Kultur Der Coundown läuft

Kent Nagano ist als Generalmusikdirektor der Musikchef der Bayerischen Staatsoper. Foto: Wilfried Hösl

Mit Nietzsche im Rucksack auf den Gipfel der Programm-Musik: Am Samstag dirgiert Kent Nagano dirigiert die „Alpensymphonie“ von Richard Strauss auf dem Max-Joseph-Platz

 

"Es ist die Stimme der Tradition, die ,Elektra’ und ,Isolde’ oder ,Idomeneo' in München einmalig machen“, sagt Kent Nagano. „Das Bayerische Staatsorchester besteht seit 400 Jahren. Die Vorgänger meiner Musiker arbeiteten mit Mozart, Wagner und Strauss. Das ist bis heute am besonderen Klang zu hören.“

Unter Nagano tönt das Staatsorchester satt und dunkel wie früher. Daneben hat es an Transparenz gewonnen. Der 1951 bei Boston geborene und im kalifornischen Berkeley aufgewachsene Generalmusikdirektor kennt die bisweilen geäußerte Kritik, er würde zu wenig Repertoire dirigieren: „Ich kann und will nicht alles gleichzeitig machen“, erwidert er. „Es kommt mir darauf an, wie etwas gespielt wird und mit welchem Gewicht.“

Strauss-Schwerpunkz

Heuer setzt Nagano bei den Festspielen einen Schwerpunkt mit Richard Strauss. Im Prinzregententheater dirigiert er die Premiere der komischen Oper „Die schweigsame Frau“, zum Auftakt leitet er die monumentale „Alpensymphonie“ bei freiem Eintritt auf dem Max-Joseph-Platz.

Das 1915 in Berlin uraufgeführte musikalische Protokoll einer Bergwanderung entstand in der Garmischer Villa des Komponisten mit Zugspitzblick. Es ist ein herausragendes Beispiel für ProgrammMusik. Ein Sonnenaufgang, die Alm, ein Wasserfall, das Gipfelerlebnis und ein Unwetter werden von einem riesig besetzten Orchester aus 125 Musikern bunt gemalt.

Philosophischer Hintergrund

Die Idee des Werks geht auf ein Erlebnis aus der Kindheit des Komponisten zurück: Richard Strauss hatte sich verstiegen und war in ein Gewitter gekommen. Dieses Ereignis stellte er tags darauf am Klavier dar. Aus dieser Erinnerung entwickelte er das Konzept der „Alpensymphonie“.

Hinter den scheinbar naiven Bildern steckt jedoch mehr: Der von Strauss beschriebene Wanderweg, der von der Nacht auf den Gipfel und wieder zurück führt, lässt sich als Gleichnis des menschlichen Lebens betrachten. Dabei wurde Strauss von der Philosophie Friedrich Nietzsches angeregt, denn die Skizzen tragen den Titel der Nietzsche-Schrift „Der Antichrist“. Damit steht das Werk in direkter Beziehung zur von Nietzsche beeinflussten Tondichtung „Also sprach Zarathustra“, deren berühmter Anfang auf dem Gipfel kaum grundlos zitiert wird.

RBR

Festspielkonzert, Max-Joseph-Platz, Sa, 26. Juni, 20 Uhr. Eintritt ist frei, keine Karten erforderlich

 

0 Kommentare