Kultur Hinreißend, mit Luft nach oben

Riccardo Chailly bei den Proben. Foto: Michael Neumeister

Riccardo Chailly beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

 

Münchens Sergiu Celibidache bezeichnete ihn einst als „unfähig“. Mittlerweile hat er Weltkarriere gemacht. Mit Mahlers Symphonie Nr. 1 begab sich der Italiener auf gefährliches Terrain. Aber schon nach wenigen Takten wurde klar: Riccardo Chailly interessierte sich weniger für die dramatischen Ausbrüche als für die vielen intimen Naturschilderungen, bei denen Ruhe und Zurückhaltung gefragt ist. So erlebten die Zuhörer im Herkulessaal eine faszinierend unspektakuläre Aufführung, fernab von Eitelkeiten und effektgierigen Show-Einlagen.

Begonnen hatte das BR-Symphonieorchester mit Berios „Sinfonia“ (1968), einer hinreißenden Collage aus Musik und Text, deren dritter Satz geradezu lustvoll Zitate von Mahler, Richard Strauss und Debussy durcheinander wirbelt. Das österreichische Vokalensemble Nova seufzte, flüsterte und sang die dazu gebastelte Wort-Akrobatik mit Hingabe. Allzu viel verstand man nicht, was aber nicht wesentlich störte. Das Orchester reagierte auf Chaillys Mahler-Abenteuer geschmeidig und flexibel. Bei den Bläsern war noch Luft nach oben, bei den Hörnern leider eine ganze Menge.

V. B.

 

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