Kultur Mordversuch an Nürnberger Musiklehrer

Partner in Crime: Petra Nacke und Elmar Tannert Foto: ars vivendi Verlag

„Blaulicht“: der neue und wieder gelungene Krimi des Nürnberger Autoren-Duos Petra Nacke und Elmart Tannert

 

Das Schicksal ist manchmal einfach eine gemeine Sau“, muss Zoe Kandeloros feststellen. Es straft Kinder mit lieb- und gnadenlosen Erziehern, treibt sie zur Verzweiflung bis hin zum Mordversuch. Einen solchen müssen Kandeloros und ihre Kollegen von der Mordkommission der Nürnberger Polizei aufklären. Eine schweißtreibende Arbeit, denn die junge Täterin hat einen der heißen Sommertage des Jahres 2010 gewählt, um den Musiklehrer Gerlach auf offener Straße in der Nordstadt niederzustechen. Dort nimmt „Blaulicht“, der zweite Krimi des Autoren-Duos Petra Nacke und Elmar Tannert seinen Lauf. Ein Krimi, der hält, was das Erstlingswerk der beiden versprochen hat (ars vivendi Verlag, 310 S., 14,90 Euro).

Mit „Rache, Engel“ ist dem bis dahin sehr erfolgreich auf Solo-Pfaden wandelnden Schriftsteller und AZ-Kolumnisten Elmar Tannert und der als Moderatorin, Rezitatorin und „Feinton“-Sängerin vor allem für ihre Stimme bekannten Petra Nacke ein Krimi gelungen, der sich durch Originalität, literarische Qualität und den besonderen, klischeefreien Blick auf und ein wirkliches Gespür für die Stadt auszeichnet und der damit aus der Flut umsatzträchtiger Regionalkrimis herausragt. Mit „Blaulicht“ ist das nicht anders. Vielleicht ist die Tat nicht ganz so absonderlich und das Personal weniger skurril, bestimmt ist die Krimi-Handlung aber noch spannender. Obwohl die Täterin von Anfang an bekannt ist.

Kopfzerbrechen bereitet den Ermittlern viel mehr die Frage, was Unternehmerstochter Sandra Kovács dazu bewogen hat, ihren ehemaligen Musiklehrer am helllichten Tag ein Messer in Kehle und Brust zu rammen? Geht es um Missbrauch, wie Kandeloros, die neue Kollegin mit dem Aussehen der jungen Nana Mouskouri, vermutet? Oder gibt es Verbindungen zu dem osteuropäischen Drogenring, der mit dem synthetischen Rauschgift „Pep Zero“ handelt, das Kovács im Blut hatte? Eine Spur, die Hauptkommissar Kalz, Verfechter rauchfreien Lebens und frauenfreier Kriminalpolizei, intensiv verfolgt.

Ein verständnisvoller Vorgesetzter, eine sympathische Psychologin, ein exzentrischer Gerichtsmediziner, ein in der Oberpfalz urlaubender Fürther Kripobeamter und eine tschechische Dezernats-Walküre spielen weitere Rollen in diesem Krimi, der den Sommer 2010 und alles, was damals bewegt hat, nochmals zurückbringt: Fußball-WM samt Vuvuzelas, Rauchverbot, griechische Finanzmisere, Ölpest und die relative kurze, aber lähmende Hitzewelle. Tannert und Nacke liefern bei weitem nicht nur Außenbetrachtungen, sondern gelungene Innenansichten. Sie lassen einem als Leser in die verschwitzte Haut der Protagonisten schlüpfen. Man weiß genau, wie die sich fühlen, könnte es aber nie so treffend und bild-schön beschreiben. Ute Maucher

Petra Nacke und Elmar Tannert stellen „Blaulicht“ heute um 19 Uhr im Casablanca am Kopernikusplatz vor.

 

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