Kunstmarkt Johann König stellt bei Robert Ketterer aus

Robert Ketterer, Johann König und Joko Winterscheidt (von links). Foto: Ketterer Kunst

Preußisch Weißblau: Der Berliner Galerist Johann König stellt seine Künstler in Robert Ketterers Auktionshaus in Riem aus.

 

Dieses Zusammenspiel ist normalerweise ein Tabu: Robert Ketterer leitet das erfolgreichste deutsche Auktionshaus, momentan liegen die Münchner auf Platz 11 im weltweiten Ranking, und die Kirchners, Ueckers und Craggs gehen locker über den Tisch. Genauso spielt Johann König mit seiner Berliner Galerie längst in der ersten Liga – obwohl er durch einen Unfall fast nichts mehr sieht. Davon erzählt er ganz offen in seinem Buch "Blinder Galerist". Jetzt stellt König bei Ketterer aus. Zwei Wochen lang. Ob das gut geht?

AZ: Herr König, sind sich Kunsthändler und Galeristen nicht spinnefeind?
JOHANN KÖNIG: Noch schlimmer, wir sind ja auch Bayern und Preußen. Deshalb dachten wir: Was sich neckt, das liebt sich. Also bringe ich als Primärmarkt-Galerist 13 Berliner Künstler nach München in ein Auktionshaus.

Herr Ketterer, wie viel Platz treten Sie den Berlinern ab?
ROBERT KETTERER: Das gesamte Gebäude. Würde Johann die Räume mieten, dürfte das für zwei Wochen locker 100.000 Euro kosten.
KÖNIG: Dann würde ich aber gleich in die Innenstadt gehen, da muss ich jetzt mal zurückschießen.
KETTERER: Aber nicht in dieser Größe und mit Parkplätzen vor der Tür. Jedenfalls bekommen Deine Künstler eine schöne Präsenz im süddeutschen Raum. Unser Gebäude in Riem wurde für die Kunst gebaut, und wir laden alle unsere Kunden ein.

Wie finden das die Künstler?
KÖNIG: Mit den Künstlern ist alles abgestimmt. Sie vertrauen mir und wissen doch auch, dass sich der Markt verändert und man nach neuen Möglichkeiten suchen muss.
Julian Rosefeldt oder Michael Sailstorfer kommen allerdings aus Bayern.
KÖNIG: Stimmt, aber sie leben und arbeiten in Berlin. Beide haben übrigens gigantische Ateliers.

Womit das wohl zu tun hat?
KÖNIG: Da dürfen die Münchner mal kurz überlegen. Aber im Ernst, wenn das gut wird und wir ein bisschen was verkaufen, machen wir eine große Publikation über unsere Berliner Künstler. In der "New York Times" erschien eben erst ein Artikel über Alicja Kwade, Anselm Reyle und Jorinde Voigt – weil die alle riesige Atelierflächen haben. Das findet man in New York völlig irre.

Es sind die Galerien, die Künstler entdecken.
KETTERER: Und aufbauen! Insofern leisten Galerien eine ganz wichtige Arbeit. Es geht aber nicht darum, etwas zurück zu geben, sondern einfach zu unterstützen. Mein Vater hat in Stuttgart 1954 mit einer kleinen Galerie angefangen, damals gab es nicht sonderlich viele Schnittmengen zwischen dem primären und dem sekundären Markt. Aber nehmen Sie Katharina Grosse, die stellt Johann König jetzt bei uns aus, wir haben sie aber auch in den Auktionen – zum Teil zu deutlich höheren Preisen.

Bei den Auktionen schnellen die Beträge gerne in die Höhe.
KETTERER: Mal so, mal so. Auf jeden Fall liegen wir immer neben dem Galeriepreis. Entweder etwas ist viel zu billig, weil es keinen Markt gibt, oder wir sind viel zu teuer. Der Galerist ist also nie so richtig begeistert.

Herr König, verlangen Sie bei Ketterer schon mal prophylaktisch mehr?
KÖNIG: Nein! Wir haben genau dieselben Preise wie sonst auch. Die Werke gehen ja nicht in eine Auktion, sondern in den Primärverkauf. Und im Gegensatz zur Auktion kann man die Preise verhandeln.
KETTERER: Johann König hat aber auch verstanden, dass der Auktionsmarkt genauso dem Galeriemarkt helfen kann. Wir sind ja nichts anderes als eine Bestätigung seiner Arbeit und seiner Preise.

Sie sind eh viel am Experimentieren, Herr König. Nach London eröffnen Sie auch noch in Japan eine Galerie. Wäre der Standort China nicht einträglicher?
KÖNIG: In Tokio sind wir relativ alleine, es gibt kaum internationale Galerien. In China ist es dagegen sehr kompliziert, ohne einen chinesischen Partner geht nichts. Wir haben das genau analysiert. Japan mag ein hochverschuldeter, schwieriger Wirtschaftsstandort sein, aber ich finde das Land und die so kunstaffine Gesellschaft ganz wunderbar. Und Tokio ist einfach eine Weltstadt.

Spüren Sie in Ihrer Londoner Galerie den Brexit?
KÖNIG: Wir waren sehr unsicher, wie es weitergehen soll, und überlegten sogar kurz, den Galeriebetrieb einzustellen. Aber dann hatten wir eine sehr erfolgreiche Frieze-Messe, und jetzt setzen wir das fort.

Wie sind Sie beide eigentlich zusammengekommen?
KETTERER: Man hat sich auf Messen immer mal gesehen. Und in der Regel gibt es ja auch die erwähnten Animositäten. Aber Johann ist ein völlig offener, unvoreingenommener Typ. Wir schauen über den Tellerrand hinaus. Wenn man immer nur an sich und den eigenen Betrieb denkt, kommt man nicht weiter. 


"Szene Berlin Oktober 19" bis 25. Oktober bei Ketterer Kunst, Joseph-Wild-Str. 18, Mo – Fr, 11 – 18 Uhr

 

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