Kultur Das Ende der Kinoträume

Hinter dieser Fassade verbergen sich noch die drei Forum-Kinos. Ab dem kommenden Jahr soll hier der Zentral-Eingang zum Deutschen Museum entstehen. Foto: Ronald Zimmermann

Ein Schock für Münchner Filmfans: Die erfolgreichen Forumkinos müssen zum 1. Juli schließen, denn das Deutsche Museum plant hier seinen neuen Eingangsbereich.

 

Die „Isarmeile“ für Filmfans sollte das Filmfest München tragen: vom Rio am Rosenheimer Platz über den Gasteig als Festival-Herzzentrum, weiter zu den drei Forumkinos über das Multiplex Cinemaxx am Isartor bis zum Filmmuseum am Jakobsplatz. Jetzt fehlt Festival-Chef Andreas Ströhl in dieser Kinokette ein wichtiger Stein: Die Forumkinos schließen im Juni und damit drei Kinosäle mit insgesamt 651 Plätzen.

„An uns liegt es nicht. Unser Konzept, keine Werbung zu zeigen und die Entscheidung schon 2005 unsere Kinos zu digitalisieren, sind immer besser aufgegangen. Die Forum-kinos sind Technikavantgarde. Ich hätte gerne weiter gemacht“, sagt Betreiber Martin Danner. Den „Avatar“-Boom kann er jetzt noch mitnehmen (siehe Kasten) „Wir haben den schönsten 3D-Saal und bei uns kostet der Spaß drei Euro weniger“, erklärt Danner. 50 Arbeitsplätze entfallen sowie drei Kinos mit einem besonderen Programm-Stil wie Sport- und Extremsportfilmen oder dem sonntäglichen Familienbrunch.

Das Deutsche Museum hat letztes Jahr das Forum-Areal zurückgekauft, um hier seinen großen Eingangsbereich neu zu gestalten. Die Stahlbetonkonstruktion, die 1930 hoch modern war, mit dem ehemaligen Kongresssaal, soll ein großes Entrée werden.

Pikanterweise hatte das Deutsche Museum gerade diesen Gebäudekomplex 1989 verkauft. Der damals neue Gasteig schien dem Kongresssaal zuviel Konkurrenz zu machen. Die Familie Brochier wurde Besitzer der Immobilie. 1992 eröffnet das Forum der Technik. Doch ein Problem blieb: Aufgrund der ehemaligen Zugehörigkeit zum Deutschen Museum war nur eine Bildungs- und Kulturnutzung erlaubt. Aber das Riesenleinwand-Imax mit seiner Beschränkung auf populär-wissenschaftliche Filminhalte trug sich genauso wenig wie das antiquierte Planetarium.

Nach dem Umbau gibt es keine Kinos mehr im Deutschen Museum

Es folgten mehrere Insolvenzen der verschiedenen Betreiberfirmen. 2001 wurde das Forum am Deutschen Museum noch einmal in Amazeum umbenannt. Aber in nur drei Jahren häuften sich Schulden von 4,8 Millionen Euro an bei einem jährlichen Umsatz von weniger als vier Millionen Euro.

Dann kamen 2005 die mutigen Betreiber des „Neuen“ Forum am Deutschen Museum mit ihren erfolgreichen Kinos. Jetzt wurde ihnen gekündigt. Museumsumbau und Sanierung sind bis 2014 geplant und sollen 400 Millionen Euro kosten. Baubeginn wird aber erst 2011 sein. Warum lässt man dann Danner die Forumkinos nicht erfolgreich ein Jahr weiter betreiben?

Bernhard Weidemann, Pressesprecher des Deutschen Museums, erklärt dies mit den Vorarbeiten, Statik-Tests und Probebohrungen. „Ziel ist es, die bisherige beengte Hinter-Hof-Eingangslösung in einen repräsentativen Eingangsbereich auf der eigentlichen Schauseite zu überführen. Kinos sind danach nicht mehr vorgesehen, aber ein neues Planetarium auf dem Stand der Technik.“

Filmfest-Chef Andreas Ströhl will als Zwischenlösung in den kommenden Jahren die Säle im Cinemaxx intensiver nutzen. Und für Jury- und Pressevorstellungen hat er die „Museum Lichtspiele“ gewonnen, Kinos mit „ganz besonderem Charme“, wie er es vorsichtig formuliert. Klimaanlage gibt’s da keine, aber das Filmfest München 2010 vom 25. Juni bis zum 3. Juli hofft ja ohnehin auf schlechtes Wetter, das Zuschauer auch im Sommer ins Kino treibt.

Adrian Prechtel

 

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