Kultur Der weibliche Part

August Diehl mit Angelina Jolie auf dem roten Teppich vor der Berliner Premiere von „Salt“. Foto: dpa

Sie liebt Stunts, er gibt sich brav: Der Schauspieler August Diehl über die Arbeit mit Kollegin Angelina Jolie, deren Ehemann er im Thriller „Salt“ spielt

 

James Bond macht schon seit Jahren Urlaub. Als Superagentin ist derzeit in „Salt“ eine Frau mit paradox eisiger Sinnlichkeit im Einsatz. Männer sind an der Seite von Angelina Jolie nur schmückendes Beiwerk. Der deutsche Schauspieler August Diehl verkörpert den Ehemann der Action-Katze.

AZ: Herr Diehl, wie haben Sie reagiert, als Sie hörten, dass Sie an der Seite von Angelina Jolie in einem Hollywood-Blockbuster spielen sollten?

AUGUST DIEL: Kurz bevor „Inglourious Basterds“ ins Kino kam, rief mich meine Agentin an, dass ich morgen zu einem Casting kommen sollte. Da bin ich nach Washington geflogen, habe in einem Hotelzimmer Angelina Jolie und Regisseur Phillip Noyce getroffen, wir haben kurz zwei oder drei Szenen gespielt und danach hatte ich die Rolle. Das ging so schnell, dass ich gar nicht realisiert habe, auf was ich mich da eingelassen hatte.

In Presseberichten heißt es, Brad Pitt hätte ein gutes Wort für Sie eingelegt.

Ich habe dort immer versucht herauszubekommen, warum ich diese Rolle gekriegt habe. Aber es lag vielleicht nur daran, dass ich mich mit Phillip Noyce und Angelina Jolie auf Anhieb gut verstanden habe. Irgendwann habe ich über Gerüchte erfahren, dass die Idee durch Brad Pitt und „Inglourious Basterds“ aufkam. Aber ich habe keine Ahnung, wie es wirklich war.

Ihr Auftritt in Tarantinos „Inglourious Basterds“ war ja eine erstklassige Visitenkarte. Haben Sie danach noch mehr Angebote bekommen, einen Bösewicht zu spielen?

Nein, bis jetzt noch nicht. Aber wenn ich so eine Rolle noch einmal spiele, würde ich das allerdings nicht gern wieder in einer Nazi-Uniform tun. Der Part in „Inglourious Basterds“ war einfach so gut geschrieben, das konnte man gar nicht versemmeln. Das war einfach ein riesengroßes Geschenk für mich.

Die Rolle in „Salt“ dagegen ist relativ klein und Sie spielen den Ehemann der Heldin. Haben Sie sich wohl in dieser Rolle gefühlt?

Eigentlich sind solche Action-Filme mit einer männlichen Hauptrolle besetzt, die dann gelegentlich ihren romantischen, weiblichen Part trifft. Hier war das umgekehrt. Bei Action-Szenen bin ich immer zum Kühlschrank gegangen, weil ich hier der sogenannte „Love Interest“ war. Das war meine einzige Aufgabe und die war schwer genug.

Hört sich für den Laien gar nicht so schwer an, den Geliebten von Angelina Jolie zu spielen.

Es war eine kleine, aber schwierige Rolle. Es geht um zwei Leute, die sich lieben und das ist immer schwieriger zu spielen, als einen wunderbar gebauten Auftritt wie im Tarantino-Film. Das, was im Film mit der Agentin Salt passiert, übersteigt alle Vorstellungen des Publikums und die eigentliche, realistische Erdung ist diese gesunde Beziehung zu ihrem Ehemann, der bis nach Korea fliegt, um zu schauen, wo seine Frau bleibt.

Wenn Sie sich als deutscher Schauspieler mit solchen internationalen Stars auf einem Hollywood-Set wiederfinden – macht Sie das nicht ein klein wenig nervös?

Das ging mir schon bei „Inglourious Basterds“ so: Im Vorfeld hatte ich diese ganzen Berührungsängste und fühlte mich komisch, weil ich nun in dieses Hollywood-Reich eintrat. Aber sobald ich dann am Set stehe, vergesse ich das komplett. Dann geht es einfach nur um die Arbeit. Aber in diesem Fall hängt das auch mit Angelina Jolie zusammen, die eine sehr kumpelige Art hatte und mich schnell auf den Boden zurückgeholt hat.

Wie ist Angelina Jolie als Kollegin?

Sie war sehr gern am Set, auch wenn sie nicht dran war. Hat viel mit uns geredet. Natürlich hat sie sich auch manchmal in den Trailer zurückgezogen. Während ich gemütlich auf meine Szene gewartet habe, hing sie ja manchmal aus irgendeinem Hubschrauber in 100 Meter Höhe. Angelina Jolie macht ja viele Stunts selbst und das scheint ihr auch richtig Spaß zu machen. Wenn sie zwanzig Minuten lang – natürlich gesichert – im fünfzehnten Stock auf einem schmalen Fenstersims stand, war sie danach immer gut gelaunt. Anders als bei uns gehört in Amerika dieser Mut, sich auf solche Stunt-Sachen einzulassen, ja zum Beruf dazu. Eigentlich wäre ich auch gern ein bisschen mehr bei dem Action-Part dabei gewesen.

Gerade haben Sie für Andres Veiels „Wer, wenn nicht wir“ vor der Kamera gestanden und Bernward Vesper, den langjährigen Geliebten von Gudrun Ensslin, gespielt. Wieder ein Mann an der Seite einer starken Frau.

Bernward Vesper war die erwachsenste Rolle, die ich bisher gespielt habe. Da ging es um Fragen, die ich vorher noch nie im Film behandelt hatte. Soll man eine Familie gründen? Wie sieht ein gemeinsamer Lebensentwurf aus? Und dann die politische Welt, die das Paar auseinander reißt. Mit so etwas hatte ich mich vorher noch nicht als Schauspieler beschäftigt. Das war sehr interessant, und ich freue mich eigentlich schon darauf, wenn ich 50 bin und so reife Rollen spielen kann, wie der großartige Michael Caine in „Der stille Amerikaner“.

Martin Schwickert

Kino: Mathäser, CinemaxX, Münchner Freiheit, Royal, R: Phillip Noyce (USA,100 Min.)

 

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