Kultur Mit der AZ zu Simon Rattle

Der 1955 in Liverpool geborene Simon Rattle ist der Inbegriff eines lockeren Stardirigenten modernen Zuschnitts. Foto: EMI

Für Robert Schumanns „Das Paradies und die Peri“ mit dem charismatischen Wuschelkopf am Dirigentenpult können Leser am Samstag ab 11 Uhr noch vor Beginn des Vorverkaufs Karten reservieren

 

Es ist Jahre her, dass er zum letzten Mal in München dirigierte. Wer Simon Rattle hören will, muss zu den Salzburger Festspielen fahren oder besser gleich in unsere Hauptstadt, weil sich der Dirigent auf seine Arbeit mit den Berliner Philharmonikern konzentriert.

Anderen Orchestern zeigt Simon Rattle in der Regel die kalte Schulter. Im September macht der charismatische Brite eine Ausnahme: Der Chef des angesehensten deutschen Orchesters gastiert bei der zweiten Elitetruppe des Landes. An drei Abenden dirigiert er Robert Schumanns „Das Paradies und die Peri“ mit dem Chor und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Ein Gipfelwerk der Romantik

„Ich halte dieses Oratorium für ein absolutes Meisterwerk!“, sagte Rattle kürzlich vor einer Aufführung in Berlin. „Es ist wahrscheinlich das beste Stück, das Schumann je für Orchester geschrieben hat. Im Rückblick auf die historische Tradition, aber auch in den Vorausblicken auf die Zukunft und darin, dass hier mit Oper, Oratorium und Kantate die verschiedensten musikalischen Genres zusammenfließen, ist es das Meisterwerk der deutschen Romantik.“

Die von Schumann 1843 in Leipzig selbst geleitete Uraufführung brachte dem damals 33-jährigen Komponisten den Durchbruch. Die „Peri“ wurde vom zeitgenössischen Publikum begeistert aufgenommen, die Kritik lobte vor allem die Ausgewogenheit zwischen Kunstwillen und publikumswirksamer Form. Um so mehr überrascht es, dass das Oratorium in Vergessenheit geriet. Erst in jüngster Zeit erlebte es durch Dirigenten wie John Eliot Gardiner und Nikolaus Harnoncourt eine Renaissance.

Ein Kommunikator

Rattle hat einen wachen Sinn für Raritäten jenseits von Beethoven, Brahms und Bruckner: Sein breites Repertoire reicht von Rameaus Barockoper „Les Boréades“ bis zu Stockhausens „Gruppen“. Bekannt wurde der Silberlockenkopf in den 1980er Jahren, als er das Orchester von Birmingham zur Weltklasse führte. 1999 wählten ihn die Berliner Philharmoniker zum Nachfolger von Claudio Abbado. Rattle ist das Muster des kommunikativen Dirigenten modernen Zuschnitts: Understatement hält er für wichtiger als steifes Zeremoniell, der historisch informierte Aufführungsstil bedeutet ihm mehr als der Schönklang, und statt auf Champagner-Empfängen zeigt er sich lieber bei Schulprojekten in der Arena des Berliner Stadtteils Treptow.

Die Karten für die Aufführung von „Das Paradies und die Peri“ mit dem Chef der Berliner Philharmoniker kosten zwischen 12 und 60 Euro. Unter den Solisten ist auch Rattles Gattin, die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kozená. Noch vor Beginn des Vorverkaufs am 22. Juni können AZ-Leser zugreifen: Vorab sind 200 Karten für das Sonderkonzert am Samstag, den 19. September, 20 Uhr, reserviert. Sie können ab heute, Samstag, 11 Uhr, unter Tel. 0180 54818181 telefonisch bestellt werden. Das Kennwort lautet: „Mit der AZ zu Simon Rattle“.

Robert Braunmüller

 

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