Kultur Boshafter Witz vom singenden Kummerbund

Illustration Foto: Veranstalter

William Fitzsimmons verzaubert das Erlanger Markgrafentheater

 

Das nächste Lied“, sagt William Fitzsimmons, „handelt von Sex.“ Und als das Publikum im Erlanger Markgrafentheater lacht, sagt er: „Freuen Sie sich nicht zu früh. Sie wissen nicht, wie ein Fitzsimmons-Sexsong klingt.“ Er pausiert kurz, stimmt seine Gitarre und fügt trocken an: „Vermutlich stirbt wer.“

Er spielt perfekt mit seinem Image als singender Kummerbund, der Mann mit den wunderbar melancholischen Liedern. So gewitzt tut er das, dass man immer weniger versteht, wieso seine Songs eigentlich so todtraurig sind. Aber eben jener Mix, macht den Abend so besonders. Oder besser: viele Mischungen.

Mit Kassenbrille und Strumpfhaube

Die von Leid und Witz. Die Abwechslung von Solo-Gitarre, Gitarrenduo, Quartett. Das raffinierte Spiel mit der Dynamik. Fitzsimmons exzellente Arrangements rund um die akustische Gitarre, das lustvolles Zupfen, bei dem er sich zugleich so über die Gitarre beugt, dass man schon vom Zusehen Kreuzschmerzen kriegt. Die leise Stimme zur selbstbewussten Moderation. Der Auftritt mit der grausig sitzenden Jeans an den staksigen Beinen, der Zauselbart, die Kassenbrille unter der Mütze, die aussieht wie ein abgeschnittener Kniestrumpf – kurz, die Alternativ-Optik im hochkulturellen Spielort, was Fitzsimmons sichtlich genießt. In der Zugabe teilt er sich mit seiner Band auf die beiden untersten Logen auf, die Vier singen sich unverstärkt über den Zuschauerraum hinweg an, intimer kann’s kaum noch werden.

Zug - oder Zugabe

„Wir haben gezielt mit dem Spielort geworben“, sagt Stefan Prange vom Veranstalter E-Werk, „sonst wäre jemand wie Fitzsimmons wohl nie zu uns gekommen.“ Und zahlreiche junge Besucher wohl sonst auch nicht ins Theater, eine Win-Win-Situation, die auch der nächste Besuch im Markgrafentheater nutzen möchte: Heather Nova, am 23.Oktober. Bis dahin löst man vielleicht auch das Logistikproblem: Wer per Zug aus Fürth oder Nürnberg kam, musste auf Fitzsimmons’ Zugaben verzichten – oder auf die Heimfahrt.

Timur Vermes

 

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