Kurioses Versteck auf Golfplatz Dieb flüchtet: Nur noch die Nasenspitze schaut raus

Helmut S. steht an dem Bach, in dem der Dieb abgetaucht ist. Foto: rah

Dieser Fall ist wie in der Komödie: Ein Radldieb wählt auf der Flucht vor der Polizei als Versteck einen Bach auf dem Golfplatz in Thalkirchen. 

 

München - Zweifelsohne hat da einer zu viele Indiana-Jones-Filme gesehen: Der 31-Jährige dachte, er könne seine Verfolger abschütteln, wenn er auf dem Golfplatz in Thalkirchen in einen Bach springt und bis zum Nasenspitzerl untertaucht. Die Polizisten erwischen ihn trotzdem – kriminalistisch gesehen ein Hole-in-one.

Bei seiner täglichen Tour über den Golfplatz an der Isar macht Helmut S. (Name geändert) eine merkwürdige Entdeckung. "Ich sah unter einem Haufen Reisig und Ästen etwas funkeln", sagt der Münchner. Er räumt die Zweige beiseite und findet acht Plastiksäcke mit Radelteilen.

Auf einem Golfplatz ein ungewöhnlicher Fund. Die Mitglieder im Münchener Golf Club Thalkirchen kommen eher selten mit dem Rad zum Abschlag aufs Green. Und wenn doch, dann bestimmt nicht in lauter Einzelteilen.

"Mir war klar, dass da etwas nicht stimmt", erzählt Helmut S.. Er verständigte die Polizei. Bei den Fundstücken handelt es sich durchweg um Bauteile sehr teurer Räder – nichts, was man so einfach auf den Müll werfen würde. Helmut S.: "Ich dachte sofort an einen Dieb."

Die Polizisten legen sich auf die Lauer

Mehrere Polizisten suchen den Golfplatz ab. Dabei finden sie 14 teure Fahrräder im Gesamtwert von mehr als 10 000 Euro. Eines davon war vom Besitzer am selben Tag als gestohlen gemeldet worden. Drei weitere Räder konnten ebenfalls ihren Besitzern zugeordnet werden.

Die Polizisten ahnen, dass der Radldieb bald wieder zu seinem Versteck zurückkehren würde und legen sich in der Nähe von Loch 6 auf die Lauer. Ihre Geduld wird ein paar Stunden später tatsächlich belohnt.

Gegen 21.45 Uhr schleicht eine Gestalt über den dunkeln Golfplatz. Als die Beamten den Mann ansprechen, rennt der sofort davon. Er läuft durch ein kleines Wäldchen, springt durch ein Gebüsch und versucht, seine Verfolger im Schutz der Dunkelheit irgendwie abzuschütteln. Er kommt zu einem Bach, der durch den Golfplatz fließt. Nicht besonders tief, eiskalt und voller Schlamm. An einem Holzsteg springt der Radldieb in den Bach. Er legt sich flach auf den Rücken, so dass nur mehr seine Nase und sein Mund kaum sichtbar aus der Wasseroberfläche ragen.

In Abenteuerfilmen funktioniert der Trick immer. Indiana Jones gelingt es im "Letzten Kreuzzug", in einer Katakombe in Venedig einem Heer von Ratten in einem unteririschen Fluss zu entkommen.

Was im Kino Harrison Ford und seiner schönen Begleiterin den Kopf rettet, endet für den Thalkirchner Radldieb in einem eiskalten Schlammbad.

Über dem Golfplatz kreist am Dienstagabend nämlich auch ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera. Der 31-Jährige hat deshalb nicht die geringste Chance.

Die Polizisten sehen die Nasenspitze

Auch wenn er wie Arnold Schwarzenegger in "Predator" von Kopf bis Fuß mit Schlamm bedeckt ist. Mordlüsterne Aliens mag man so abschütteln können – nicht aber Münchner Polizisten. Die sehen nämlich den Radldieb, besser gesagt seine Nasenspitze, die noch knapp aus dem Wasser ragt.

Der 31-Jährige wird festgenommen. Weil er keinen festen Wohnsitz hat, kommt er vor den Ermittlungsrichter. Der erlässt Haftbefehl.

Der Dieb sitzt inzwischen in einer Zelle in der JVA Stadelheim. Vermutlich versucht er, sich dort mit einem Löffel durch die Wände zu kratzen. Aber das hat auch nur bei Burt Lancaster in "Der Gefangene von Alcatraz" funktioniert.

 

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