Kunst statt Terrorübungen Gesundheitshaus: Entscheidung über Zwischennutzung ist gefallen

Seit Jahren steht das Gesundheitshaus in der Dachauer Straße leer. Foto: Daniel von Loeper

Seit 2016 steht das Gesundheitshaus an der Dachauer Straße 90 leer. Nach dem dort zuletzt das LKA Terrorübungen abhielt, ist nun eine Entscheidungen gefallen, was in den nächsten fünf Jahren dort passieren soll.

 

München - Das Gesundheitshaus an der Dachauer Straße 90 – und seine Zukunft – ist ein wahrer Evergreen der Stadtratsthemen. Seit 2016 steht das Gebäude leer, lange wurde abgewogen, ob man saniert oder abreißt, diverse Nutzungen und Ideen wurden diskutiert. Schon 2009, daran erinnerte Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) am Mittwoch in der Stadtrats-Vollversammlung, beschloss der Stadtrat schließlich: Es wird abgerissen und neu gebaut.

Das fünfgeschossige Gebäude ist veraltet und entspricht nicht den Anforderungen, eine Sanierung ist nicht wirtschaftlich. 2013 wurde ein Realisierungswettbewerb ausgelobt. Zehn Jahre später steht der Bau noch immer unverändert da, zuletzt wurde er vom Landeskriminalamt für Terrorübungen genutzt.

Immerhin: Am Mittwoch hat der Stadtrat einen Bebauungsplan für den Neubau des neuen städtischen Verwaltungsgebäudes beschlossen, so dass jetzt weiter geplant werden kann.

Gesundheitshaus: Stadtrat entscheidet über Zwischennutzung

Weil es aber dementsprechend noch etwas dauert, bis wirklich gebaut wird, soll das Haus fünf Jahre lang von einer Zwischennutzung bespielt werden. Wer das machen darf, entschied der Stadtrat am Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung.

Die Wahl fiel auf das Team des Museum of Urban and Contemporary Art (Muca), das schon das frühere Umspannwerk in der Hotterstraße zu eben jenem Museum umbaute und zuletzt mit dem Kunstlabor die frühere Tengelmann-Zentrale an der Landsberger Straße mit Kunst und Leben gefüllt hatte.

Die Muca-Macher sollen das Haus herrichten und bekommen einen Erbbaurechtsvertrag für die Zwischennutzung.

Gesundheitshaus: Muca-Team bekommt Zuschlag

Seit Januar 2019 konnten sich Interessenten für die Zwischennutzung mit ihren Konzepten bei der Stadt vorstellen. Laut Kommunalreferat gingen bis zum Bewerbungsende am 1. März zwölf Angebote ein. Zehra Spindler, eine der erfahrensten Zwischennutzerinnen ("Puerto Giesing") der Stadt, zog ihre Bewerbung zurück. Sie fürchtete enorme Kosten, die wenn überhaupt nur mit viel Kommerz, sprich großen Partys, und damit zulasten der Anwohner umzusetzen wären (AZ berichtete). Ein Party-Konzept ist es nun nicht geworden. Durch das Verfahren habe man viele innovative Konzepte erhalten, sagt Kommunalreferentin Kristina Frank. "Muca hat uns inhaltlich voll überzeugt, da es den Kunst- und Kreativschaffenden viel Raum für ihre Arbeit und Werke lässt."

"Wir wissen auch erst seit Mittwochabend Bescheid und sind absolut positiv überrascht und in Feierlaune", sagt Stephanie Utz, Mitbegründerin von Muca, als die AZ sie anruft.

Sie verrät: Ihr Konzept ähnelt dem des Kunstlabors, das ja mit nur vier Monaten für eine Zwischennutzung recht kurz war. "Für das wollten wir schon gerne eine Art neue Heimat finden", sagt Utz.

Gesundheitshaus wird zum "Kunst- und Kreativraum"

Angedacht ist also ein "Kunst- und Kreativraum", vor allem für Künstlerateliers, aber mit viel Programm Drumherrum, etwa Ausstellungen, Lesungen, Workshops und Podiumsdiskussionen. "Das ist wichtig", sagt Utz. "So ein Haus muss lebendig gehalten werden." Denkbar sei auch, so Utz, dass weitere Partner projektweise dazustoßen, auch aus dem Kreis der weiteren Bewerber. "Fünf Jahre sind ja jetzt eine lange Zeit."

Außerdem soll es im Gesundheitshaus eine Gastronomie geben. Wer die betreibt, sei noch offen. "Es waren ja zwölf sehr gute und verschiedene Bewerber und bis zum Schluss war alles offen", deshalb habe man noch keine Gespräche geführt, sagt Stephanie Utz.

Wann das neue Muca-Projekt eröffnen kann, ist noch unklar. Aus Erfahrung schätzt Stephanie Utz, dass es mindestens ein halbes Jahr braucht, das Objekt überhaupt nutzbar zu machen.

Utz: "Wir sind bauerprobt"

Freilich wird man dafür einiges investieren müssen. "Die Kinder der Zwischennutzung kennen das", sagt Utz. Sie kenne kein Gebäude im Münchner Stadtgebiet, das für eine Zwischennutzung freigeben wurde und sofort bespielbar gewesen sei. "Wir sind da bauerprobt".

Die Kosten will man dann etwa durch Eintrittsgelder, aber gerne auch Sponsoren wie schon beim Kunstlabor rein holen. "Mit dem Konzept musste man ja auch einen Finanzierungsplan abgeben", sagt Utz. "Man traut uns also offensichtlich zu, dass wir neben Kunst auch Mathe können". Jetzt beginne erst einmal die Arbeit.

Lesen Sie hier: Dachauer Straße - Was wird nun aus dem Gesundheitshaus?

Lesen Sie hier: Dachauer Straße 90 - Ein neuer Platz zur Zwischennutzung

 

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