Kultur Ein Abklatsch des Originals

Knappe Röckchen, Bein und ein verkorkster Moonwalk: „Who’s bad?“ im Circus Krone lebt allein von der Musik, nicht von der faden Show. Foto: Veranstalter

Eine Tribute-Show im Circus Krone erweist dem King of Pop nicht allzuviel der Ehre

Smooth Criminal“: Michael Jacksons Hit mit der perfekten Tanz-Performance. Doch bei der Premiere der Tribute-Show „Who’s bad?“ im Circus Krone stolpert der erste Tänzer die Treppe hoch, der zweite kippt bei den „Leaning shoes“, dem weitem Vorlehnen. Trotzdem: Das Publikum am Sonntagabend jubelt – selbst wenn mit André Santisi nur ein Jackson-Imitator auf der Bühne steht. Den King of Pop noch einmal live erleben und sei es nur für zwei Stunden Illusion, darum geht es den Münchnern an diesem Abend, auch wenn man das Gefühl von Beutelschneiderei nicht los wird.

Schnell ist klar: Es ist die Musik, die diese Show herausreißt: „Thriller“, „Billie Jean“, „Man in the Mirror“, „Beat it“. Denn der King of Pop funktioniert in der Kopie nur mäßig. Santisis Auftritt strotzt nicht von jener Agilität und jener Selbstverständlichkeit, welche Jacksons Tanz so einzigartig machten. Die Bewegungen sind einstudiert – klar –, aber sie wirken auch bemüht, der Moonwalk hakt.

Ohne Seele

Möglichst nahe an der Vorlage will „Who’s bad?“ sein. Und wenn die Show sich an Videoclips wie „Remember the time“ oder „Black or White“ anlehnt, gelingt dies auch. Pyroeffekte, Licht und typische Jackson-Posen wie der Tanz auf einem Windkanal lassen tatsächlich Konzert-Gefühl aufkommen. Nur leider: Die Tänzer bewegen sich zu Hiphop-lastig, die Choreografie sitzt nicht. Das Charisma, um zum Publikum durchzudringen, fehlt. Diese Rolle bleibt Santisi samt Band überlassen.

Ein Job, der erst zur Zugabe glückt: „Heal the World“ erzeugt Gänsehaut – dank dem Auftritt der Münchner Chorbuben, die 1992 mit dem echten Jackson bei der „Dangerous“-Tour auftraten. Aus den Kindern sind junge Erwachsene geworden, die hier die Arme im Takt schwenken.

Anne Kathrin Koophamel

 

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