den Verbands-Service nutzen. Mit dem Stützpunktprojekt verfolgt der Verband nachvollziehbare Ziele. "Um die Qualität der Frauenteams mittelfristig zu sichern, ist die Zentralisierung der einzig gangbare Weg", erklärte DVV-Vizepräsident Andreas Künkler.

"Neben den sportlichen Vorteilen können sich die Teams durch die Zentralisierung komplett auf ihren Sport konzentrieren." Trainer müssen nicht mehr selbst bezahlt werden, viel organisatorische Arbeit fällt weg. Allerdings übertrieb es der DVV bei der Umgestaltung - bisher organisierten sich alle deutschen Teams selbst - offenbar mit dem Tempo.

Auch um die Vorgaben des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Innenministeriums in Sachen Leistungssportreform zu erfüllen. Laura Ludwig ist gespalten: "Es ist schwer. Es gibt generelle Veränderungen beim DOSB. Und unser Verband versucht, einen Weg zu gehen, den der deutsche Beachvolleyball einfach braucht."

Allerdings habe sie manchmal das Gefühl, dass dies gleich "von Null auf Hundert" passiert. "Da sind bestimmt nicht alle Konsequenzen bedacht worden", bemerkte die Olympiasiegerin.

Weitere deutsche Siege

Nadja Glenzke und Julia Großner haben über den Umweg der Lucky-Loser-Runde bei der Beachvolleyball-WM noch die K.o.-Runde erreicht. Das am nationalen Verbandsstützpunkt in Hamburg trainierende Duo vervollständigt in Wien das Quartett der deutsche Frauenteams im Sechzehntelfinale, das am Mittwoch ausgespielt wird. Glenzke/Großner setzten sich zum Abschluss der Vorrunde gegen das Duo Filippo/Erika aus Paraguay mit 2:0 (21:12, 21:18) durch.

Zumindest die Chance auf den Einzug in die Runde der letzten 32 erhielten sich Victoria Bieneck und Isabel Schneider (Berlin/Leverkusen). Im letzten Spiel der Gruppe A mussten sie sich den Weltranglistenersten Larissa/Talita aus Brasilien zwar mit 0:2 (16:21, 18:21) geschlagen geben. Victoria Bieneck und Isabel Schneider schieden in der Zusatzrunde der Gruppendritten mit einem 1:2 gegen Yue/Wang aus China aus. Markus Böckermann und Lars Flüggen (Hamburg) verhinderten dagegen mit einem 2:0 gegen Golindano/Charly aus Venezuela das vorzeitige WM-Aus.

Ein mögliches Spiel um das Ticket zum Sechzehntelfinale fände am Mittwochabend ab 17:30 Uhr statt. "Die Erleichterung ist natürlich groß", sagte Böckermann, der eine Woche vor der WM mit Flüggen das Grand-Slam-Turnier im polnischen Olsztyn gewonnen hatte und mit viel Rückenwind in Österreichs Hauptstadt gereist war: "Hoffnung wird dann gleich zu Druck. Damit wollten wir umgehen und haben es in den ersten Spielen nicht sehr gut gemeistert. Aber wir lernen immer dazu." 

Lesen Sie hier: Ludwig/Walkenhorst sichern Gruppensieg

 

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