Kultur Das ungute Gefühl, nicht willkommen zu sein

Kein Pass, kein Geld und keine Heimat mehr: Flüchtling Elise (Katrin Griesser) bleibt nur die Bank im Bahnhof von Lukas. Foto: Wolfgang Keller

NÜRNBERG - „Niemand heißt Elise“ vom Theater Pfütze hat im Fürther Kulturforum Premiere – Flucht als Thema

 

Niemand mag den Duft von Kaffee. Niemand spielt Akkordeon. Niemand friert, wenn es draußen kalt ist. Niemand heißt Elise. Und so heißt das neue Kinder-Stück des Nürnberger Kindertheaters Pfütze, das am Samstag (20 Uhr) im Fürther Kulturforum Premiere feiert. Darin geht es um Elise, die vor dem Krieg aus ihrem Land flieht. Sie hat keinen Pass, kein Geld und keinen Ort zum Schlafen, als sie an einer verlassenen Bahnstation an der Grenze auf Bahnwärter Lukas trifft. Der ist obrigkeitshörig und hat die Anweisung, dass niemand im Bahnhof übernachten darf.

Das Theater Metronom in Niedersachsen hatte das Stück vor zehn Jahren uraufgeführt. Regisseur Christopher Gottwald war schwer angetan vom Stoff, der von Flucht und Vertreibung und dem Gefühl, nicht willkommen zu sein, erzählt. Das Happy End steht in Gestalt des Enkels, der die Geschichte der Großeltern Lukas und Elise aufblättert, gleich mit auf der Bühne. An Aktualität hat „Niemand heißt Elise“ nach Ansicht von Christopher Gottwald aber nichts verloren: „Da gibt es Afrikaner, die versuchen über das Meer nach Europa zu gelangen, und auf dem Weg zu Tausenden sterben, es gibt die vielen Flüchtlinge aus dem Irak oder Afghanistan – und wie wir mit denen umgehen. Das ist alles ziemlich deprimierend.“

Aber „Niemand heißt Elise“ ist auch im Programm, weil Christopher Gottwalds Vater selbst ein deutscher Kriegs-Flüchtling war – Autobiographie-Aufarbeitung sozusagen. Um aber die Geschichte kindgerecht zu erzählen, verzichtet „Niemand heißt Elise“ auf zu viel Tragödie: „Unsere theatralen Mittel sind nicht furchteinflößend,“ sagt Gottwald, „Natürlich ist das ein schwierig umzusetzendes und trauriges Thema. Aber so stellen sich die Kinder der Frage, wieviele Regeln man befolgen und wo man sie brechen muss. So wie im Stück eben der Bahnwärter Lukas. Darüber hinaus funktioniert das Stück auf mehreren Ebenen – Kinder sehen etwas anderes darin als Erwachsene.“ mm

 

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