Kultur Druck ablassen

Lederjacke statt Lederhose – E-Gitarre statt Trompete: Stefan Dettl lässt den inneren Rocker frei. Foto: Label

Stefan Dettl, Frontmann von LaBrassBanda veröffentlich seine Solo-CD „Rockstar“ und spielt heute, 3. Februar, um 24 Uhr spontan am Gärtnerplatz

 

Seit einer Weile ist er abgetaucht. Die Tischplatte im Interviewraum wackelt. Artur Silber, seine Begleitung auf Promotion-Tour, guckt schon leicht angestrengt. Es tut ihm leid, sagt Stefan Dettl, dass er keinen Bohrer dabei hat. Dann würde er das Ding einfach festdübeln. Dettl ist ein Musikwerker und will eigentlich über sein Soloprojekt sprechen. Heute bringt der Frontmann von LaBrassBanda mit „Rockstar“ seine erste Platte unter eigenem Namen heraus. Und eben, das Interview ist schon lange geführt, bringt der Briefträger ein neues Magazin. MUH heißt es, ist ein ansprechend gestaltetes Ding um bayerische Wesen und Kultur. Und wer wird im Impressum als „Initiator & spiritus rector“ geführt? Stefan Dettl.

AZ: Herr Dettl, sind Sie sind jetzt solo?

STEFAN DETTL: Februar hatten wir vier Wochen frei. Bettkante, Gitarre, ich sing ein bisserl umanand. Das machte wahnsinnig Spaß wieder mit Gitarre zu spielen. Dann habe ich zwei Lieder aufgenommen und sie bei einem Weißbier auf’d Nacht ein paar Spezln gezeigt. Und dann habe ich das ganz frech an alle Major-Labels geschickt. Zufällig war ich dann mit den Toten Hosen in Düsseldorf zusammen...

Die kanntet ihr schon vorher.

Wir haben mal auf ihrer Weihnachtsshow vor ihnen gespielt. Ich konnte mich mit ihnen gut über die Strukturen von Bands austauschen. Sie arbeiten mit einem Major, haben aber doch ein eigenes Plattenlabel. Und dann sitzen sie zusammen und bereden alles. Das habe ich auch für LaBrassBanda interessant gefunden.

Das Labelkonzept oder die Bandstruktur?

Die Bandstruktur, dieses wahnsinnig basisdemokratische. Dadurch, dass bei uns so viele Sachen so schnell passiert sind, ist einfach auch gemacht worden. Die Musik habe ich gemacht, die Texte zur Hälfte ich, zur Hälfte der Manu. Aber um eine Band so lange zu halten, ist es ganz wichtig, dass jeder Sachen einbringen kann. Die Hosen nehmen sich Zeit, haben jetzt wieder zwei Jahre Pause bis zur nächsten Tour.

Was haben Ihre Kollegen zu den Solo-Plänen gesagt?

Ich habe sie immer teilhaben lassen. Die ersten Lieder habe ich sie anhören lassen. Da war die Meinung geteilt. Sie haben gesehen wie es wächst. Als ich dann die Möglichkeit hatte, es auch bei Sony zu machen, haben alle gesagt: Bitte mach dein Ding. Die sind froh, wenn ich ein Ventil hab’, wo ich auch Druck ablassen kann.

War Sony nicht auch an LaBrassBanda interessiert?

Nicht konkret.

Sie sind bei RCA gelandet.

Die meisten Labels haben gesagt, man könne es mal probieren, aber eigentlich würden sie gerne LaBrassBanda haben. Da sind wir knallhart geblieben und haben gesagt: Wenn, dann ist das das Projekt. Die einzigen, die sich das vorstellen konnten, waren Sony. Und die einzige Labelgruppe, die das übernehmen konnte, war die Ariola. Wir saßen bei der Ariola. Das war schon skurril.

Die Wendler-Plakate?

Als wir aus dem Gebäude raus sind, sagten wir, wir können das eigentlich nicht machen. Dann wurde uns angeboten, auch auf RCA zu gehen. Ich habe Lieder geschickt, aber sie haben sich in die Musik überhaupt nicht eingemischt.

Echt?

Einmal war eine A&R-Dame da. Die kam, hat sich das angehört. Fand, dass das in eine gute Richtung läuft und sagte, wenn ich Probleme habe, soll ich mich melden.

Die Anforderungen an Sie als Sänger sind gestiegen.

Ich habe viel Nirvana gehört. Das ist ein Typ, der eigentlich keine so richtige Stimme hat, aber mit wahnsinnig viel Charisma singt. Und Dave Grohl finde ich auch Wahnsinn. Singen ist nicht so direkt seins, aber durch die Energie und Leidenschaft passt das dann.

Ist das nicht alles etwas viel? Sie haben ja mit LaBrassBanda schon ganz gut zu tun.

Das ist eine Chance, jetzt diese Sachen zu machen. Und wenn ich die habe, dann nutze ich sie auch.

Ist das eine Auszeit vom Partyzwang mit LaBrassBanda?

Wir haben in Dresden, Leipzig und Zwickau vor jeweils 2000 Leuten gespielt. Ich hab danach gesagt: Wenn ich in 15 Jahren erzähle, dass ich auf boarisch moderiert und gesungen habe und im Osten unglaublich schöne Konzerte gespielt habe, das glaubt mir kein Mensch.

Christian Jooß

heute, am 3. Februar, 24 Uhr, gibt Dettl ein Spontan-Kontert am Gärtnerplatz, am 29. Mai kommt er ab 20 Uhr in den Circus Krone

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