Kunst für alle Ab jetzt stehen 14 Klaviere in der Stadt

Künstler Stefan Künstler Stefan Wischnewski sitzt am Wanderklavier am Promenadeplatz. Er hat es selbst gestaltet und spielt sich schon mal warm. Foto: Gregor Feindt

Musik liegt in der Luft! Und zwar von jetzt an bis Mitte Mai. In der Stadt sind lauter Pianos verteilt, an denen sich jeder ausprobieren darf. Hier steht, wo sie stehen - und warum.

 

München - Nerven hat es gekostet und Zeit, jede Menge Kämpfe um Förderung und Genehmigung, aber jetzt ist es geschafft: Das Kulturprojekt „Play Me, I’m Yours“ klingt seit diesem Samstag durch Münchens Straßen.

Möglich gemacht haben das Andreas Wagner und Isabel Melendez Alba, die Vorsitzende des Vereins „Musik mit Kindern München“. Sie erzählte Nachbar Wagner von ihrem Traum, die klassische Musik zu entstauben und näher an die Leute zu bringen. Der hatte gerade seinen Job als Unternehmensberater an den Nagel gehängt, um sich Dingen zu widmen, die ihm am Herzen liegen – und Albas Idee gefiel ihm.

Die beiden fragten bei der Stadt New York an, welche sie an den Künstler Luke Jerram und sein Projekt „Play Me, I’m Yours“ verwies, das in über 30 Städten wie Los Angeles, São Paulo, London und auch im Big Apple erfolgreich Station gemacht hatte. „Bringt es einfach nach München“, sagte Jerram.

Mittels Crowdfunding, Unterstützung des Kulturreferats und der Stadtsparkasse und privaten Klavierspenden kann das Projekt jetzt auf Initiative der beiden Nachbarn stattfinden. 14 Instrumente stehen in der Stadt: Alle sind besonders gestaltet. Zwei Klaviere sind von den Kindern der Institutionen „Kinderkunsthaus München“ und „Artist-for-Kids“ gestaltet. Künstler wie der Designer Mirko Borsche, Steffen Kehrle, Ayzit Bostan, Bildhauer Josef Alexander Henselmann oder der Graffitikünstler z-rok haben die anderen Pianos verziert.

Bis zum 14. Mai stehen die Klaviere jeweils von 10 bis 22 Uhr in der Innenstadt, mit Pause zwischen 14 und 15 Uhr, zum spielen für die Öffentlichkeit bereit. Jeder ist eingeladen, auf den Tastaturen zu klimpern. Zwischen dem Spiel der Münchner Passanten werden sich Bands wie Balloon & Sarah Straub, Getting Private in Public, Livy Pear, Rejetnicks, Monika Roscher Band und Serena Chillemi an die Pianos setzen.

Die Klaviere werden am Vater-Rhein-Brunnen, am Isartorplatz, am Geschwister-Scholl-Platz, am Königsplatz, am Hohenzollernplatz, am Wiener Platz und am Willy-Brandt-Platz stehen, am Kulturzentrum Trudering, am Giesinger Kulturzentrum und am Kulturhaus Neuperlach, an der Mohr Villa, am Flughafen beim Terminal 2 und an der Glockenbachwerkstatt, ein Wanderklavier wird vom Promenadeplatz über Stachus und Sendlinger Tor zum Rindermarkt wandern.

In der Nacht werden die Pianos von den Veranstaltern zugedeckt, damit sie vor Wind und Wetter geschützt sind. Die Münchner bitten sie um Folgendes: „Falls es anfängt zu regnen und Sie an einem der Klaviere vorbeikommen, seien Sie so nett und decken es mit der Plane hinter dem Piano ab.“

Die Idee entstand im Waschsalon

Über drei Millionen Menschen haben dem Klang von „Play Me, I’m Yours“ schon zugehört – schätzt der Vater des Projekts, Luke Jerram.

Die Idee kam ihm vor fünf Jahren im Waschsalon, den er wöchentlich besuchte. „Immer die gleiche Gruppe von Leuten am immer gleichen Ort, und niemand hat miteinander geredet“, sagt Jerram. „Wie an einer Bushaltestelle, wie so oft im öffentlichen Raum.“ Er fragte sich, wie es wohl wäre, wenn ein Klavier zwischen den Menschen stünde. Ob sie beginnen würden, darüber zu kommunizieren.

Heute haben in über 30 Städten an die 750 Klaviere gestanden. Jerram kann rührige Geschichten davon erzählen: Von der Putzfrau in São Paulo, die ihre kleine Tochter für Klavierstunden ans andere Ende der Stadt schickte. Als die beiden an einem „Play Me“-Klavier an einer U-Bahn-Haltestelle vorbei kamen, setzte sich das Mädchen ans Instrument und spielte vor, was es gelernt hatte – die Mutter brach vor Rührung in Tränen aus.

Oder von dem Paar, das sich an einem Klavier in New York kennen lernte und sich dort zu regelmäßigen Klavier-Übungsstunden traf. Sie heirateten – das Klavier war mit dabei.
„Diese Klaviere sind für die Gesellschaft wie eine weiße Leinwand, die sie selbst gestalten kann, und das ist eine sehr kraftvolle Idee“, meint Jerram. „In Paris hatten wir letztes Jahr 40 Pianos, dieses stellen wir 80 auf – lasst uns nächstes Jahr in München 100 haben!“

 

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