Kunst Krafttöne und abstrakte Spaziergänge

Unverfängliches wie die „Blumen in der Nacht“ (1941) malte die Münter während der NS-Zeit. Foto: Hamburger Kunsthalle

Gabriele Münter und ihre „Zeit nach Kandinsky” – im Schloßmuseum Murnau

 

Schon als Kind hat sie dauernd gezeichnet, das ging ihr wie selbstverständlich von der Hand. Doch das Malen, gestand die hoch betagte Gabriele Münter, habe sie erst mühsam lernen müssen. Man reibt sich ein wenig die Augen vor den leuchtenden Farben, die die Künstlerin sofort mit dem Blauen Reiter in Verbindung bringen, diesen mit Verve hingeworfenen Krafttönen.

Aber Münter, die 1911 mit Franz Marc und Wassily Kandinsky immerhin zum Gründungskreis der Künstlervereinigung gehörte, hatte nie ein sonderlich ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Und nach der Trennung von ihrem Lehrer und Lebensgefährten Kandinsky versank sie erst recht in Zweifel, nahm sogar noch einmal Malunterricht.

In der Literatur findet diese Phase kaum ausführliche Erwähnung. Dabei blieben der Malerin mit den auffallend traurigen Augen noch fast fünfzig Jahre, die sie unermüdlich gearbeitet hat. Ab den späten 1920er Jahren bestärkt von ihrem neuen Lebensgefährten, dem Philosophen und Kunsthistoriker Johannes Eichner. Die Ergebnisse dieser „Zeit nach Kandinsky” sind nun im Schloßmuseum Murnau zu sehen – und manches verblüfft.

Allein die Vielfalt der Stile ist bemerkenswert, das reicht bis zu fotorealistisch angehauchten Stillleben. Und immer wieder sind es die heiter unverfänglichen Blumen, die sie auf den Rat Eichners während der NS-Zeit malt. Er empfiehlt ihr auch, an großen Ausstellungen wie „Die Straßen Adolf Hitlers in der Kunst” (1936) teilzunehmen (gleichzeitig versteckt sie Werke verfemter Künstler). Später knüpft sie dann wieder an ihre düsteren Anfänge vor dem Ersten Weltkrieg an. Und mit fast achtzig geht die zeitlebens auf den Gegenstand fixierte Künstlerin doch noch übermütig „abstrakt spazieren”, wie sie resümiert – allerdings ganz im Stile Kandinskys, den sie nie ganz vergessen konnte.

Innovativ oder oder womöglich revolutionär war die Münter nie, aber eine ziemlich gute Malerin. Dagegen kann die 1962 verstorbene Zweiflerin nichts mehr einwenden.

Schloßmuseum Murnau, bis 4. November, Di bis So 10 bis 17 Uhr; Sonderausstellg. 5 Euro, www.schlossmuseum-murnau.de, Tel.08841/476201)

 

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