Kultur Widerborstig mit oder ohne Schürze

Kabarett als Weltgericht? Man mag von einem Erzengel gemeinhin ein anderes Bild haben. Hier allerdings hat er die Gestalt von Maria Peschek und trägt voll Stolz ein weißes Nachthemd. Foto: AZ

Die Erfinderin der Paula Pirschl, Maria Peschek, feiert 25-jähriges Bühnenjubiläum

Ja, auch in der Kittelschürze kann man Karriere machen! Mit ihrer Figur Paula Pirschl schuf Maria Peschek nicht nur den bayerischen Ratschkathln ein Denkmal, sondern erlebte vor 25 Jahren ihren Durchbruch als Kabarettistin. Zu ihrem Bühnenjubiläum tritt sie mehrmals im Theater im Fraunhofer auf: Heute wird sie von den Wellküren begleitet, am 26.11. unterstützt sie Michael Skasa, am 27.11. unterhält sie solo mit ihrem aktuellen Programm „Und wer ist schuld ?“.

AZ: Frau Peschek, Sie haben nach Ihrer Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule erstmal in Landshut und anderen Bühnen Theater gespielt. Wieso sind Sie nicht dabei geblieben?

MARIA PESCHEK: Ich bin im letzten Jahr auf der Falckenberg sehr krank geworden, das war eine rheumatische Erkrankung. Ich konnte danach nur Stückverträge annehmen, was für mich ganz schlimm war. Ich hatte diese ungeheure Spiellust! Der Sigi Zimmerschied war für mich so eine Inspiration, dass ich gesehen habe, aha, da steht ein Mensch allein und man hat das Gefühl, es sind fünf oder acht Personen auf der Bühne. Ich habe zwei Nummern in Passau gespielt und merkte: Die Leute mögen mich!

Sie haben in Passau den zweiten Platz gemacht und spielten darauf Ihr erstes Programm im Fraunhofer. Paula Pirschl war geboren.

Ich kann mich erinnern, als wir an der Falckenberg Improvisationen übten, habe ich immer dazu geneigt, so eine ältere Figur zu spielen. Und die hat sich in meinem Kopf weiter entwickelt.

Wie hat sie sich verändert?

Sie war zuerst eine sehr konservative, schadenfrohe, unsoziale Person. Dann veränderte sie sich, glaube ich, wegen meinen Rundfunkgeschichten. Dort ist es eher missverständlich, wenn eine Figur sich in dieser kurzen Zeit so hart äußert. Das nimmt der Zuhörer oft eins zu eins. Deswegen wurde Paula mit der Zeit sehr menschlich, ihre Familienmitglieder dafür immer engstirniger und blöder.

In Ihrem neuen Programm ist Paula fast nicht mehr da. Wollen Sie sie in Rente schicken?

Ich wollte mal ausprobieren, ob ich einfach als Maria Peschek auftreten kann. Ich erkläre auch dem Publikum, dass ich das mit der Schürze sein lassen will, weil sie angefangen hat, mir zu passen. Wenn eine jüngere Frau eine Schürze anzieht und eine alte Frau spielt, die über Gott und die Welt lästert, kann das lustig sein. Wenn das Gleiche aber eine in die Jahre gekommene Frau macht – wo ist dann der Witz?

In Ihrem Programm fragen Sie die Leute nach ihrem momentanen „Weltlieblingsproblem“, malen dann dazu ein Gemälde, das Sie für einen guten Zweck versteigern.

Eigentlich mache ich das, weil ich immer schon eine soziale Organisation gründen wollte. Im Programm meine ich auch, dass wir im Westen eigentlich ständig schuldig werden. Durch die Versteigerung wird ein wenig Schuld von unseren Schultern genommen. Ich bezeichne das als „modernen Ablasshandel“.

Und was war bisher der größte Erlös?

In Regensburg habe ich ein Bild für über 100 Euro versteigert. Zuletzt ging das Geld an Jutta Speidels Verein „Horizont“ oder an die Organisation „Refugio“, die sich um traumatisierte Flüchtlingskinder kümmert.

Was war der glücklichste Moment in Ihrer Karriere?

Ich glaube, das war, als ich im Fraunhofer zum ersten Mal mein Programm spielte. Noch auf der Hinfahrt habe ich im Auto Dinge erfunden, die ich nicht aufgeschrieben hatte. Ich merkte, dass den Leuten das gefällt. Es war nur halbvoll! Am nächsten Tag waren es nur acht Zuschauer. Dann erschienen die Kritiken, die Abendzeitung nannte mich, „charmante Zwidawurzn“, in der SZ schrieb Michael Skasa, den ich damals noch nicht persönlich kannte: „Wer ist die Peschek? Im Fraunhofer geht ein Widerborstn-Stern auf!“. Ich bin zwei Meter über dem Erdboden gestanden. Danach war das Programm sieben Wochen ausverkauft. Da war ich schon sehr glücklich.

Michael Stadler

Theater im Fraunhofer, heute mit den Wellküren, Fr mit Michael Skasa, Sa solo, jeweils 20.30 Uhr, Tel.26 78 50

 

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