Kultur Schlag auf Schlag gegen den Repertoire-Autopilot

Nix für Holzköpfe: die kommenden Highlights im Kultur-Großraum. Wie zum Beispiel das Figurentheater-Festival. Hier eine Szene des Kielers Marc Schnittger aus dem Jahr 2009. Foto: Veranstalter

Nürnberg - Juxende Frankreichreisen, Feldherrengemetzel und eine großformatige Gralssuche – der AZ-Überblick über die Premieren des kommenden Halbjahrs. Heute Teil eins mit Festivals und Opern

 

So schnell vergeht die Zeit im Theater: Kaum hat das Nürnberger Schauspielhaus mit einer wahren Attacke von Premieren eröffnet (die meisten dieser Produktionen erreichen seither Platzausnutzungs-Quoten nahe 100 Prozent), die Oper des Staatstheaters eine halbwegs elegante Grätsche zwischen Auftrags-Uraufführung und Operette hingelegt sowie neben dem bunten Fürther und dem etwas grau geratenen Erlanger Spielplan auch das Mainfranken-Theater Würzburg den Sprung zurück ins Blickfeld geschafft, beginnt bereits die zweite Hälfte der Saison. In Nürnberg übernimmt, während Klaus Kusenbergs Sprech-Sparte überwiegend auf Repertoire-Autopilot schaltet, nun das Musiktheater mit Oper und Tanz die Vorreiter-Rolle. Ausgleich versprechen Pläne in Gostenhof und Fürth sowie zwei Festivals in Vorbereitung, die sich weit über die eigene Stadtgrenze hinaus recken.

FESTIVALS: 100 Vorstellungen von 50 Ensembles aus aller Welt verspricht das 17. Internationale Figurentheater-Festival vom 13. bis 22. Mai. In Erlangen, Nürnberg und Fürth gastieren Komödien-Spektakel aller Art, von der aufgefrischten Puppenspiel-Tradition über die Masken-Performance bis zum Elektro-Design neuer Ästhetik. Das aufregendste Festival der Region, und dennoch hätte es die Politik in Erlangen beinahe über die Klinge springen lassen. Nahezu nahtlos ist der Übergang danach zu den Bayerischen Theatertagen, wo in diesem Jahr vom 24. Mai bis 12.Juni in Bamberg alle Bühnen des Freistaats zur Leistungsschau antreten. Dank neuer S-Bahn kann das weiträumig zum Anziehungspunkt für Frankens Kulturfreunde werden.

OPER: In die Kategorie der Comedy-Großformate gehört Rossinis Opernkomödie "Die Reise nach Reims", die für Nürnberg neu ist und zum Belcanto-Schwerpunkt von Intendant Peter Theiler passt. Regisseurin Laura Scozzi, die bereits "Zauberflöte" und "Benvenuto Cellini" verjuxte, dürfte endlich das passende Stück für ihren Humor gefunden haben (ab 12. Februar). Wer den musikalisch besseren Rossini bevorzugt: Hermann Schneider inszeniert in Würzburg "La Cenerentola" (ab 26. März). - Mit großen Erwartungen schauen viele der Nürnberger Neuinszenierung von Verdis "Macbeth" entgegen. Georg Schmiedleitner, im Schauspiel der Dauergast für Aufreger zwischen "Orestie" und "Nathan", tritt beim blutigen Schauerdrama erstmals in der anderen Sparte an. Mit Lisa Houben leistet sich das Opernhaus einen Spezial-Gast für die schwierige Partie der Lady Macbeth (ab 5. März).

Dann geht es Schlag auf Schlag weiter. Im April folgt schon wieder mal eine neue "Carmen". Nach der Spanien-Verortung kürzlich im Ballett geht es mit Gastregisseur Laurent Laffargue und Gastdirigent Marc Tardue wieder zurück in Richtung Frankreich. In Nürnbergs ewiger Carmen-Galerie neben Dunja Vejzovic, Gail Gilmore und Andrea Baker soll sich Jordanka Milkova einreihen (ab 2. April). Exakt vier Wochen später folgt mit Franz Schrekers "Der ferne Klang" nach Korngolds "Die tote Stadt" ein weiteres Beispiel für den Glanz der verdrängten Werke des 20. Jahrhunderts. Philipp Pointner bleibt der Fachmann am Pult und hat erneut Gabriele Rech als Regie-Partnerin. - Für Wagnerianer auf Entzug kann der Weg nach Würzburg nicht zu weit sein: Dort wird das Bühnenweihfestspiel "Parsifal" in Koproduktion mit Zagreb gewagt, inszeniert von jenem Kurt-Josef Schildknecht, der einst in Nürnberg für "Die Macht des Schicksals" antrat. Der britische GMD Jonathan Sears dirigiert ab 21. Mai elf Vorstellungen, womit das anspruchsvolle Werk diesen Sommer in Würzburg öfter als in Bayreuth zu sehen ist. Dieter Stoll

 

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