Kultur Teil 2: Helden nicht für einen Tag

Beim Filmcasino vor dem Schumann's ist eine Litfaßsäule zur Trauer-Stele geworden. Foto: dpa

MÜNCHEN - Mit einer Mark zum mächtigsten Mann bei der Constantin. Eichinger griff hart durch und landete gleich mit „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ einen Hit: David Bowie sei Dank.

 

Es war 1979, er war gerade noch 29 Jahre, als sich Eichinger mit 25 Prozent bei der bankrotten Constantinfilm einkaufte. Sofort entließ er 50 Mitarbeiter und ging dem verbleibenden Geschäftspartner mit der kostspieligen Suche nach Drehbüchern und Rechten so auf die Nerven, dass der 50 Prozent verkaufte und Eichinger den Rest für den symbolischen Wert von einer Mark überließ. Die „Neue Constantin Film“ war geboren, der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Eichingers Rezept: statt Originaldrehbücher mit unbekannten Stoffen lieber die Rechte an Bestsellern kaufen. Der Stoff war bewährt. Und wer ein Buch interessant fand, würde sich auch für die Verfilmung interessieren.

Gleich das erste Großprojekt, „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ spielte das Sechsfache der Produktionskosten von sechs Millionen Mark ein und rettete die Firma. Mitproduzent Hans Weth erinnert sich: „Wolfgang Limmer kam mit der Stoff-Idee an. Regisseur Roland Klick quasi zur gleichen Zeit. Klick wurde verpflichtet. Aber Eichinger hatte das Gefühl, mit dem Klick wird das nichts. Eichinger schickte mich, um dem Klick zu sagen: ,Du bist gekündigt!’“ Uli Edel, ein Eichingerfreund aus Studientagen an der HFF, wurde verpflichtet. „Wie dieser Film entstanden ist, das ist mit heutigen – generalstabsmäßigen Planungen – nicht zu vergleichen. Oft erst am Morgen kamen die frischen Drehbuchseiten, handgeschrieben, so dass Edel den Autoren Hermann Weigel nervös anging: ,Wie soll ich das drehen? Ich kann das noch nicht einmal lesen!’“

Als der Film im Rohschnitt fertig war, wirkte er bleiern. Weth überlegte: „Plötzlich war klar: Es ist die Musik!“ Ihm gelang es, David Bowie zu gewinnen, heute undenkbar: kostenlos! Eichinger und Weth flogen zum Dreh nach New York, wo die Bowie-Szene als Berliner Deutschlandhallen-Konzert fingiert wurde. Da kam der Anruf aus dem Constantin-Büro in der Kaiserstraße: „Die Polizei ist da. Die suchen den Bernd.“ Am Riemer Flughafen wurde Eichinger verhaftet, er hatte seine Kokain-Schulden mit seinen Schecks bezahlt. Weth bangte um das ganze Projekt: „Ich zweigte aus einem anderen Filmprojekt einfach 40000 Mark ab, um Bernd auf Kaution freizubekommen.“

Bowie sang „Heroes“ auf Deutsch. Der Sound des Films der „Kinder vom Bahnhof Zoo“ traf den Nerv der Zeit.

 

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