Kultur „Elsa ist doch voller Dopamin“

Bayreuth im Visier: Zuvor singt Annette Dasch aber erst mal Lieder - am 28. Februar in München. Foto: Manfred Baumann / Sony

Die Sopranistin Annette Dasch sprach mit der AZ über Schubladen, das Debüt in Bayreuth und ihr Lied-Recital am Sonntag im Prinzregententheater

 

Dieser Blick! Doch, so könnte man sich eine Zauberin vorstellen. Eine, der man gerne auf den Leim geht. Und wer Annette Dasch 2007 in Salzburg erlebt hat, spürte gleich: Das ist Armida. Jedenfalls in der Felsenreitschule, wo die gleichnamige Haydn-Oper damals aufgeführt wurde. Im Gespräch begegnete uns eine Sängerin mit Bodenhaftung. Das schätzen nicht nur die Fans ihres „Dasch-Salons“, der auf 3sat ausgestrahlt wird: Da plaudert sie entspannt auf dem Sofa über Musik. In einer alten Berliner Fabrikhalle. In München, wo die 35-Jährige studiert hat, singt sie am Sonntag, 28. Februar, Lieder.

AZ: Wir fragen Sie jetzt nicht, wie man Feuer macht. Aber geht Ihnen das Image der patenten Pfadfinderin nicht langsam auf die Nerven?

ANNETTE DASCH: Ja. Das habe ich einmal im Interview erzählt, seither werde ich ständig drauf angesprochen. Leider!

Schön, dann können wir das schon mal ausklammern und zu Ihren Rollen kommen. Man sieht in Ihnen gerne die Temperamentvolle...

Eigentlich würde ich lieber mal was Lustiges machen.

Da fällt mir doch gleich die Operette ein.

Ouuu. Muss ja nicht gleich... Wenn ich’s überlege, war die Gänsemagd in den „Königskindern“ die angenehmste Rolle. Die passt in keine Schublade.

"Bayreuth ist für mich eine Exkursion"

In Bayreuth singen Sie im Sommer die Elsa. Image: die Super-Brave. Das sehen Sie bestimmt anders?

Die Elsa ist einfach bis über beide Ohren verliebt. Die ist doch voller Dopamin. Mit brav hat das nichts zu tun, der Ausnahmezustand kennzeichnet diese Rolle. Genauso stört mich, dass man in mir immer die Temperamentvolle sieht. In der Elektra (Mozarts „Idomeneo“) habe ich ja durchaus das Zarte, das Zerbrechliche gesucht. Traurig, dass man diese Figur immer auf den großen Wutausbruch am Ende reduziert. Ich gehe den Rollen lieber auf den Grund.

Wie suchen Sie Rollen aus?

Ob sie meine Seele ansprechen, ob ich zu einer Rolle etwas zu sagen habe. Beim „Lohengrin“ war das ganz extrem so. Das ist einfach tolle Musik, ein toller Stoff. Ich hab mich ganz dezidiert für diese Produktion an diesem Ort und mit einem sehr jungen, unglaublich begabten Dirigenten entschieden. Dazu ist Hans Neuenfels für mich einer der allerklügsten, Regisseure. Einer, der immer über die Musik und nicht zu sehr über das Libretto kommt.

Wer etwas in Bayreuth erfolgreich gesungen hat, wird gerne auf diese Rolle festgelegt. Dann kommen die anderen Opernhäuser ...

Das kann gut sein, aber das wird bei mir nicht der Fall sein. Bayreuth ist für mich eine Exkursion. Für die Bayerische Staatsoper wäre ich zum Beispiel schon zu leise. Und bevor ich sagen kann, die Elsa ist für mich die Fiordiligi (Mozarts "Così fan tutte"), die ich überall singen kann, müssen erst noch andere Rollen kommen. Eine Arabella etwa. Auch im französischen, slawischen und italienischen Fach gibt es einiges für mich auszuloten.

Jetzt geben Sie in München erst mal ein Lied-Recital. Wie ist es denn, zwischen diesem Repertoire und der Oper zu pendeln?

Man ist beim Lied völlig eigenverantwortlich, kann nichts vertuschen. Da zeigt sich die wahre Meisterschaft eines Sängers. In der Oper reicht’s oft schon, laut zu sein. Im Liederabend will man den Text verstehen, eine exquisite Phrasierung, dass in jedem Lied eine neue Atmosphäre entsteht. Und für diese schnellen Szeneriewechsel braucht man schon eine starke Imagination.

"Am Viktualienmarkt schön ein Helles trinken - herrlich!"

In München singen Sie ein Eichendorff-Programm.

Wolfram Rieger (Pianist) und ich wollten die Jubilare Schumann und Wolf machen. Bei Schumann ist es für Frauen schwierig – wenn man nicht die großen Zyklen singen möchte. Seine anderen Lieder sind oft so unterschiedlich, dass man Mühe hat, Gruppen zusammenzustellen. Deshalb kamen wir auf den Liederkreis Opus 39 nach Gedichten von Joseph von Eichendorff. Das ergibt eine sehr schöne Konzerthälfte.

Was reizt Sie an Schumann?

Mir gefällt diese unglaubliche Vielfalt. Bei Schumann gibt's kein Schema F. Das ist manchmal so kindlich unschuldig, manchmal so kompliziert, groß und schwermütig. Da ist alles dabei, das berührt mich.

Und die zweite Hälfte?

Dazu kombinieren wir die Eichendorff-Lieder von Hugo Wolf. Die sind leider nicht sehr bekannt. Selbst in Wien, wo ich sie kürzlich gesungen habe, kamen die Kenner und gestanden, dass ihnen da vieles neu war.

In der NDR-Talkshow „3 nach 9“ sind Sie am 19. März Gastmoderatorin neben Giovanni di Lorenzo. Hätten Sie denn Lust auf mehr Fernsehen?

Der Dasch-Salon reicht mir eigentlich. Fernsehen macht zwar Spaß, ist aber ein schwieriges Geschäft. Wenn’s als Ausflug funktioniert, gut, mehr strebe ich nicht an. Im Konzert kann man mit den Publikum eine ganz andere Intimität aufbauen. Da gibt es magische Momente, die im Fernsehen nie entstehen könnten.

Nach dem Studium sind Sie wieder in Ihre Heimatstadt Berlin zurück gegangen. Haben Sie manchmal Sehnsucht nach München?

Ja, wenn die ersten warmen Tage im Jahr kommen, dann denk ich mir, ah jetzt am Viktualienmarkt schön ein Helles trinken. Oder einfach nur im Englischen Garten rumliegen und Noten lernen. Herrlich! Doch, daran erinnere ich mich gerne.

Christa Sigg

Prinzregententheater, Sonntag, 28.3.2010, 15.30 Uhr, Karten 36 bis 58 Euro, Tel. 936093

 

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