Kunstprojekt am Friedhof Briefe an die Verstorbenen

Die Folien flattern im Wind und glitzern in der Sonne. Ob so die Seelen der Verstorbenen klingen und aussehen? Foto: Marielle Seitz

Im stürmischen Herbstwetter kann man sie sogar hören. Die „Liebensbriefe“ am Obermenzinger Friedhof flattern im Wind. Ab kommenden Samstag, 25. Oktober, wird die Installation gezeigt.

 

Wie schon im vergangenen Jahr hat die Künstlerin Marielle Seitz gemeinsam mit Kindern die Kunstwerke gestaltet. Das Non-Profit-Projekt des Institutes für Kreativität und Pädagogik soll Kinder aller Glaubensrichtungen ansprechen und anregen. In den Briefen können sich die Kinder mit dem Thema Tod auseinandersetzen und andere an ihren Ängsten und Hoffnungen teilhaben lassen.

„Lieber Papa, Opa. Wir finden es doof, dass ihr nicht mehr lebt“ steht da etwa. Ein anderes Kind hat ein Bild von einem Engel gemalt, der eine Frau in den Himmel trägt.

Die Idee kam Marielle Seitz in der Halloweenabteilung eines italienischen Einkaufszentrums. Beim Anblick der Dekorationen und Masken dachte sie, so müsse es wohl in der Hölle aussehen – keine besonders kinderfreundliche Herangehensweise an das Thema Tod und Abschied also.

„Ich dachte mir, es muss doch möglich sein die Fantasie der Kinder auch anders anzuregen und das vielleicht genau an Allerheiligenthema. Im Jahr darauf machte ich mir dann Gedanken zum wie und wo. Das wo war dann im letzten Jahr schon der Friedhof Obermenzing und das wie ist eine neue Zeichentechnik“, erklärt Seitz.

Die Bilder und Briefe sind mit weißen Buntstiften auf durchsichtige Spezialfolie, die für Blinde entwickelt wurde, gemalt. Sie können deshalb sowohl von Sehenden, als auch von blinden Menschen gelesen werden. Auch Regen, kann den Folien nichts anhaben und wenn der Wind über den Friedhof weht, dann klingt es, als würden die Seelen der Verstorbenen in der Herbstluft flüstern.

Das Projekt wurde erstmals zu Allerheiligen 2013 durchgeführt. An schwarzen Leinen flatterten rund 1000 Liebensbriefe am Obermenzinger Friedhof. Es beteiligen sich verschiedene Kindertageseinrichtungen in ganz München, wie das Haus für Kinder in der Lerchenauer Straße oder das Montessori-Haus am Agnes-Bernauer-Platz.

Das Feedback der Kinder ist vielfältig. Die Pädagogen in den Horten und Kindergärten berichten von regem Interesse und schweigend malenden Kindern, die keine Angst vor dem Thema Tod bekommen. Manche erzählen, was nach dem Tod passiert: „Meine Oma ist jetzt ein Engel.“ „Tiere kommen in die Unterwelt.“

Bis zum 4. November können Besucher die Ausstellung am Friedhof besuchen.

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading