Kultur Wo Panzer eingehäkelt und Burkas gemalt werden

„Bubenstücke“ aus Tusche: Linda Männel , Meisterschülerin aus der von-Platen-Klasse, vor einer eigenen Arbeit in der „Ex“-Ausstellung in der Innenstadt-Galerie der Kunstakademie. Foto: Berny Meyer

NÜRNBERG - „Ex“: Einfallsreiche Schau dreier Meisterschülerinnen in der Nürnberger Akademie-Galerie.

Im Inneren, hinter der kuscheligen Faden-Fassade lauert woll-lüstig das stählerne Böse, die Tötungsmaschine: der Panzer, ganz plakativ eingehäkelt. Auch in der Munitionsschachtel, in der Porzellan-Patronen schlummern, zeigt sich dieses Strukturprinzip zwischen Innen und Außen, mit dem Bettina Graber der Wirklichkeit mehr oder doch eher minder Rechnung zollt.

Sie, Linda Männel und Birgit Nadrau stellen unter dem Titel „Ex“ eine Übersicht aus. Dabei ist die Trio-Konzeption unbedingte Bedingung: Die drei sind Meisterschülerinnen der Klasse von Platen an der Kunstakademie.

„Das letzte halbe Jahr nach dem Abschluss war sowohl stressig als auch super“, sagen die drei einhellig. Die Akademie also als Startrampe, die auch gleich – wiederum – tönern von Bettina Graber aus Holz, Porzellan, Metall und Kunststoff modelliert wurde und als fröhlich plingende Raketen-Spieluhr mit „Yesterday“ von den Beatles – widersinnig – in die Zukunft verweist.

Der Ansatz von Linda Männel ist ein ganz anderer: Im großformatigen „An die Freude I“ arbeitet sie mit Tusche und fröhlich-bunten Aquarellfarben – eine Weiterentwicklung der reinen schwarz-weiß-Tuschetechnik, die sich in „Bubenstück I und II“ zeigt. Das vorläufige Ende der Weiterentwicklung: Das Werk „Mia und Tim“, zwei grandiose Großformate, jeweils mit über 6 Kilometer Wollfaden bespannt, als große Neon-Camouflage für das dahinterliegende, sich je nach Betrachter-Winkel und Abstand verändernde Gemälde.

Birgit Nadrau hat ein fantastisches Faible für Absurdes, das kleinteilig Verstörende im Großen: Ihre 30-teilige Installation „Inflation“ zeigt einen Discounter-Einkauf, durch und durch krisentauglich auf das Thema „Gold“ fixiert. Ihre bisher unbetitelte „Burka“-Arbeit macht mittels grobem Edding-Einsatz aus Matrjoschka-Puppen Schleier tragende Musliminnen, die „Botanischen Vorgärten“ sind Kakteenimitate, zusammengebaut aus einer Semmel mit Zigarettenfilter-Stacheln. Hier offenbart sich das Täuschungs-Prinzip dieser sich selbst verstärkenden Ausstellung zwischen Innen und Außen. Alles scheint. mm

Akademie Galerie (Adlerstr. 10-12): bis 20. Februar, Do und Sa 13-18 Uhr

 

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