KVR lehnt 30er-Zone ab Thierschstraße: Raser gefährden Kinder

Eine Mutter versucht, mit Kinderwagen die belebte Thierschstraße zu überqueren – kein einfaches Unterfangen bei Tram und schnellen Autos. Foto: Daniel von Loeper

Raser unterwegs: Ein Unfallchirurg hat Angst um Kinder, die die Thierschstraße queren. Trotz Stadtratsbeschluss KVR lehnt hier eine Tempo-30-Zone ab.

Lehel - Der Mediziner kennt schwere Verletzungen, als Unfallchirurg und früherer Hubschrauberarzt. Die Sitzung des Stadtteilparlaments Altstadt-Lehel besucht Christian Zeckey, Oberarzt im Klinikum Großhadern, als irritierter Bürger – und als Vater, der sich um die Sicherheit seiner Kinder im Straßenverkehr sorgt.

Mit seiner Familie wohnt der Privatdozent in der Nähe des Mariannenplatz’. Ihm fällt der Kindertrubel an der Thierschstraße auf. Hier sind drei Kitas eng beinander: der Evangelische Kindergarten St. Lukas in der Thierschstraße 28, die Elterninitiative "LeHelden" mit 24 kleinen Münchnern zwischen drei und sechs Jahren und der Griechische Kindergarten.

SUV rasen mit hoher Geschwindigkeit an Kitas vorbei

Eltern mit Kleinkindern und Babys im Tragetuch oder Kinderwagen überqueren häufig die Straße auf ihren Bring-und Hol-Wegen zur Kita. Morgens sind zur Schulzeit besonders viele junge Schüler unterwegs, die die St.-Anna Grundschule besuchen.
"Ich habe gesehen, wie SUV in der früh mit viel zu hohem Tempo hier fahren", sagt Christian Zeckey: "Die Straße ist gefährlich. Ich habe Angst um meine Kinder". Deshalb hatte der Arzt im Stadtteilparlament einen Antrag auf Tempo 30 gestellt.

Eigentlich soll dieses Tempolimit vor jeder Kita und Schule zur Regel werden. Das hat der Stadtrat im April 2018 so beschlossen. Das KVR hat Tempo 30 in dieser zentralen Straße des Lehels jedoch abgelehnt.

Die amtliche Begründung: Wo Busse und Straßenbahnen fahren darf kein Tempo 30 sein, damit die Fahrzeuge besser beschleunigen können. Außerdem fahre wegen der Kurve in der Thierschstraße die Trambahn sowieso schon langsamer.

Eigentlich soll Tempo 30 vor Kitas oder Schulen die Regel werden

Christian Zeckey hört sich diese Abfuhr ruhig, aber ungläubig an. Ihm bleibt jetzt die Möglichkeit, Verstärkung zu suchen. Die Lokalpolitiker raten ihm bei den Eltern Unterschriften zu sammeln – und den Antrag mit den Unterschriftenlisten nochmals im Bezirksausschuss einzubringen.

Erst im Frühjahr hat der Stadtrat einem neuen Verkehrssicherheitskonzept zugestimmt. Tempo 30 soll vor allen Kitas, Schulen und Altenheimen die Regel werden. Hintergrund ist die Maxime "Vision Zero": das erklärte Ziel von null Verkehrstoten und Schwerverletzten. Eine neue digitale Unfallkarte soll beim Entschärfen von Unfallschwerpunkten helfen. Denn: Von 2016 auf 2017 ist die Zahl der auf der Straße Getöteten von 15 auf 22 angestiegen. 2017 gab es rund 700 Schwerverletzte bei Unfällen in der Stadt.

Die Tendenz: Es gibt weniger, aber schwerere Unfälle – auch, weil Raser unterwegs sind, wie auf der eigentlich gemütlichen Thierschstraße im familiären Lehel.

 

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