Kultur Er wollte eine Stratocaster

Ja ist denn heut’ schon Weihnachten? Joe Bonamassa, Sohn eines Gitarrenhändlers, im Kreise seiner Lieben. Foto: Rick Gould

Und dann wurde etwas mehr daraus: Eine Begegnung mit Joe Bonamassa, einem der interessantesten jungen Rock-Gitarristen der Gegenwart, der jetzt sogar Leonard Cohen covert

 

Wir treffen uns im Restaurant im Sofitel Hotel am Hauptbahnhof. Das Geklingel von irgendetwas wie Ambient-Music regnet auf uns herab. Ein eigenartiger Ort, um mit einem der interessantesten jungen Rock-Gitarristen zu plaudern. Nein, er selber sei kein Guitar-Hero, sagt er. Er schaut auf zu Beck, Page, Clapton, B. B. King oder dem „weltschnellsten“ Gitarrero Guthrie Govan. B. B. King hat Joe Bonamassa selber kennengelernt. „24. Mai 1990“ – sein Mund stanzt das Datum aus wie eine Maschine. „Er war einfach der Typ, der mein Leben verändert hat“, sagt Bonamassa. Und auf seinem neuen Album spielt er mit. Joe war erschrocken, als King tatsächlich zusagte.

„Black Rock“ heißt das Werk. Und – Puristen mögen sich da entsetzen – es ist heftig geworden, ein Granitaushub der Rock-Geschichte. Bonamassa lässt die Riffs aus dem glühenden Herz des Röhrenverstärkers brechen.

Sein Vater hatte einen Gitarren-Laden. Ein schweres Geschäft, sagt er. Um die Jahrtausendwende hat er es aufgegeben. Als Bonamassa als Kind Buddy Holly in der Ed-Sullivan-Show sah, wollte er auch so eine Fender Stratocaster besitzen. Als Botschafter für die Blues Foundation hat er später versucht, Kindern den Blues nahezubringen.

Griechisches

In „The Quarrymens Lament“ auf dem neuen Album gibt es griechische Elemente. Am Ende sei man bei den Aufnahmen auf der griechischen Insel Santorini gelandet und der Besitzer des Studios brachte zwei Musiker ins Spiel, die dann auf drei Stücken mitspielten. Unter anderem auch auf der Coverversion von Leonard Cohens „Bird On The Wire“.

Bonamassa wollte etwas Besonderes mit diesem Song machen. Dass dieses Stück schon dutzend Mal von anderen Künstlern aufgenommen wurde, war ihm nicht bewusst. Er kannte nur eine Cohen-Live-Version. Bonamassa kann sich auf nette, bescheidene Weise selber loben: „Teile der Nummer wurden richtig gut, gerade weil ich als Sänger meine Grenzen habe.“ Und er will seinen Gitarren-Vorgängern nicht ansatzweise nahetreten: „Wenn B. B. King eine Note spielt, weißt du, wer das ist – das ist ein großer origineller Gedanke.“ Eric Clapton brauche zwei Noten. Er selber, sagt Bonamassa, habe noch nie einen originellen Gedanken gehabt. Das kann man bezweifeln.

Christian Jooß

Joe Bonamassa: „Black Rock“ (Mascot Records)

 

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